
Das Angenehme am norddeutschen Sommer ist die Zuverlässigkeit des Wetters, nach herrlichem Sonnenschein eine derbe Regenfront inkl. Temperatursturz herbeizuführen (wobei dieses Schicksal dieser Tage ja ganz Deutschland ereilte). Manchmal ärgert man sich, weil man bei Regenwetter in der Wohnung festhängt, manchmal passt so was auch wie die Faust auf´s Auge. Prompt als Hamburg im Regen versank, schob der Postbote die DVD “WE CALL IT TECHNO!” in meinen Briefkasten.
Nun durfte ich mir endlich ein eigenes Urteil über die vielerorts besprochene Dokumentation über das Entstehen der ersten Musikrichtung auf deutschem Boden machen.
Neben dem 110minütigen Hauptfilm enthält die DVD weiterführende Kurzinterviews zu Spezialthemen wie Loveparade, Techno in der DDR, DJs als Stars und einige mehr. Grundsätzlich mag ich das gesprochene Wort, aber die Interviews, die z.T. nur 3 Minuten lang sind reißen das besprochene Thema gerade einmal an und mich nicht vom Hocker. Techno ist und bleibt eine musikalisch-visuelle Kultur, die mit Interviews nicht ansatzweise beschrieben werden kann. Ich hätte mir die Auflockerung der Themen mit Bild und Ton gewünscht.
Der Hauptfilm hingegen gefällt besonders durch die angenehme Mischung von interviewten Zeitzeugen sowie Bild- und Tondokumenten auf. Es beginnt eine Zeitreise von den aufkeimenden Acid-Zeiten, über den Niedergang dieser Kultur und dem gleichzeitigen Neuanfang des Technos Anfang der Neunziger. Ausgespart wird auch nicht die durchaus kritisch bewertete Mutation der Musik aufgrund kommerzieller Beweggründe und Profitstreben zum Mainstream-Hype. Besonders herausragend waren für mich die Interviews mit Jürgen Laarmann, der als Begründer der Frontpage anfangs szeneprägend, später äußerst kommerziell eine vieldiskutierte Person war. Ebenso kommen Leute wie Alex Azary, Dimitri Hegemann und Mark Reeder zu Wort, die die Szene hinter den Kulissen entwickelt haben. All jenen, die entweder erst später Anhänger der Musik wurden oder jene, die von Anfang an Teil der Szene waren, wird die DVD eine Art Zeitmaschine in eine längst vergangene Zeit sein. Die 110 Minuten verfliegen und am Ende fragt man sich, ob eine DVD nicht mehr Speicherkapazität hat. Viele Themen können leider nur angerissen oder erwähnt bleiben und besondere Protagonisten (Rok) fehlen im Interview.
Die DVD gehört in jede Sammlung all jener, die auf Franky Bones´ Ausruf “We call it Techno!” die Frage “Can you feel the Bass?” stellen können.
Beziehen kannst du die Dokumentation bei Sense Music. Dort gibt es übrigens auch das aktuelle und ebenfalls sehr sehenswerte Slices-DVD-Magazin zu erwerben.