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Na wenn das mal keine Überraschung ist: Der Tagesspiegel meldet in seiner Ausgabe vom 29.04.2005, Nr. 18 819, auf Seite 23 im Bereich „Berlin Kultur“, dass für die Senatsverwaltung für Kultur der Tresor „aus kulturpolitischer Sicht ein wichtiger, unverzichtbarer Bestandteil nicht nur der Berliner Musikszene“, ist und dass es „im Interesse der Stadt“ liege, dass er eine neue Heimstatt findet. Ich wiederum finde das auch sehr positiv, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass diese Erkenntnis schon früher gekommen wäre – man hatte ja schließlich mehr als 14 Jahre Zeit. Den kompletten Artikel gibt es auch hier: Tagesspiegel online

19. April 2005

15.04.2005 – DER LETZTE TAG. So, dass war´s nun. Eine Ära geht zu Ende und was bleibt…. Aber fangen wir vorne an.
Im Vorfeld habe ich mich schon mit meinen Berlinern Ray und Georg abgesprochen, dass wir uns nach Jahren zur letzten Party im Tresor wiedertreffen. Zuverlässige Quellen meldeten schon im Vorfeld, dass DJ Hell der Surprise-Guest wird und dass Richie Hawtin erst gegen 12 Uhr Mittags auflegt. Daher hielt ich es logistisch günstiger, erst gegen 6 Uhr morgens in Berlin aufzuschlagen. Doch in der nacht zum Sonnabend erreichte mich von Georg eine SMS, die auf riesige Schlangen und lange Wartezeiten vorbereiteten. Also verlegte ich meine Ankunft kurzerhand auf die später. Dies sollte 8 Uhr werden. Ich fand eine ca. 50 m lange Schlange vor einer geschlossenen Tür wieder. Als ich mich nach Zeitpunkt der Öffnung erkundigte, öffnete sich selbige und nach nur 5 Minuten war ich drin. Nachdem ich Ray und Georg den Lagebericht durchgegeben habe, genoss ich die aufgehende Sonne im Tresor-Garten und schaute mir die Besucher an, die die Nacht schon überstanden hatten. Es sollte ein herrlich sonniger Tag werden. Gegen 10 Uhr kam Ray und kurz danach auch Georg. Freudiges Umarmen und anschließende Fachgespräche über Menschen, Maschinen, Mutationen ließen die Zeit verfligen. Ray und ich stärkten uns im Sony-Center mit lecker Australischem Wrap und chinesischen Spezialitäten. Gegen halb eins setzte Richie Hawtin seinen 2 Macs und 3 Plattenspieler in Bewegung und begann die euphorisierte Masse zu rocken. Abgesehen von den Tücken der Computertechnik gelang ihm ein Hammerset, dass keine Wünsche offen ließ. Während seines Sets musste ein Ventilator beschafft werden, weil die Rechner offenbar nicht ausreichend Kühlung bekamen. Wie auch, bei über 40 Grad Raumtemperatur und 99% rel. Luftfeuchte? Unter den Tanzwütigen tauchten u.a. Monika Kruse und Hardy Hard auf, die ebenfalls mächtig Spaß hatten. Ist mir so auch noch nie passiert. Gegen 17 Uhr übernahm Ricardo Villalobos das Ruder. Ray und ich waren aufgrund exzessiver Tanzakrobatik ausserhalb der Normalform und so entschieden wir uns, ein Eis in den Arkaden zu beschaffen und so den Tag allmählig ausklingen zu lassen. Nach der Stärkung habe ich dann noch eine letzte Runde durch die Hallen gedreht, die für mich immer die Leidenschaft und den Geist von Techno verkörpert haben. Seit 1994 habe ich dort so manche Nacht verbracht und wurde nie enttäuscht. Ein mulmiges Gefühl überkam micht, ein tiefes Durchatmen und ein “bye bye” – das waren meine letzten Sekunden im Tresor. Ray fand ich mit Anika und Sirko im Café wieder. Wir redeten och ein wenig und dann ging es zu Ray, zum Chinesen und nach Hamburg. Dort kam ich gegen 11 Uhr abends an und hatte den Eindruck, dass ein Teil von mir für immer im Tresor geblieben ist.
Danke Tresor-Crew für alles, was Ihr getan habt. Nur die, die dort waren wissen, welch großartige Leistung Ihr seit 1991 vollbracht habt. Wir sehen uns im Tresor Vol. 2!

19. April 2005

15.04.2005 – Noch 2 Tage bis zum Ende. Nun war es also da – das letzte Tresor-Wochenende. Im Vorfeld hörte ich schon in Hamburg, die Schlangen vor der Tür seien unerträglich, und enttäuschte Fans wurden abgewiesen. Also hieß es rechtzeitig auf die Autobahn und ab nach Berlin. gegen halb zwölf fand ich mich vor dem Club ein und konnte sofort eintreten. Da der Laden zu dem Zeitpunkt noch ordentlich Raum bot, nutzte ich die Zeit mit Fotografieren und Filmen. In die “Tresor”-Rubrik finden sich die Bilder. Als Joey Beltram begann, den Tresor zu beschallen, füllte sich selbiger recht schnell und der Schweiß lagerte sich gewohnheitsbedingt an der Decke ab. Beltram spielte seinen gewohnten Stil und rockte den Keller. Der anschließende Live-Act von Scan 7 war für mich eher optisch interessant. Scan 7 Stand schwarz gekleidet und mit Ski-Maske verhüllt hinter seinen Geräten und spielte – für mich leider etwas zu hart. Gebeutelt von der Woche, überfiel mich plötzliche Müdigkeit. Kelli Hand konte mich mit ihrem z.T. sehr melodiösem Set nicht so recht überzeugen. Aber gegen 5 Uhr sollte Maral Salmassi die Regler übernehmen. Also wartete ich geduldig, schaute mir den Club nochmal in Ruhe an und genoss dieses permanente, aufgebrachte Treiben der Besucher. Nachdem Maral Ihr Set mit Acid-lastigen Tracks eröffnete, und mich zurück auf die Tanzfläche geholt hat, verließen mich aber gegen 6 Uhr entgültig die Kräft und so setzte ich mich völlig übermüdet ins Auto und jagte dem Schlafplatz entgegen – Kraft zu sammeln für den letzten Tag.

10. April 2005

09.04.2005 – Noch 7 Tage bis zum Ende! Der Countdown läuft und so verschlug es mich erneut in die heiligen Hallen der elektronischen Tanzmusik. Gegen halb ein parkte ich mein Auto in sicherer Distanz zum Club und holte mir erstmal einen Stempel. Der Laden war noch recht übersichtlich gefüllt. Also nochmal raus, Kamera geholt und wieder rein. Leider verhinderte die doch schon erstaunlich hohe Luftfeuchtigkeit ordentliche Fotos. Gegen halb zwei war ich dann so langsam bereit, mich den Sets der Nacht hinzugeben. Jonzon legte unerwarte klassisch und Jubelschreie-auslösend auf. Ich habe Jonzon noch nie zuvor spielen gesehen, werde nach dieser Nacht aber auf jeden Fall noch ein Auge auf den Jungen halten. Der ist echt gut! Nach Jonzon übernahm Wolle XDP der im Set mit bösen Sicherungsausfällen der Anlage zu kämpfen hatte. Die Masse reagierte gemischt aber erfreut, wenn´s wieder krachte. Nach Wolle übernahm dann DJ Shufflemaster aus Tokio. Trotz meiner Ohrenstöpsel hatte ich den Eindruck, mit platzt das Trommelfell und meine Atmung setzt aus. Solch derbe Bässe, die die Magengrube massieren habe ich selten erlebt. Sein Mix, der mittel Traktor perfektioniert wurde, hielt mich bis zu seinem Ende, gegen 6 Uhr auf der Tanzfläche. Leicht benommen bahnte ich mir den Weg in den Globus, wo ich Zeuge eines PingPongs zwischen Blake Baxter und Mike Grant wurde. Leider überschnitten sich die Sets von Shufflemaster und BB & MG. Ich hätte gerne noch mehr von den beiden gehört, aber gegen 6:15 Uhr übergaben sie an das folgende Live-Set. Ich folgte dem Licht, dass durch die Eingangstür in den Club lugte – aber wegen dem Neben/Schweißgemisch nicht weit kam. Ich genoss den schönen Sonnenaufgang am Sonntag Morgen und schoss noch einige Fotos, bevor ich mich wieder in Richtung Schlafstätte begab.

3. April 2005

02.04.2005 – Noch 14 Tage bis zum Ende! Nachdem ich einen sonnigen Samstag verschlafen hatte und meine Mom mir eine Tasse Kaffee gekocht hat, die Tote aufwecken hätte können, setzte ich mich wieder in mein Auto und fuhr erneut zum Tresor. Heute sollten u.a. D.Diggler, Gianni Vitiello und Alexander Kowalski die Crowd erfreuen. Nachdem Wartemanöver am Vorabend trudelte ich schon gegen halb eins im Tresor ein und hatte somit genug Zeit, durch die heiligen Hallen zu streifen und nochmals die Aura dieser aussergewöhnlichen Location in mich aufzusaugen. D.Diggler legte im Globus knackige, aber für meine Stimmung zu harmlose Tracks auf. Also gings ab in den Keller, wo Mr. Vitiello ein für meine Ohren eher mäßiges Set ablieferte. Seine Tracks auf Platte gefallen mir definitiv besser. Aber als dann in den frühen Morgenstunden Alexander Kowalski an seine Geräte trat, war die Masse nicht mehr zu halten. Großen Respekt an diesen Jungen! So gegen 6:30 Uhr habe ich mich dann langsam wieder an die frische Luft geschoben und mich in Richtung Schlafstätte begeben.

2. April 2005

01.04.2005 – Noch 15 Tage bis zum Ende! Am Freitag hat es mich mal wieder in mein Zweitwohnzimmer verschlagen. Es hieß, den Beendigungsmarathon zu beginnen. Nun liegt Berlin ja nicht gerade in unmittelbarer Nähe zu Hamburg und so musste ich vor der Feier noch die 200 km auf der Autobahn zurücklegen. Besonders Tanith´s Auftritt hatte es mir angetan, da ich in frühen Tresorzeiten zu seinem “Club – The Rest” regelmäßig abgegangen bin. Sein Auftritt war für 5:00 – 7:00 Uhr angesetzt. Also peilte ich meine Ankunft zwischen 2 und 3 Uhr an. Nachdem ich mich aufgrund fehlender Orientierungsfähigkeiten in Berlin verfahren habe, stand ich dann doch schon gegen 2:30 am Potsdamer Platz. Den kleinen Hunger bekämpfte ich mit einem übel schmeckenden China-Burger bei M.C. Doof. Als ich dann kurz vor 3:00 Uhr um Einlass bat, wurde mir dieser verwehrt, da der Laden so voll war, dass erstmal die Tür geschlossen wurde. Also hieß es 1 Stunde in der Kälte warten. So gegen 4 Uhr öffneten die z.T. recht netten Türsteher die Pforten und so bekam ich Chris Liebings Set nur noch wenige Minuten mit.
Als dann aber plötzlich Moby´s “1.000 bpm” erklang, war klar, was die Stunde geschlagen hatte: Tanith zelebriert alte Zeiten. In den nächsten 2 Stunden fühlte ich mich direkt in das Jahr 1992 versetzt. Techno wie es sich gehört – dunkel, laut und schweißig.
Gegen 7:30 Uhr entschloss ich mich, zu meinem Schlafplatz zu fahren, da ich Samstag Abend ja ein erneutes Date in dieser aussergewöhnlichen Location hatte.

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