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18. Dezember 2009

Heute habe ich mich dann endlich dazu entschieden, mein literarisches Unterhaltungsprogramm zusammenzustellen. Während ich in heimischen Gefilden eher sachorientierte Dokumentationen lese, galt es für die bevorstehende Reise etwas anspruchsvollere Kost auszuwählen.
Aldous Huxley´s “Schöne neue Welt” stand von Anfang an auf meiner Wunschliste. Aber mit diesem schmalen Schmöker komme ich, so meine Befürchtung, gerade mal über die ersten paar Wochen. Also befragte ich ein literarisches Duett und bat im existenzielle Literatur, die nicht nur Zeit totschlägt sondern auch Gehirnzellen anregt. Herausgekommen sind die Buchempfehlungen HENRY MILLERs “WENDEKREIS DES KREBSES” sowie GEORG BÜCHNERs “LENZ”.

Zwei Blindkäufe auf Empfehlung bester Freunde. Was kann man da eigentlich falsch machen, ausser sie nicht zu lesen?

Günter Wallraff ist ein Verwandlungskünstler: mal ist er Bild!-”Reporter”, mal Kohlekumpel Ali und ein anderes Mal Call-Center-SklaveAgent. Und jedes Mal, wenn er auftaucht führt er uns vor Augen, was in unserer Kultur schief läuft. Nun ist Wallraff wieder -- zuerst ab und dann -- aufgetaucht: als Schwarzer, als Afrikaner. In seinem Werk “Schwarz auf Weiß” hält er unserer Gesellschaft einen Spiegel vor und zeigt, wie Rassendiskriminierung in Deutschland im Jahre 64 nach Adolf aussieht.
Fazit: finster. Noch finsterer als die Hautfarbe der Opfer.

Einen beeindruckenden, faszinierenden und erschreckenden Auszug aus seinen Erfahrungen kann man bei der ZEIT lesen. Ich empfehle dies hier ausdrücklich.

Man könnte jetzt gehässig sein und vermuten, Wallraff habe sich bei diesem Thema bewusst für den Dreh einer Doku neben der Veröffentlichung als Buch entschieden hat, um den gefilmten Rassisten überhaupt Zugang zu seinem Experiment zu ermöglichen.

Für alle, die gerne mal ein Buch in die Hand nehmen: Aus der schönen neuen Welt. Expeditionen ins Landesinnere
Für alle, die gerne mit Popcorn in der Hand konsumieren: “Schwarz auf Weiß” ist ab 22.09.2009 im Kino

Der Trailer

10. Oktober 2009

pointit

Besser als jedes Fremdsprachen-Wörterbuch. Und auch viel einfacher zu bedienen: Point it: Traveller’s language kit. Bildwörterbuch

kindle

Amazon.de begrüßt seine Besucher heute Morgen mit der Botschaft, dass die digitale Generation von Büchern nun auch in Deutschland Einzug hält. Kindle nennt sich das Ausgabegerät, welches die Zukunft des Buch”drucks” darstellt. Hauchdünn und federleicht kann es bis zu 1.500 Bücher speichern. Dank e-Ink, also elektronischer Tinte, soll das Display auch bei Sonnenlicht den Eindruck einer echten Buchseite simulieren.
Die Bücher, die das Kindle darstellt, können bequem im Amazon-Shop erworben werden und landen in wenigen Sekunden nach dem Kauf auf dem Lesegerät.

Damit beginnt nun auch in Deutschland eine substanzielle Veränderung im Literaturkonsum. In den kommenden Tagen und Wochen sehe ich schon Diskussionen entbrennen, ob man überhaupt noch von Buch reden darf oder ob das Kindle die Lesegewohnheiten positiv oder negativ beeinflusst.

Ich sehe tatsächlich den Beginn des Wandels in diesem Angebot. Hätte mir vor 10 Jahren jemand gesagt, dass die Nachfolger meines Nokia 3210 im Internet surfen können, 32 Gigabyte Speicher haben, meine Stereoanlage ersetzen, einen Gameboy in die Tasche stecken, Videos aufnehmen können, einen Fotoapparat überflüssig machen und mir den Weg zum nächsten Restaurant weisen – ich hätt´s nicht geglaubt. Heute weiß ich´s. Also, warum sollte ich glauben, dass das Kindle nicht auch so eine Art Nokia 3210 und damit der Beginn einer Revolution im Literatur-Vertrieb darstellt?

albersmorgenVor nicht allzu langer Zeit sorgte die Klageschrift eines freien Journalisten für Aufsehen in der deutschen Bloglandschaft. Don Dahlmann schlug antwortend in die Tasten, um das Bild des unterbezahlten und unzufriedenen Journalisten, und jedes anderen Freischaffenden, weichzuzeichnen.
Eine Antwort von sogenannten Angestellten, all jenen, die angeblich in der Knechtschaft von GmbHs, AG und KGs schuften, blieb weitestgehend aus.

Dennoch zeigte die Diskussion sehr deutlich, welchen Freiheiten sich Freiberufler gegenüberstehen sehen. Dass diese Freiheit jedoch auch etwas kostet, verdeutlichte die Klageschrift. Jene Freiheiten, die ein Freischaffender hat, sind für viele Angestellte kaum vorzustellen. “Büro ist Krieg” – ein Satz der von Stromberg geprägt und von abertausend Angestellten ohne mit der Wimper zu zucken abgenickt wird. ABER: Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel und wer genau hinschaut, wird Tendenzen und Strömungen erkennen, wie sich die klassischen Angestelltenverhältnisse mehr und mehr auf den Angestellten einpassen.

Eher zufällig stieß ich auf eine Powerpoint-Präsentation, deren Thesen ich im Rahmen einer TwitStat-Reihe veröffentlichte. Kurz darauf meldete sich Markus Albers bei mir und wies mich auf den Quell der beeindruckenden Statements hin. Sein Buch “Morgen komm ich später rein” setzt sich mit dem Dilemma auseinander, Selbstständige arbeiten meist effizienter, haben mehr Freiheit, mehr Spaß, manchmal sogar mehr Geld. Bloß keine klassische Karriere. Sie lässt sich nur innerhalb von Unternehmen machen, doch wählt man diesen Weg, ist man sofort wieder in allen oben beschriebenen Ärgernissen des Büroalltags gefangen. Gespräche mit erfolgreichen aber notorisch unzufriedenen Freunden und Bekannten bestätigen den Befund. Es muss einen Mittelweg zwischen beiden Extremen geben.

Das Buch gehört meines Erachtens zur Pflichtlektüre von leitenden Angestellten mit Personalverantwortung, zeigt es beeindruckend, wie Unternehmen parallel mit zunehmendem Freiheitsgrad der Angestellten die Entwicklung der Unternehmensziele positiv beeinflussen können.

Markus Albers lebt als freier Journalist und Sachbuchautor in Berlin. Seine Arbeiten wurden in Monocle, Vanity Fair, Spiegel, Stern, GQ, SZ-Magazin, Welt am Sonntag und AD veröffentlicht. Außerdem entwickelt er neue Zeitschriften- und Online-Formate für Verlage und Agenturen. Er hat mir freundlicherweise eine Präsentation zur Verfügung gestellt, die anhand beeindruckender Statements enormes Potential in Angestelltenverhältnissen aufzeigt – wirtschaftlich und sozial.

Markus Albers: “Morgen komm ich später rein: Für mehr Freiheit in der Festanstellung”, broschiert: 220 Seiten, Campus Verlag GmbH
Wenn du dich für das Buch interessierst, würden wir uns sehr freuen, wenn du es über diesen Amazon-Link bestellst: hier bestellen!

Allen audiophilen “Lesern” sei Markus Albers im Interview auf Radio Fritz empfohlen:

Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.

Weiteres Audio-Visuelles Informationsmaterial findet sich auf der Webseite von Markus Albers.

wischmeyer

Es gehört Mut zur Lücke, ein Buch bzw. eine Buchserie vorzustellen, die schon seit 10 Jahren auf dem Markt liegt. Wenn der Inhalt jedoch zeitlos ist, können Bücher selbst einige Jahrtausende alt sein.

Während im vergangenen Jahr die öffentlichen Meinungsäußerungen von Reich-Ranicki und Elke Heidenreich für wochenlange Diskussionen, Sondersendungen und Kündigungen sorgten, zeigt Jürgen von der Lippe, wie Literaturfernsehen funktioniert. In der auf dem WDR ausgestrahlten Sendung “Was liest du?” präsentierte er ein funktionierendes Rezept: man lade sich einen interessanten Gast ein und lese im Ping-Pong aus zwei Büchern. Dazu nehme man eine Portion Humor und Stand-Up-Comedy und schon treibt man die Zuschauer in die Buchhandlungen und Amazons dieses Landes.

So geschehen auch im Fall von Dietmar Wischmeyers Buch “Reise durch das Land der Bescheuerten und Bekloppten”. Als von der Lippe das mittlerweile in der 4. Auflage erschienene Buch mit Kurzgeschichten vorstellte, rollten wir uns vor Lachen auf den Decken.

Dietmar Wischmeier wurde durch die Darstellung “Der kleine Tierfreund” sowie seinem Gründungs-Engagement zusammen mit Oliver Kalkofe, Oliver Welke und Sabine Bulthaup mit der legendären Comedy-Sendung “Frühstyx-Radio” bekannt.

In seinen Kurzgeschichten über die “Bekloppten und Bescheuerten” nimmt er die deutschen Tugenden und Angewohnheiten gnadenlos auf´s Korn. Dabei scheut er sich nicht, politisch unkorrekte Vergleiche zu ziehen und sich in punktuell extreme Vulgärsprache zu flüchten. Alles mit dem Ziel, dem Leser seine zum Teil hanebüchenen Verhaltensweisen vor Augen zu führen. Wischmeyer schafft es, Wortschöpfungen zu kreieren, die an Kreativität und Brillanz kaum zu toppen sind.

Hier eine kleine Kostprobe:

Gequirlte Scheiße heißt auf englisch Modern Talking. / Abtransport mit der beigen Minna – Taxifahren / Schwanzmessen für Fotgeschrittene – Frühlingskorso

Mitten unter uns lebt ein Stamm archaischer Menschen, die sich den Regeln der Zivilisation bisher erfolgreich wiedersetzt haben. Sie trotzen dem rechten Winkel, sind pünktlich wie die Eisenbahn im Kongo und forzen wie die wilden Schweine. Sie nennen sich “Maurer”…
Beim Durchlesen der Geschichten wurden wir des Öfteren ungläubig von uns Umgebenen angeschaut, als wir lauthals loslachten. Leichte Lektüre für zwischendurch und all jene, die davor zurückschrecken, Bücher zu kaufen, die schwerer als eine Tüte Mehl sind.

(Quelle: Zweite Reise durch das Land der Bekloppten und Bescheuerten)

Inzwischen sind folgende Bände erschienen:

Gestern Abend flogen im Uebel&Gefaehrlich in Hamburg die Fäuste. Im Schlagabtausch standen die 10 Finalisten der regionalen Poetry-Slam-Ausscheidungen -- also die Creme de la Creme der Junglyriker Deutschlands. Aber wer jetzt bei Lyrik an Goethe, Schiller und Konsorten denkt, der liegt weit daneben.
Junge, frische Texte, Vermischung klassischer mit modernen Elementen, Jugendsprache und satirische Auseinandersetzung mit aktuellen Themen bildeten eine beeindruckende Leistungsschau, der durchweg sehr jungen Teilnehmer.

Beim Poetry-Slam, einer Art neumodischer Dichter-Wettstreit, ein Battle für Literaten, hat jeder Kandidat 5 Minuten Zeit, mit seiner Performance das Publikum zu begeistern. Dabei spielt es keine Rolle, ob er Verse im Kreuzreim auswendig vorträgt oder Kurzgeschichten vorliest, hauptsache es steht das gesprochene und von ihm geschriebene Wort im Vordergrund. Abschließend kürt das Publikum in einer abschließenden Abstimmung den Grand-Slammer.

Sarah Kuttner moderierte in locker-flockiger Manier den Abend und präsentierte die zehn Gewinner vorangegangener Poetry-Slams Philipp Scharrenberg (Stuttgart), Julius Fischer (Leipzig), Andy Strauß (Münster), Bumillo (München), Bente Varlemann (Hamburg), Tobias Kunze (Hannover), Markim Pause (Düsseldorf), Bleu Broode (Erfurt), Julian Heun (Berlin) sowie Sulaiman Masomi (Paderborn).

Am Ende des Abends entschied das Publikum den Berliner Julian Heun als Grand-Slammer. Julian überzeugte mit seinem Text “Eisessen” in dem ihm die Verknüpfung aus seichter Unterhaltung und Aufzeigen knallharter politische Misstände gelang. Mit dieser gewagten Gradwanderung überzeugte er und fuhr den Sieg ein.

Auf dem zweiten Platz versammelten sich Sulaiman Masomi, der schilderte, wie anhand einer SMS mit dem Satz “Ich weiß bescheid” sein Weltbild einstürzte sowie Andy Strauß mit seiner offenenherzigen Dokumentation namens “Selbstbefriedigung”. Den dritten Platz konnte sich Julius Fischer mit einer wissenschaftlich gekonnten Auseinandersetzung mit dem “Wochenrückrap” des fragwürdigen Rappers Frauenarzt in der Bild! sichern.

Ab 07. April 2009 wird es auf SAT1 die Ausstrahlung der “Slam Tour mit Kuttner” geben. Wer schon vorab wissen möchte, was ihn erwartet, der findet hier eine kleine Auswahl des Schaffens der Gewinner:

Julian Heun (Siegbeitrag)

Sulaiman Masomi (jedoch nicht der Beitrag in Hamburg)

Andy Strauß (jedoch nicht der Beitrag in Hamburg)

Sein Set bereitet der DJ vor, indem er den oder die mitgebrachten Plattenkoffer für sich möglichst gut erreichbar hinter dem Pult platziert, den oder die Koffer öffnet, die Platten rasch durchblättert, einige Platten herauszieht und auf Eck stellt, mitunter die eine oder andere Platte umsortiert und seinen Kopfhörer bereitlegt. (Jeder DJ hat einen eigenen Kopfhörer dabei, und wenn dieser nicht funktioniert, führt dies in der Regel zu mehr oder weniger panikartigen Reaktionen.)

Die Bundeszentrale für Bildung hat sich 20 Jahre nachdem die Spezies “DJ” die Bühne der Öffentlichkeit betreten hat mit deren Berufsbeschreibung beschäftigt. Herausgekommen ist der im Rahmen der Publikation “Aus Politik und Zeitgeschichte” erscheinenden Serie, mit Ausgabe “APuZ 52/2008, ein äußerst unterhaltsames Stück Literatur. Der Unterhaltungswert, so vermutet man, ist aber eher unbeabsichtigter Natur. Noch ein Beispiel gefällig:

Die unseres Erachtens für den “Lifestyle Techno” symptomatische Veranstaltung, der so genannte Rave, impliziert ein Tanz-Vergnügen, das so lange dauert, dass – tendenziell – jeder Teilnehmer an einem beliebigen Zeitpunkt in das Geschehen ein- und auch wieder aussteigen kann, ohne ein essentielles Ereignis zu versäumen. (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung)

Wie in der heutigen Politik üblich, fehlt in der Abhandlung die Berücksichtigung von modernen Veränderungen im Arbeitsumfeld des DJs. Wird das Procedere des Plattensortierens und -auflegens detailliert geschildert, sucht man den Umgang mit Laptop & Co. vergebens.  Das wird dann aber sicher in der 2. Auflage anno 2015 besprochen.

Dennoch ist diese Publikation als positiv zu bewerten, denn das ehemals als Hobby belächelte DJing bekommt nun eine Anerkennung und Bedeutung wie die eines Maurers, Arztes oder Taxifahrers.

Über diese Veröffentlichung schreiben auch:


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Na, wofür wirbt dieses phantastisch, stylische Video wohl? Richtig: hierfür

Phonesex

So manch amerikanische/er Nutzer/inn von Telefonsex wird erschrocken in das Buch oder die Webseite von Philip Toledano dreinblicken. In seinem Buch “PhoneSex”, welches es unter phonesexthebook.com in Auszügen zu sehen gibt, lässt er die Meister/innen der Verbalstimulation zu Wort kommen und lichtet sie ab. Nichts dass der Klient seinen Dienstleister wiedererkennt, aber ihm wird vor Augen geführt, dass so manche “Cathy, gerade 18 Jahre jung mit blondem langem Haar und sonnengebräunter Haut, die noch nie Sex hatte” in Wahrheit irgendwie anders aussieht und vielleicht nicht das ist, was sie vorgibt zu sein. Ich finde die Lebensgeschichten und Motivationen der Protagonistinnen/en faszinierend.

I’m 6 0 years old,
have a BA in Cultural Anthropology
from Columbia University,
and married for 2 5 years. (Quelle: Pressekit-PDF)

Wie heisst es so schön: It´s just an illusion!

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