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3. August 2008

Pokal: Best of the WeekIm Rahmen unserer unregelmäßigen Lobpreisungen für Personen, Webseiten oder Themen, geht der Preis für den “besten Artikel der Woche” an Holger Klein. Herr Klein hat in seinem Artikel “Liebe Bundesregierung” das Thema Wirtschaftentwicklung vortrefflich dargestellt. Er äußert damit ebenfalls unsere Meinung zum Thema und verpackt diese so brilliant wie gewandt. Nicht ohne Grund kommt es vor, dass der eine oder andere Beitrag auf dieser Seite versucht, so zu werden, wie Holger Klein´s schon sind: großartig.

Herzlichen Glückwunsch!

Hier ein Auszug, den vollen Artikel gibt es hier:

…deine Wirtschaftspolitik ist komplett für’n Arsch. Das sieht ein Blinder mit ‘nem Krückstock. So merkbefreit wie Du Dich da in Berlin aufführst kann im Grunde niemand sein, der noch bei wenigstens halbwegs klarem Verstand ist.

(Quelle: Hessischer Rundfunk, Holger Klein)

Gestern Abend bei “ZAPP” ging es um “Peinliche Lügen – Wie Lobbyisten Falschmeldungen lancieren”. Ein Teil der Sendung nahm sich den gemeinen Politker als Inszinierungskünstler vor. Dabei wurde anhand von Zitaten bekannter Politker der Vergangenheit der Wahrheitsgehalt ihrer vorangegangenen Aussagen gemessen. Beliebtester Spruch dürfte Norbert Blüms Ausruf “Die Rente ist sicher” gewesen sein.
Der durchschnittlich gebildete Angelogene weiß, was er von Schwüren prominenter Leistungsträger zu halten hat. Umso erschreckender folgende Zitate von denen, die das Volk informieren:
“Wir gehen natürlich grundsätzlich mal davon aus, dass die Fakten, die die Politiker aufzählen, auch tatsächlich realistisch sind und das sie uns nicht anlügen.” sagt Peter Kloeppel, RTL-Chefredakteur.
Thomas Hinrichs, Tagesthemen-Chef sagt: “Wir gehen zunächst einmal davon aus, dass das, was sie sagen, auch richtig ist.”
Hat Journalismus die Aufgabe, ungefiltert- und geprüft wiederzugeben oder darf man ein klein wenig Misstrauen erwarten? Die Neutralität der Berichterstattung ist durchaus ein hohes Gut, aber gerade aus Peter Klöppels Mund klingt ein solcher Spruch sehr naiv. Aufgabe der Medienvertreter sollte es sein, Aussagen zu prüfen und ggf. auf deren fragwürdigen Wahrheitsgehalt hinzuweisen. Journalisten besitzen berufsbedingt weitaus mehr Möglichkeiten, die Sachlage zu beurteilen. Durch die naive Grundhaltung der Pressevertreter haben die potentiellen “Wahrheitsvertuscher” keinen Grund, die Wahrheit zu sprechen. Denn wer wird nachträglich für Falschaussagen abgestraft. Herr Blüm sitzt heute noch quietschvergnügt in Talk-Shows, George W. Bush muß sich vor keinem Gericht wegen Kriegstreiberei verteidigen und Jan Ullrich telefoniert heute vielleicht mit Hansenet.

Es scheint, als sei das Lügen – besonders in der Politik – zu einem Sport geworden, bei dem es heißt “dabei sein ist alles”.

Die Transkription der Sendung kann man sich hier ansehen.

Mann, was geben wir (Deutschland) da wieder mal für ein Bild ab? Da kommt Friedensnobelpreisträger und religiöses Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, zu Besuch nach Deutschland und kein ranghohes Staatsoberhaupt möchte auch nur im selben Satz mit ihm erwähnt werden – so scheint es.
Frau Kanzlerin ist auf einem anderen Kontinent und Aussenminister Steinmeier bei PutinMedwedew (ach, ist eh das selbe). Auch der Bundespräsident meidet den Staatsgast wie der Teufel das Weihwasser. Nur die B-Politiker dürfen ihn hofieren. Wäre ja auch zu dumm, wenn sich der Dalai Lama mangels Gastgeber allein durch die Bamberger Altstadt kämpfen müsste.

Das Verhalten der deutschen Führung signalisiert ein weiteres Mal indirekt die Macht Chinas. Nach dem letzten Besuch des Dalai Lamas war die Deutsch-Chinesischen Beziehung stark unterkühlt. Und jetzt, wo das von ihm vertretene Volk den Aufstand gegen die Unterdrückung probt verkrümelt man sich lieber, als Stellung zu beziehen. Könnte ja Auswirkungen auf monetäre Rahmenbedingungen haben.

Nennt man das jetzt politisch korrekt oder feige?

Lieber Hugo Chavez,

bevor du das nächste Mal jemanden als Nachfahrin Hitlers beschimpfst, schau in den Spiegel und versuche nachzudenken. Ich weiß, es wird schwer für dich, aber versuch´s wenigstens. Und danach halt die Klappe und lass dein Volk und uns alle in Ruhe.

Hochachtungsvoll!

Raynaldo

abgespeist_kinderriegel.jpg
(Quelle: Abgespeist)

Zwei Drittel der Deutschen sind zu dick. Damit übernimmt Deutschland die Führung im europäischen Verbund. Maßgeblichen Einfluß auf die Reduktion der Körperfülle sollten die Unternehmen haben, die den Großteil der konsumierten Nahrungsmittel in Umlauf bringen. In England hat das Eingreifen der Regierung dazu geführt, dass der Konsument anhand eines simplen Ampelsystems erkennen kann, welche Inhaltsstoffe in welchen Mengen enthalten sind und ob das Essen “gut” oder “schlecht” ist. In Deutschland hat der Verbraucherschutzminister Seehofer diese Chance dank massiven Einwirkens der Lobby verschlafen.

Und so kommt es, dass Kinder-Riegel mit der „Extra-Portion Milch“ wirbt.

Die soll Eltern offenbar den Eindruck vermitteln, sie könnten ihren Kleinen Kinder-Riegel ohne schlechtes Gewissen in größeren Mengen zum Naschen geben. Schließlich enthält er ja Milch und damit ganz viel Kalzium. Allerdings müsste ein Kind 13 Riegel essen, um seinen Tagesbedarf an Kalzium zu decken. Und hätte damit dann auch 48 Stück Würfelzucker und ein halbes Paket Butter verspeist.

Noch mehr solcher Beispiele, die uns weiterhin den Spitzenplatz der Fettleibigen sichern, findet man auf Abgespeist und auf vielen Verpackungen im Supermarkt. So sieht es aus, wenn die Politik ihren Job nicht versteht und die Industrie stumpf auf Gewinn hinarbeitet. Der DickeDumme ist dann der Kunde – wie in Amerika seit Jahren vorgelebt und bisher von uns selber kopfschüttelnd missbilligt.

Willkommen im Jetzt Deutschland!

Da war es wieder. Dieses merkwürdige Phänomen der Neuzeit. Politiker werden in Unterhaltungssendungen eingeladen, um – ja was eigentlich – zu machen?
Jüngstes Beispiel war Claudia Roth von den Grünen bei Oliver Geißens “Chart-Show” auf RTL. Überhaupt hat man den Eindruck, den gemeinen Politiker häufig bei dererlei Shows wieder zu finden.  Dabei ist Politik, gerade heute, alles andere als unterhaltsam und ein Politker schon gar keine Unterhaltungskanonen. Zudem darf man fragen, wer für die Zeche eines 90minütigen Auftritts aufkommt. Man könnte unterstellen, dass neben den Geldern der Sender auch der eine oder andere Euro aus Steinbrück´s Tasche kommt. Wie gesagt: reine Unterstellung.

Einen ebenso großen Fehlgriff bei der “Star”-Gastbesetzung unterläuft den Sendern, wenn Personen aus dem Showbusiness oder dem nahen Umfeld in seriöse Wissenschafts- und Wirtschaftssendungen eingeladen werden. In Sendungen, wo es im fundiertes Wissen geht. So sorgte z.B. Franjo Poth in einer Diskussionsrunde bei einem öffentlich/rechtlichen Sender mit einem Statement “Wenn wir den Umsatz verdoppeln, verdoppeln wir auch das Personal” unter den anwesenden Wirtschaftsbossen für starkes Gelächter und Kopfschütteln. Sachdienlich konnte er nicht zur Sendung beigetragen, sondern nur unterhalterisch.

Beide Beispiele zeigen eins: der geneigte Zuschauer ist nicht zwangsweise an rein thematischen Abhandlungen von Themen durch fachlich geeignete Personen interessiert. Es dürfen auch ruhig mal Personen zu Wort kommen, die keine Ahnung von der Sache haben oder auch sonst keinen sinnvollen Beitrag im thematischen Umfeld leisten können. Hauptsache das “Star”-Level ist hoch genug und hält den einen oder anderen vom Griff nach der Fernbedienung ab.

28. April 2008

Ich kann mir nicht helfen, aber ich habe den leisen Verdacht, dass mir Hartmut Mehdorn zutiefst unsympathisch ist, die Privatisierung der Deutschen Bahn ein Milliardengrab sein wird und der Lieblingsmanager von Angie irgendwas verheimlicht.

Ist aber nur so ein Verdacht. Aber alleine bin ich damit sicher nicht.

27. April 2008

Die BooCompany präsentiert Sebastian E. und die Bundesregierung All Stars:


YoutubeDirektRevoluzzion

Ein Mash-Up von Politiker-Zitaten, die ihre absonderliche Meinung zum Umgang mit unseren Grundrechten zu Ausdruck bringen. U.a. mit von der Partie sind Sebastian Edathy: “Was soll denn der Scheiss”, Walter Ulbricht: “Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten” und Erich Mielke: “Ich liebe doch alle“. Ach ja, und die Angela.

(via Netzpolitik)

Ich fass´ es nicht, was ich da gestern lesen durftemusste. In einem offenen Brief heulen sich namhafte Künstler bei unserer Bundeskanzlerin aus. Der Brief wurde in taz, Süddeutsche und FAZ abgedruckt und ist hier in Gänze zu lesen (Update: gewesen!). Grundtenor ist, wie sollte es anders sein, die Raubkopierer sind Verbrecher, die Einnahmen gehen in den Keller, man fühlt sich bestohlen und helfen kann nur der “Chef” – die Kanzlerin.

Als Unterzeichner finden sich u.a. folgende Künstler wieder, denen ich eine solch eindimensionale Intelligenz nie zugetraut hätte: 2raumwohnung, Culcha Candela, Samy Deluxe, Joy Denalane, Herbert Grönemeyer, Max Herre, Toni Kater, Udo Lindenberg, MIA, Michael Mittermeyer, Rosenstolz, Atze Schröder, Til Schweiger, Seeed.
Vor allem vor dem Hintergrund der vor kurzem veröffentlichten Gewinnverteilung bei CD- und MP3-Verkäufen klingt das Schreiben wie das Heulen eines Kleinkindes, was im Sandkasten eine Schippe vor den Kopf geknallt bekam und auf den Boden der Realität geschmettert wurde. Sagenhafte 4% vom Verkaufspreis einer CD (15,99 EUR) landen in der Tasche des Künstlers. Label und Vetrieb hingegen greifen sagenhafte 50% ab. Nur noch Presswerk und Produzent verdienen mit 3% und 1% weniger. Da kann doch niemand diesen Brief als Künstler ernsthaft unterzeichnen. Oder ist Knechtschaft ein erstrebenswerter Zustand? Künstler verdienen ihr Geld bei Konzerten, Auftritten oder mit Merchandise. Also sollte es im Grundinteresse eines Künstlers sein, so schnell und billig wie nötig, so bekannt wie möglich zu werden. Das Internet, die Tauschbörsen sorgen – durchaus unter Mißachtung geltendem Rechts – für eine z.T. explosionsartige Verbreitung. Fans zahlen utopische Summen, um ihre Stars live zu sehen.

Für mich klingt das Schreiben mit den enthaltenen Forderungen, als ließen sich die Künstler vor den Wagen der Musikindustrie spannen. Der Karren steckt im Dreck, die Industrie kann ihn aufgrund der eigenen Inkompetenz nicht rausziehen, da die Entwicklung im Onlinesegment durch die Industrie gänzlich verpennt wurde. Und nun sollen die Sklaven den Karren ausdem Dreck ziehen. Neue, innovative Konzepte wie Napster wurden durch die Industrie bekämpft und plattgemacht. Selbst als Apple mit iTunes auf den Markt kam, waren die Stimmen der Kritiker laut. Wirklich leidtragend an der verschlafenen Entwicklung sind nicht die Künstler, sondern die Industrie selber (siehe oben).
Es ist traurig zu sehen, wie sich angesehene Künstler nun instrumentalisieren lassen, um die Interessen der Schmarozer und das Versagenen selbiger durchzusetzen. Frau Merkel mit diesem Thema zu belästigen empfinde ich in der derzeitigen politischen und sozialen Situation mehr als fragwürdig. Die Politik ist nicht dazu da, um Einzelinteressen zu fördern.
Schon Herbert Spencer erkante das Prinzip “Survival of the fittest“. Heute mag man sagen, die Schnellen überholen die Langsamen.

Das Thema wird u.a. auch bei Basic Thinking, Nerdcore und Tanith sehr detailliert und mit meiner Sichtweise beleuchtet. Lesen lohnt sich.

Die Rede ist von der olympischen Fackel. Es gab heute kaum ein anderes Thema, als das An- und Ausgehen der Flamme im tibetanischen Protest. Zuerst sympathisierten die Pariser, dann machen auch noch die Amerikaner Stunk. Also ab mit dem Feuer in Sicherheitsverwahrung.

Irritiert darf man über die Reaktionen von seiten des IOC sein. Da wird zuerst über Zwischenfälle geredet, die eigentlich Meinungsbekundungen zur Situation in China sind. Und dann beginnt man noch das Nachdenken über den zukünftigen Wegfalls des Fackellaufs.

Man kann zu China und der dortigen Politik stehen wie man will, aber derartige Überlegungen entbehren jeglichem Gefühl für Realität. Olympia ist ein Publikumsmagnet wie kaum ein anderer. Die Welt blickt auf den Ausrichter. Dass die chinesische Führung keine Ahnung von “richtigem” Timing zur Lösung des nationalen Konflikts hat, ist unbestritten. Und dass berechtigter Weise die Veranstaltungen der Olympiade zu Meinungsäußerungen genutzt werden, ist eine logische Schlußfolgerung. Anhand dieser Ursache/Wirkung-Kausalität allen folgenden Austragungsnationen das Privileg des Fackellaufs ab erkennen zu wollen, macht mir Angst, denn in diesem Schritt zeigt sich indirekt die Macht, die China auf die westliche Welt hat. Und dass Demonstrationen als “Zwischenfälle” bezeichnet werden, stellt die, die das so interpretieren, auf die selbe Stufe wie die chinesische Regierung.

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