Heute Morgen um zwanzig nach Mitternacht endete für die deutsche Fernsehfraktion eine Legende. Nach 15 Jahren und 332 Folgen schloß die Notaufnahme E.R. des Countys ihre Pforten. Und wie es nach dem Verschwinden von Legenden üblich ist, sinniert der Mensch über das Hätte und Wäre. And so I did:
Unterhält man sich mit Fans der ersten Stunde, gerät man gegenseitig ins Schwärmen über Peter Benton, Mark Greene, John Carter und Dough Ross. Es ist erstaunlich, welch detailliertes Wissen man noch heute über eben jene Protagonisten aufzusagen weiß.
15 Jahre begleitete uns nun dieses – für die damaligen Verhältnisse – revolutionäre Serienformat. Oft kopiert und selten erreicht, setzte E.R. in den Anfangsjahren Maßstäbe bei der cineastischen Umsetzung. Da gab es durchaus eine gehörige Portion Intrigen und Machtspiele, Liebe und Hass, Erfolge und Niederlagen. Aber die Haupthandlung drehte sich im Schwerpunkt stets um die Abläufe in Chicagos Cook County General Hospital. Die beeindruckende Zahl von 116 Auszeichnungen und weiteren 262 Nomierungen unterstreicht die Extraklasse dieser von Michael Crichton erschaffenen Serie.
Doch auch E.R. entwickelte sich über die Jahre hinweg zunehmend weg von den klassischen Handlungs- und Charaktereigenschaften. Mehr Geklüngel rückte in den Vordergrund, die Behandlung rückte in den Hintergrund und in immer kürzer werdenden Abständen kamen neue Charaktere ins Spiel. Der Charakter der Serie änderte sich.
Und so musste man sich gestern Abend manch Träne verkneifen, als plötzlich Benton, Waever, Carter, Luis und Corday wieder auf der Bildfläche erschienen, um an die gute alte Zeit zu erinnern. Selbst der verstorbene Mark Greene war in Person seiner erwachsenen Tochter allgegenwärtig. Dennoch gelang es den Machern nicht, eine Brücke für die zwei völlig verschiedenen Generationen zu bauen. Am Ende saß man irgendwie verloren in seinem Sessel. Man wurde zurückgelassen mit einem unfertigen Bild, das nie vollendet werden wird. Und so bleibt ein melancholisch-fader Geschmack zurück, dass eine so großartige Serie nicht das ihr zustehende großartige Ende erhalten hat.
Vielleicht trifft auch hier das Sprichwort zu: Man muss aufhören, wenn es am schönsten ist. Dennoch, es war eine tolle Zeit!