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10. März 2010

from_paris_with_love

Gestern Abend haben wir eine neue Seite fernöstlicher Kultur kennen gelernt. Wir waren im Kino. Eigentlich könnte man auch sagen, wir waren in der Kältekammer, denn als wirklich einzigartig empfanden wir das Herunterkühlen des Kinosaals auf 20°C – bei einer Aussentemperatur von über 30°C. Vorsorglich hatten wir unsere Fleecejacken mit dabei, denn so langsam kennen wir die Kälteaffinität unserer Asiaten. Die Jacken hatten wir eigentlich nach unserem Abflug im tiefverschneiten Deutschland ganz weit unten im Rucksack vergraben. Gestern retteten sie uns vor dem sicheren Kältetod.
Bei unserer Fußbekleidung waren wir etwas zu leichtsinnig. Dachten wir noch, dass unsere Füße in den Flip-Flops die Temperaturschwankung schon ertragen würden, sprachen die Eisklumpen nach der Vorstellung eine ganz andere Sprache. Wir liefen im Anschluß, gegen 23 Uhr, den Weg zum Hotel barfuß, um die Füße durch die heißen Betonplatten wieder aufzutauen.
Soviel zum kulturellen Teil. Kommen wir zum Film:


CAPITALISM: A LOVE STORY

Michael Moore ist zurück. Die Turbulenzen am Finanzmarkt, die Immobilienkrise haben ihn zurück auf den Plan gerufen. Ich hatte das Glück, seinen Film im Sneak Preview zu sehen.

Eines vorweg: Wer seine früheren Werke wie Fahrenheit 9/11 oder Bowling 4 Columbine nicht mag, den wird auch sein neues Werk kalt lassen. Moore ist wieder polemisch, sarkastisch, gespielt naiv, provokant und alles andere als objektiv. Aber genau desweg mag ich ihn und seinen Film.
Diesmal wird Moore zum Sprachrohr des von der amerikanischen Finanzkrise betroffenen Otto-Normal-Bürger an, der zum Obdachlosen oder entlassen wird. Moore legt klar und deutlich das Kernproblem der Gesellschaft frei: Geldgier.

  • Warum war es möglich, dass sich staatlich fitgespritzte Banken direkt nach dem Bail-Out Learjets und Prämien in Millionenhöhe leisteten? Weil das Finanzministerium von Banken geleitet wird.
  • Warum werden Menschen auf die Straße gesetzt, weil sie ihre Raten nicht mehr bezahlen können und anschließend verfällt das Haus?
  • Warum werden einst staatliche Gefängnisse privatisiert und dann wieder teuer vom Staat angemietet?
  • Warum sind Strafgefangene Wirtschaftsgüter?

Unterhaltsam ist das cineastische Werk von Moore nicht, dafür wirkt es nach und beantwortet Fragen, die sich viele vielleicht noch nie gestellt haben.

Was war das für ein entbehrungsreicher Sommer. Da kommt Anfang des Jahres das Techno-Monster “Berlin Calling” mit Paul Kalkbrenner in die Kinos. Kalkbrenner liefert neben einer hervorragenden schauspielerischen Leistung auch gleich noch ein fabulöses Album ab (Berlin Calling-the Soundtrack), dass es leider erst jetzt als ausgekkoppelte Vinyl-Versionen gibt. Von der DVD fehlte jedoch jede Spur.

Jetzt endlich zum Vorweihnachtsgeschäft erscheint mit Berlin Calling -- Deluxe Edition der Hammer für das Weihnachtsfest. Dank der Doppel-DVD-Special Edition verspricht es alles andere als ein ruhiges, besinnliches Weihnachtsfest zu werden. Passend zur DVD-Veröffentlichung dreht Paul Kalkbrenner eine Promotiontour und sorgt für Star-a-like Kartenvorverkäufe.

Und wer jetzt noch nicht weiß, warum er die DVD nicht seinem technoiden Partner schenken soll, dem sein noch mal der Trailer empfohlen. (PS: ich weiß übrigens schon, was ich zu Weihnachten bekomme)


Berlin Calling -- offizieller Trailer

Mal ehrlich, niemand glaubt wirklich, dass die Worte “Michael Douglas” und “Porno” tatsächlich in einem Kontext genannt werden können. Nicht mal zu Zeiten, als er mit seinem faltigen Popo Sharon Stones Intimbereich in “Basic Instinct” verdeckte, hätte jemand freiwillig das P-Wort benutzt, um Michael Douglas Performance zu beschreiben. Und erst recht nicht jetzt, nachdem er durch eine unbekannte Anzahl an chirurgischen Versuchen, seinen Alterungsprozess aufzuhalten, kaum wiederzuerkennen ist, hätte ich diese Aussage gewagt.

Nun begab es sich aber aus einer Laune der Langeweile, mich mal wieder ins Kino zu begeben, um die rumheulenden Film- und Lichtspielindustrie meinen Wochen-Lohn in den Rachen zu werfen. Zielobjekt des Abends: “Der Womanizer”. Zwar spielt der angeblich so sexy Matthew McConaughey die Hauptrolle, aber Michael Douglas stiehlt ihm lässig die Show. Nicht dass ihr denkt, er macht sich nackig oder so. Nein er spielt den Geist eines verstorbenen Frauenheldes. Und obwohl er nur wenige Minuten seine Interpretation(!) im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht darbietet, hab ich mit Tränen in den Augen mein Popcorn verschüttet.

Ich hätte ihm nur wegen den paar Minuten den Preis für sein Lebenswerk verliehen.

3. März 2009

spielzeugland

Zu später Stunde strahlte das öffentlich-rechtliche Fernsehen den oscar-prämierten Kurzfilm “Spielzeugland” aus. Über die Gründe, warum der ausgezeichnete Film nicht zu besserer Sendezeit ausgestrahlt wurde, spekulierte man schon hier.

Der Film erzählt die Geschichte des deutschen Jungen Heinrich, dessen bester Freund, ein Jude, deportiert wird. Die Mutter lügt, ihm in gutem Glauben zu lassen, er fahre ins Spielzeugland. Da für Kinder Spielzeuge gleich nach dem Schlaraffenland auf der Beliebtheitsskala rangieren, setzt Heinrich alles daran, mit seinem Freund auf die Reise zu gehen.
Am Morgen der Deportation der jüdischen Familie ist auch Heinrich verschwunden. Seine Mutter macht sich verzweifelt auf die Suche und scheint am Bahnhof in einem mit Juden vollgeferchten Wagon ihren Sohn wiedergefunden zu haben. So scheint es…

Gekonnt springt der Film zeitlich zwischen unterschiedlichen Zeitpunkten hin und her. Es gelingt ihm nicht nur die komplexe und mit überraschender Wendung versehene Handlung in nur 14 Minuten begreifbar zu machen, er führt dem Zuschauer auch auf erschreckende Art die Unmenschlichkeit der NS-Diktatur anhand der Geschichte unschuldiger Kinder vor Augen. Der Film ist ein emotionales Mahnmal für die Betroffenen, die Mutigen und die Schuldigen dieser Zeit.

Es ist sehr bedauerlich, dass die Programmdirektoren nicht die Courage besitzen, wie die Hauptdarstellerin am Ende des Films. Wer wissen möchte, was sich hinter den rätselhaften Andeutungen verbirgt, der suche in seinem örtlichen Independentkino nach Vorführungsterminen oder schreibe an die Intendanten von ARD und ZDF. Einen Link auf eine Kopie des Film vermeiden wir aus Respekt vor der hervorragenden Leistung aller Mitwirkenden.

23. Januar 2009

Berlin Calling

Worum geht´s?

DJ Ikarus ist erfolgreicher, international angesehener DJ, der kurz vor Vollendung seines neuen Albums “Berlin Calling” steht. Auf einer Party schluckt er eine Pille, die ihn völlig umhaut. Er landet in einer psychiatrischen Abteilung, um wieder auf die Beine zu kommen. Während des Aufenthaltes platzt sein Albumrelease und seine Freundin verlässt ihn. Doch die Macht der Musik ist stärker. Ikarus verfolgt sein Ziel unablässig und am Ende stellt sich die Frage, ob sein Album nicht doch lieber “Titten, Techno & Trompeten” heissen sollte….

Wer geht hin?
Feierwütige Party-People, Pillenschlucker, Drogendealer, Techno-Heads, DJs, Groupies und deren Eltern.

Und, wie war´s?
Hannes Stöhr hat mit Berlin Calling einen einzigartigen Kultfilm erschaffen, der sich ohne Weiteres auf eine Stufe mit Danny Boyle´s Trainspotting stellen kann. Der Film vermag es, den Zuschauer in die oftmals als stumpf und gefühlskalt bezeichnete Welt der geraden Bassdrum zu holen. Auch wenn es auf den ersten Blick um einen DJ mit Drogenproblemen geht, so ist der Film eine gelungene Millieustudie über erbarmungslose Liebe – die Liebe zur Musik. Paul Kalkbrenner verkörpert die Rolle des exessiven DJs, der süchtig nach Musik ist. Aufgrund seiner Drogenexzesse landet er mit suizidaler Diagnose vor der Psychologin, gespielt von Corinna Harfouch, die einen durchgeknallten und vollgetoxten Patienten vor sich hat – jedoch später seine wahre Leidenschaft erkennt. Ein wenig erinnert der musikbesessene DJ an den Maler Van Gogh, der in fast krankhafter und selbstzerstörerischer Art und Weise seiner Leidenschaft folgt. Aufgrund der Dreharbeiten in real existierenden Clubs, wie der Bar25 und der Maria am Ostbahnhof wirkt der Film authentisch und vermittelt auch Szenefremden einen interessanten Einblick in diese Kultur.

Als weiteres Highlight sei die Musik zum Film genannt. Hauptdarsteller Paul Kalkbrenner selber steuerte alle Trax zum Film bei. Wer die Sounds von Kalkbrenner mag, wird seine wahre Freude haben. Das Timing der Musik wurde so perfekt getroffen, so dass man – eine gute Soundanlage vorausgesetzt – das ein oder andere Mal einfach aufschreien und lostanzen möchte.

Coole Shirts gibt’s fuer alle Berlin Calling-Fans bei Rock it! Shirts:
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Auch ein Leckerbissen: der offizielle Trailer zum Film:

DirektTanzen

Vicky Christina Barcelona

Woody Allen packte seine Koffer, lud sich Penelopé Cruz und Scarlett Johannsson ein und erschuf im sommerlichen Barcelona ein cineastisches Meisterwerk. Oberflächlich als sommerlich leichte Unterhaltung verpackt, zeigt der Film auf amüsante Art den Versuch und das Scheitern verschiedener Charaktere, ihr persönliches Glück zu finden.

Es bedarf keines klassischen Filmendes, die Botschaft zu verbreiten: egal wer du bist, es ist schwer, dein Glück zu finden. Aber keine Angst, niemand wird diesen Film enttäuscht verlassen, denn er weckt die Lust, das Leben zu genießen, etwas zu wagen und sich so schnell wie möglich ein Ticket in die Sonne zu kaufen! Ein Meisterwerk.

By the way: Wer eine Privatvorstellung im Kino genießen möchte, dem sei empfohlen, Montags zur Spätvorstellung im Zeise-Kino in Hamburg Altona zu erscheinen. Am ruhigsten Tag der Woche kann man sich seinen Lieblingsplatz aussuchen und kann vorm größten Fernseher der Stadt sein frisches Popcorn knabbern.

Bild: (C) http://vickycristina-movie.com

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