Stefan Winterbauer veröffentlichte vor Kurzem einen Beitrag mit dem Titel “Zehn Dinge, die an Twitter nerven“. Nun lässt sich über Vieles vortrefflich lästern und kritisieren – ein Umstand der auch erlaubt ist – aber schwieriger wird es, die guten Seiten hervorzukehren. Und so habe ich mich an Stefan´s Aussagen entlang gehangelt und versucht, diese unter positivem Aspekt zu beleuchten. Durchaus kein leichtes Unterfangen und auch nicht immer ganz ernst gemeint. Und es sind auch nur 8 Dinge geworden.
1. Der „Guten Morgen – gute Nacht“-Tweet
Während ich in in der prähistorischen Zeit vor Twitter oft zu später Stunde vor dem Rechner sitzend dachte, ob mit mir alles in Ordnung ist, geben mir die schriftlich dokumentierten Schlaf-/Aufsteh-Bekundung anderer Twitter-Nutzer die Sicherheit, dass es da draußen genug Verrückte gibt und ich mir über mich keine Sorgen machen muss. Zudem ermöglichen mir die launischen “Morsche”-Bekundung gezielt zu erkennen, welchen User ich nicht mit meiner morgendlichen Euphorie belästigen sollte. Mein Vorschlag zur Verbesserung der emotionalen Transparenz: Einführung des Hashtags “#sleep”. Damit kann dann allmorgendlich erkannt werden, wer wie lange geschlafen hat. Auch Arbeitgeber dürften sehr an der Dauer der regenerativen Phase interessiert sein. Erkennt man daran doch sehr einfach, wie fit der Mitarbeiter ist, dem man das Geld in den Rachen wirft.
2. Die PR-Tröte
Twitter entfaltet für Blogger ungeahnte Möglichkeiten, da man durchweg sein großes Mitteilungsbedürfnis befriedigen kann. Jedoch hat kein normaler Mensch Zeit, die täglich 50 coolen, crazy Links ordentlich als Posting zu verpacken. Manch Blogger schreibt als Beitrag seine Linktipps stumpf untereinander. Spätestens nach dem dritten Link liest eh keiner mehr weiter und doof sieht das Posting dann auch noch aus. Also kann man Twitter wunderbar nutzen, seine Linktipps über den Tag verteilt unter die Massen zu schleudern. Wenn man sich als Blogger einen Zweitaccount anschafft, der auf die eigenen Postings und die Links verweist, dann kann dem Nutzer durchaus ein nicht unerheblicher Mehrwert geboten werden. All jenen, die auf einem Account Hardcore-Linkloving und persönliche Nachrichten verbreiten, denen sei gesagt, dass es bei Twitter noch eine super Funktion gibt, die sich “unfollowen” nennt.
3. Der Dauer-Tweeter
Welch hervorragende Möglichkeit bietet sich der observierenden Zunft, wenn man bequem jeden steigen-gelassenen Pups des Objekts der Überwachung bequem per Twitter empfangen kann. Nicht zu unterschätzen ist der dadurch entstandene volkswirtschaftliche Nutzen, denn das sonst für Spionageexperten aufgewendetes Geld kann jetzt in die Verstaatlichung der deutschen Großbanken investiert werden. Und so trägt der mitteilungsbedürftige Sekundenspinner zur Abkehr von der freien Marktwirtschaft bei.
Für solche Leute nutze ich gerne die Funktion, die sich “unfollowen” nennt.
4. Show-Twittern auf Englisch
Oh, I don´t have anything gegen two people wich are twittern in english obwohl they are german. They can do it whenever they want. Aber they don´t have to denken, that I´m following ihrem Gespräch. For that people TweetDeck offers me the group-function. Jeder english-speaking Twitterer landet in this group or wird geunfollowed.
5. Der Ego-Twitterer
Ja, lasst mich teilhaben an eurem Erfolg, eurer Geilheit. Nichts ist motivierender für mich, als Zitate wie diese zu lesen: „Wow, wir sind im Pitch!“, „Auftrag für ein großes Medienunternehmen an Land gezogen.“. Ich sitze dann immer vorm Rechner und denke mir, was es doch für sensationelle Flachpfeifen gibt, die nix mehr merken. Ich erfreue mich an meiner Bodenständigkeit und Unüberheblichkeit. Danke für diese Motivation! Schakka!
6. Der Follower-Grüßaugust
Wenn mir ein Tweet a la „Ich begrüße meinen 300. Follower, vielen Dank!“ vor die Flinte kommt, dann sitze ich mit einem breiten Lachen da und klicke direkt auf den Reply-Button. So kann ich mich direkt bedanken, auch wenn ich nicht gemeint war. Lustig ist es allemal. Und zum Glück haben all jene, die sich persönlich bei jedem Follower bedanken, selten eine so hohe Relevanz und Followerzahl, dass sie mich damit belästigen. Ich unterstelle mal, dass sich die Followerzahl reziprok der Grußhäufigkeit verhält.
7. Twitter-Spielchen
Das ganze Leben ist ein Quiz und auch Twitter hat seinen Platz darin gefunden. Als Kind hat man Telefonstreiche gemacht, später mit Böller Briefkästen gesprengt und heute veranstaltet man dämliche Spiele auf Twitter. Es gehört zu einem so jungen Medium dazu, wie die Beule zur Pest. Das Schöne dabei ist, es können sich andere zum Heinz machen und man selber greift egoistisch die gewonnenen Erfolgsfaktoren ab. Oder man macht sich selbst zum Klaus und ist vorne mit dabei. It´s up to you!
8. Der Polit-Trittbrett-Twitterer
Twitter hat sie alle erniedrigt. All die Obamas, McCains und Schäfer-Gümbels dieser Welt. Wer im Herrgott´s Namen hätte vor 3 Jahren geglaubt, dass der mächtigste Mann der Welt (nein, nicht Schäfer-Gümbel) in 140 Zeichen zu seinen Gefolgsleuten spricht? Und wer hätte gedacht, dass diese Leute intellektuell so weit unten sind, dass sie sich das antun würden?
Man kann über Twitter denken was man will, aber es hat sich wider Erwarten zu einem Medium entwickelt, welches auf dem Zettel stehen sollte. Ob und wie lange der Hype um Twitter hält, ist unklar. Klar ist jedoch, dass solche Dienste das Verhalten der Nutzer und die Struktur des Netzes, ja sogar die sozialen Strukturen verändern.
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