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Die Türkei möchte EU-Mitglied werden. Seit Jahren buhlen Politiker um die Gunst der Befürworter. Händeschütteln, große Gesten und Zugeständnisse von beiden Seiten sind an der Tagesordnung, wenn es um den baldigen Beitritt geht.

Jetzt, so scheint es, hat die Türkei plötzlich ihr Ziel aus den Augen verloren und orientiert sich an Staaten wie Iran, Irak und Afghanistan. Die Türkei will nicht mehr in die EU? Anders kann man die neuen Beschlüsse der staatlichen Internet-Technologiebehörde BTK nicht deuten.

„Anaposta“, so der Name des Projektes,  sieht vor, dass Neugeborene in der Türkei eine staatliche Email-Adresse mit zehn Gigabyte Speicherplatz erhalten, die auch in den Ausweis eingedruckt wird. Die restliche türkische Bevölkerung wird nach und nach mit der staatlichen Email-Adresse ausgestattet.  Die Idee, diese E-Mail als Kommunikationsmittel für Behörden und andere staatliche Orange zu nutzen, mag auf den ersten Blick ein Schritt in die Zukunft zu sein. Doch die Idee hinter dieser E-Mail ist ein Schritt ins Mittelalter, denn die Türkei stört sich zunehmend daran, dass der Mailverkehr über Server im Ausland läuft. Laut BTK Chef Tayfun Acarer ist dieser Umstand nicht hinnehmbar. Yahoo, Google oder andere Mail-Dienste werden laut Acarer zukünftig nicht mehr genutzt.

Damit ist zu befürchten, dass die Türkei die “Zwangs-Adresse” gezielt zur systematischen Einschränkung der Informations- und Meinungsfreiheit und dem Recht auf Selbstbestimmung einsetzen wird. Ob und wie unsere Regierung diese drastische Zensur interpretieren wird, bleibt abzuwarten.

Heute ein aktuelles Fundstück aus der Arbeitswelt, welches sich zu lesen lohnt.

Hallo lieber Bienenstock,

wie jede Saison liegt es wieder an der Arbeiterameise Klaus* die Lieferanten mit Katalogen auszustatten. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn ihr mir die Daten für die Anschreiben zur Verfügung stellt. Also lasst uns alle danach streben brüderlich/schwesterlich (wollen den Rüdiger* ja nicht vergessen) mit Herz und Hand, die Lieferanten mit dem super-duper Katalog auszustatten.
Nun gebe ich zu, dass ich diese Saison echt früh dran bin. Doch aufgrund meines persönlichen enggefassten Terminplan (“Deutschland sucht das Supertalent”/ “Erstes Staatsexamen” und “Die Auswanderer XXL”), sende ich meine Anfrage schon in KW 40.
Der Versand geht aber frühestens ab KW 49 los und so bleibt euch noch genügend Zeit die Liste zu aktualisieren.

15. September 2008

Geek 2.0

Nicht nur das Web liegt in Versionsnummer 2.0 vor, auch der Nutzer entwickelt sich dank technischem Fortschritt unaufhaltsam weiter. Manche intellektuell und technisch, andere wiederum nur technisch.
Während man im Windows 3.0-Zeitalter den typischen Geek anhand von Fachzeitschrift, Taschenrechner, Casio G-Shock-Digitaluhr sowie modischem Fehlgriff ausmachen konnte, setzt der Geek 2.0 auf Understatement. Laptop im Zeichen des Apfels, mobile Gadgets und Lederarmband setzen Akzente und verpassen dem Geek sogar eine Art Sexappeal. Meint zumindest GeeksAreSexy. Ganz nebenbei dürfte sich so manch ein Nutzer wundern, dass er plötzlich in die Schublade “Geek-Sein” geschoben wird. Der unsichtbare Arm der Vertechnifizierung umschlingt langsam jeden Nutzer und macht ihn zu einer Geisel.

Beim Aufräumen uralter Mails ist mir folgendes Fundstück in die Finger gekommen:

Ein Mann in einem Heißluftballon hat die Orientierung verloren. Er geht tiefer und sichtet eine Frau am Boden. Er sinkt noch weiter ab und ruft:

„Entschuldigung, können Sie mir helfen? Ich habe einem Freund versprochen, ihn vor einer Stunde zu treffen; und ich weiß nicht wo ich bin.“

Die Frau am Boden antwortet:

„Sie sind in einem Heißluftballon in ungefähr 10 m Höhe über Grund. Sie befinden sich auf dem 49. Grad, 28 Minuten und 11 Sekunden nördlicher Breite und 8. Grad, 28 Minuten und 58 Sekunden östlicher Länge.“

„Sie müssen Ingenieurin sein“ sagt der Ballonfahrer.

„Bin ich“, antwortet die Frau, „woher wissen Sie das?“

„Nun“, sagt der Ballonfahrer, „alles was sie mir sagten ist technisch korrekt, aber ich habe keine Ahnung, was ich mit Ihren Informationen anfangen soll, und Fakt ist, dass ich immer noch nicht weiß, wo ich bin. Offen gesagt, waren Sie keine große Hilfe. Sie haben höchstens meine Reise noch weiter verzögert.“

Die Frau antwortet:

„Sie müssen im Management tätig sein.“

„Ja,“ antwortet der Ballonfahrer, „aber woher wissen Sie das?“

„Nun,“ sagt die Frau, „Sie wissen weder wo Sie sind, noch wohin Sie fahren. Sie sind aufgrund einer großen Menge heißer Luft in Ihre jetzige Position gekommen. Sie haben ein Versprechen gemacht, von dem Sie keine Ahnung haben, wie Sie es einhalten können und erwarten von den Leuten unter Ihnen, dass sie Ihre Probleme lösen. Tatsache ist, dass Sie nun in der gleichen Lage sind, wie vor unserem Treffen, aber merkwürdigerweise bin ich jetzt irgendwie schuld!“

24. März 2008

Ja, ich bin jetzt auch bei Twitter. Was soll man bei diesem Osterwetter machen. War ja alles dabei – von Sonne über Regen bis zu Schnee. Kalt war´s immer. Zu schreiben hatte ich auch nichts. Alle Projekte abgeschlossen, die Wohnung aufgräumt.
Also habe ich mich bei Twitter angemeldet. Ich wollte wissen, worüber die anderen reden. Und was nun? Ich weiß es nicht! Ich bin jemandem gefolgt, mir ist jemand gefolgt. Was habe ich jetzt davon? Die Ver- und Gefolger kenne ich auch ausserhalb Twitters. RSS nennt sich das dann. Gut, ich weiß jetzt, wer wann, was im TV gesehen hat oder gerade sieht. Oder was der Andere gerade macht. Und ich kann den Anderen schreiben, was ich gerade mache – meistens: den Anderen schreiben. Aber was hilft mir das, was hilft den Anderen das? Welche Vorteile ergeben sich daraus? Ist das Übermitteln von Tätigkeiten nicht eher belanglos und zeitverschwendend?

Da in diesem Beitrag mehr Fragezeichen als Antworten sind, nehme ich mal an, Twitter bringt mich nicht weiter und wird demnächst um einen Account erleichtert sein. Aber den Colorwar 2008 werde ich dann noch als passives Mitglied begleiten.

Liebe Deutsche Telekom,

wenn ein Kunde zu dir in einen deiner T-Punkte kommt und nach einer Telefon- und Internet-Flatrate fragt, dann biete ihm bitte nicht dei n Call&Surf Comfort Paket an. Es könnte nämlich sein, der Kunde interessiert sich nicht die Bohne dafür, bei welchem Telefonanbieter der Angerufene ist. Das sollte er aber, denn du verlangst 0,21 Cent/Minute von ihm, wenn er zu Fremdanschlüssen (z.B. Arcor oder Hansenet) telefoniert. Das hat, seien wir ehrlich, nichts mit Flatrate zu tun. Und dass du ihm dass nicht so deutlich sagst, könnte man als Versuch deuten, die Kundenflucht zu stoppen. Aber zum Glück sind viele deiner Ex-Kunden nicht so dumm, um auf diesen Trick reinzufallen.

22. Januar 2008

In seiner Werbung von 1984 sprengt Apple die Monotonie der Gesellschaft.

2007, so scheint es, ist Apple mit seinem iPhone auf dem umgekehrten Weg. Ein Telefon ist in erster Linie für den verbalen, inzwischen auch visuellen Austausch zwischen zwei oder mehr Menschen konzipiert. Dank der Verschmelzung von Internet, Musikabspielgerät und Telefon, entwicklet sich das iPhone zum persönlichen Assistenten. Mit immer komplexer werdendem Funktionsumfang, wird ein Weg bedchritten, der die Menschen entfremdet und ausseinander bringt. Anhand von einigen Beispielen stelle ich das Dilemma dar:

Man steht in einer fremden Stadt, in einer fremden Gegend. Der Nicht-iPhone-Nutzer baut im Nu soziale Kontakte auf: er fragt nach dem Standort, besser noch – nach dem Weg zum Ziel. Der iPhone-Nutzer blickt auf sein Telefon.

Der Nicht-iPhone-Nutzer hat Hunger: er streift durch die Straßen, erkundet die Gegend oder – fragt nach einem Restaurant. Der iPhone-Nutzer blickt auf sein Telefon.

Der Nicht-iPhone-Nutzer möchte seinen Depotstand wissen: kann er nicht (hat ja kein Internet). Der iPhone-Besitzer schaut auf sein Telefon und bricht in Tränen aus – sein Tag ist versaut.

Man sieht deutlich, wie sich Apples neue iPhone-Strategie negativ auf die direkte Interaktion von Menschen auswirkt und das Wohlbefinden von Menschen nachhaltig negativ beeinflußt. Bleibt zu hoffen, dass nicht Microsoft 2084 einen Werbesport machen kann, der die Welt aus seiner Apfelsucht befreien soll.

PS: Ich liebe Apple für seine Ideen und Produkte, habe kein iPhone, hätte aber gerne eins.

2. Juli 2007

Lautes Lachen schallte durch das Großraumbüro. Taschentücher wurden zum Wegwischen der Tränen ausgepackt. Gott sei dank, es gibt Spammer und die sitzen offensichtlich in Rußland. Ein Versuch der Völkerverständigung:

Hallo!!! Ich bitte dich, sich uber meinen Brief nicht zu verwundern. Ich sah dein Profil auf “Singles.freenet.de” oder auf “Friendscout24″. Und ich wollte dir den Brief schreiben. Du der schone und sexuelle Mann. Ich will dich besser und naher sehr erfahren. Ich habe solches Gefuhl dass du ein Mann meines Traumes sein darfst. Aller ist in dieser Welt moglich. Du bist einverstanden? Ich glaube dass wir unsere Bekanntschaft beginnen werden.

…ohne Spam. Zugegeben, ich habe keine Angst bekommen, als ich heute meine Mails las. Ich habe vielmehr kopfschüttelnderweise gelacht, als mich folgende, bedrohliche Nachricht aus den USA anschaute:
Spam
Ich wünsche dem Verfasser alles Gute bei seiner Konvertierung und bitte ihn, uns mitzuteilen, wie es sich so anfühlt, ebay zu sein.

verlinkt

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