Was haben wir Deutschen uns vor dem Eurovision Song Contest Hoffnungen über unsere Vertreter bei selbigem gemacht. Den No Angels trauten wir ungehört eine Top-Platzierung zu. Kein Wunder, können sie visuell jeder Ostblock-Sängerin Paroli bieten. Vielleicht verirrt sich ja die eine oder andere SMS aus dem Osten auf unser Punktekonto. Aber auch gesanglich sahen wir einen Hoffnungsstreif am Horizont. Sicher, Stefan Raab und Guildo Horn brachten uns zum gemeinsamen Schunkeln, aber welcher Norweger verstand schon die sinntiefen Texte? Die Chancen auf einen der vorderen Plätze und europäische Rehabilitierung im Musikbusiness in diesem Jahr waren denkbar gut.
Nun kann man nach Beendigung der Abstimmung und dem Abschneiden auf dem vorvorletzten Platz – punktegleich mit dem Letzten und Vorletzten – durchaus von gefallenen Engeln sprechen. Gewonnen haben die Russen, eigentlich der Russe. Optisch unseren Mädels weit unterlegen, musikalisch nach meinem Geschmack auch. Die 10 Millionen Rubel (oder waren es Dollar?), die die Promotion für den Song und das Engagement von US-Super-Mega-Star-Produzent Timbaland gekostet hat, haben sich ausgezahlt. Wir haben gerade einmal von 2 Ländern Punkte bekommen. Danke an dieser Stelle an Bulgarien, die sicher dank der Herkunft von Lucy patriotische 12 Punkte gegeben haben, und der Schweiz.
Nur sollten wir jetzt nicht plötzlich wie die Fahne im Wind drehen und die No Angels für unser Abschneiden verantwortlich machen – schließlich haben wir sie gewählt. Wer sich den Eurovision Song Contest antutsieht, wird Schwierigkeiten haben, das Erfolgsrezept zu finden. Vielleicht denkt sich jemand mal einen Fünfjahresplan zum Knacken der Top 5 aus: In jedem Jahr eine andere Sprache aus dem Bereich des Ostblocks, abwechselnd von fastnackten Mädchen oder brusthaartupierten Herren vorgetragen – gern auch mit wechselnder Haarlänge.
Ich bin mir sicher, wir schaffen das irgendwann wieder ganz nach oben.