Aufgrund technischer Unzulänglichkeiten meines Fahrrades, bin ich seit ca. 2 Wochen gezwungen, mit dem Auto zur Arbeit zu fahren. Beziehungsbedingt habe ich zwei verschiedene Ausgangsorte. Der eine liegt ca. 4 km, der andere gut 10 km vom Ort des Schaffens entfernt. Beide haben eines gemeinsam: scheinbar fährt jeder Hamburger diesen Weg. Somit ein durchschnittlicher Weg für folgende, erstaunliche Dokumentation.
Mein Auto verfügt dank Hochtechnisierung über eine Durchschnittsgeschwindigkeitsanzeige. Mein Rad ebenfalls. Als ich mal wieder an einer roten Ampel, kurz vor Erreichen der Arbeitsstätte, verharrte, klickte ich mich durch die Statusanzeigen des Bordcomputers und fand heraus, dass ich die zurückgelegte Strecke mit sagenhaften 23 km/h absolviert hatte. Auch bei der abendlichen Heimfahrt zeigte mir die Anzeige stolze 22,5 km/h im Durchschnitt. Erstaunlich. Selbe Werte erreiche ich mit meinem Rad auch – trotz fahrradfeindlicher Radwege und Ampelschaltungen.
Fragt man die Mitglieder der alltäglichen Autokorsos nach Gründen ihrer Partizipation an den Blechversammlungen, bekommt man schnell als Grüne Schnelligkeit, Bequemlichkeit und Unabhängigkeit genannt. Das mit der Schnelligkeit kann ja nicht sein (siehe oben). Bequemlichkeit akzeptiere ich als Grund. Aber auch bei Unabhängigkeit kann ich nur ein Veto einlegen. Schließlich kann ich als Radfahrer frei entscheiden, ob ich langsam oder schnell, links- oder rechtsrum fahre, wann ich spontan am Straßenrand anhalte, um einer hübschen Frau einem neuen Sportwagen hinterher zuschauen. Manch ein Auffahrunfall wurde druch die Polizei schon, so verursacht, erfasst. Ähnliche Unfälle bei Radfahrern sind mir nicht bekannt.
Jetzt werden aber mindestens die Hälfte der Leser sagen: “Ja, aber bei der Geschwindigkeit auf dem Rad musst du aber gut trainiert sein.”. Ja, ihr habt Recht. Aber vom Schaltknüppelbedienen bekommt ihr keine Beinmuskeln. Es ist eine Frage der Kontinuität, seinen Körper an die neue Fortbewegung zu gewöhnen. Und auch der Geist muß verarbeiten, dass man sich nicht mehr an der CO2-Diskussion beteiligen muss. Es ist nur eine Frage des Wollens, nicht des Könnens.