25 Jahre Jubiläum. Da lässt man die Korken knallen. Ein Viertel Jahrhundert ist eine lange Zeit. Vor allem, wenn man es geschafft hat, sich als Vorreiter in einem neuen Medium zu behaupten. Manch innovativer Jungunternehmen wünscht sich, dass seine Idee auch in 25 Jahren noch am Leben ist.
RTL markierte mit seinem Sendestart vor 25 Jahren eine neue Ära des Fernsehens. Neben den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, entstand eine Geneartion Fernsehen, die jung, frech, dreist, aggresiv, innovativ, destruktiv und unberechenbar war. In Einem hilt sich die Öffentlichkeit im Laufe RTLs Geschichte nie zurück – mit Kritik.
Gestern Abend feierte sich RTL im ersten Teil seiner großen Samstag-Abendshow selber. Eine Show, die man sich auch als RTL-Abstinent nicht entgehen lassen konnte, versprach das Erinnern an vergangene Sendeformate ein Wiedersehen mit alten Wegbegleitern und Jugendlieben. Aber es sollte anders kommen.
Es begann schon damit, das RTLs 0815-Moderator, Oliver “ich-moderier-alles-was-nicht-bei-drei-auf-den-Bäumen-ist” Geissen, in die Kamera grinste. Damit rutschte die Sondershow auf das Niveau der “Großen Ballermann-Hits” und der Geiss´schen Nachmittagstalk ab.
Begonnen wurde damit, die Leistungen RTLs in Bezug auf schlechten Modegeschmack zu huldigen. Protagonist Harry Wijnvoord wurde für das Tragen von über 1300 verschiedenfarbigen Kravatten bejubel und Kai Ebel stellte seinen auch heute noch angesagten schlechten Geschmack stolz zur Schau: Reiterstiefel und dicker-Bauch-betonendes Oberhemd trägt der Mann von Weltdas männliche Boxenluder. Ein Kracher!
Ebenso bekannt schien RTL für die deutsche Musiklandschaft gewesen zu sein. Wie sonst wäre die Rubrik “die größten Hits” in den Programmplan gerutscht. Es handelte sich dabei jedoch nur um ein Alibi, sich ausführlich mit Dieter Bohlen zu unterhalten, der sein erstes Musikvideo bei RTL gedreht hat. Crazy!
Beim Thema mediale Kriminalität konnte man nicht meckern: Ex-Hütchenspieler Salvatore, der erste kriminelle TV-Star und Idol von 9Live & Co., erinnerte uns daran, dass es Zeiten gab, da sich noch niemand über Betrug von Zuschauern aufregte. Das waren noch Zeiten (Herr Niggemeier, wo waren Sie damals eigentlich?)
RTL-Samstag Nacht und Peter Steiner markierten den humoristischen Bereich. Da aber kein Samstag-Nacht-Mitglied mehr bei RTL zu arbeiten scheint und Peter Steiner nicht mehr sexy genug für gute Quoten ist, lud man sich Atze Schröder und die ehem. Tutti-Frutti-Assistentin (Name irrelevant) als Interviewpartnerin ein. An Letzterer hatte der Zuschauer was zu gucken. Inhaltliches gibt´s nicht zu berichten. Fatal!
Überhaupt konzentrierte sich RTL bei der Gästeauswahl auf aktuelle Quotenmagneten und Vertragspartner. Kein ehemaliger Angestellter, der heute sein Brot abseits der RTLschen Fernsehlandschaft verdient, wurde eingeladen. Man hatte den Eindruck, es gehe RTL viel mehr um die Bewerbung der eigenen, aktuellen Coolness, denn während Serienhits wie Colombo und Knightrider mit drei Nebensätzen erwähnt wurden, bekamen die aktuelle Serienkracher CSI-Miami und Dr. House weit aus mehr Sendezeit. Verwundert war ich in dem Zusammenhang über Jack “Quincy” Klugmans kurzem Gastauftritt.
Man könnte meinen, die genannten Sendungen und Personen seien doch nicht so schlimm gewesen, im Grunde war es doch ein netter Querschnitt durch RTLs Vergangenheit. Man könnte. Würde RTL dem deutschen Zuschauer nicht vollkommende Blödheit unterstellen! Jede Szene, jeder Einspieler, jeder Rückblick wurde in Form von kommentierten Ausschnitten vorgekaut. “Ja, das war geil”, “Oh, haben wir damals gelacht.”, “man, was für´n großes Kino”. Permantenten “wie-geil”-Gejohle verhinderte, dass zusammenhängende Ausschnitte gezeigt wurden. Was hätte man sich über einen Samstag-Nacht-Ausschnitt gefreut. Warum nicht auch etwas mehr Tutti-Frutti oder was-weiß-ich. Aber dank der “hey-ich-sag-euch-das-ist-alles-so-geil-gewesen”-Kommentare der prominenten Unzulänglichkeiten (ausgenommen Hape K.) bieb dafür keine Zeit.
RTLs Jubiläumsshow wurde von knapp 5,5 Millionen Zuschauern gesehen, eine Traumquote (17,3%, Quelle: dwdl). Doch was hilft eine medial hochbeachtete (und auch verdiente) Silberhochzeit, wenn sich der Brätigam an der Bedienung vergeht und sich die Braut betrinkt. Das ist kein Spaß für die Zuschauer. RTL hat das Potential der Show nicht ansatzweise genutzt und bestätigt seinen Status als “unsehbarer” Sender.