Bin gerade zurück von einem Ausflug in musikalisches Nachbarland. Als in Hamburg lebender bleibt der direkte Kontakt zur Hip-Hop-Szene nicht aus. Macht auch nichts. Habe schon immer gerne deutschen Hip-Hop nebenbei gehört. Heute lud Samy Deluxe anlässlich seines 10jährigen Bühnenjubiläums seine Freunde und Fans ins Docks ein. Ein musikalsicher Spannungsbogen spannte sich, beginnend mit einem Lichtbildervortrag von Eisfeld und Mixwell. Kleiner Geschichtsunterricht für die Jüngeren. Wer oder was war Dynamite Deluxe, wer ist die Mongo Clique etc. pp.

Anschließend sprach der Meister zur Musik und hatte dabei Unterstützung von: Afrob, Dendemann, Stieber Twins, Kool Savas, Headliners, J-Luv, Dynamite, Eisfeld, D-Flame und ner Frau, die ich nicht kenne. Gespielt wurde alles, was die Leute zum toben und das Thermometer zum steigen brachte. Nach ca. 2einhalb Stunden war Ende im Gelände und man wird sehen, was die kommenden 10 Jahre für den Hamburger Hip-Hop und für Samy bringen werden. Bounce digga!!!

22. Mai 2005

Am Samstag hat es mich dank einer Einladung nach Berlin zum Red Bull BC-ONE 2005 verschlagen – der Weltmeisterschaft im Breakdancen, bzw. BBoying. Im entkernten Palast der Republik traten die 16 weltbesten BBoys im One-on-One-Battle gegeneinander an. Eigentlich bin ich kein großer HipHop-Fan, aber ich ziehe vor Respekt meinen Hut. Was ich dort zu sehen gab kann ich nicht beschreiben. Moves, wie sie die Physik, im Speziellen die Schwerkraft, eigentlich nicht zulassen dürfte. Diese Art der Kultur fehlt mir im Techno leider etwas. Haltet die Augen offen, wo die WM im nächsten Jahr stattfindet und geht hin. Es lohnt sich!

Heute erreichte mich endlich mal wieder ein Highlight elektronischer Musik, gepresst auf schwarzes Gold. In einer der letzten Tresor-Nächte spielte K.Hand eine Platte, die ich auch auf meinem Tresor-Video (siehe Rubrik “Tresor”) gebannt habe. Der Globus kochte. Schnell stellte sich heraus, dass das Magdeburger Label KarateKlub dahinter steckt. Mein Tipp läuft auf den Track, der der Platte ihren Namen gibt. Ein trockener, aber unheimlich schiebender Beat lässt definitiv jeden ins Grooven geraten. Dazu fordert die soulige Stimme jedes Baby zum Umdrehen auf. Break. Weiter schiebt der Bass und die High-Hats flirren weiter. Eine Bombe auf dem Plattenteller. Genial, dass das Teil auch noch aus Sachsen-Anhalt die Welt erobert. Ihr könnt die Platte hier hören und kaufen:

10. Mai 2005

Wie ein Feuer fegte es durch die Blogs dieser Welt. Zwei große deutsche Werbeagenturen aus Hamburg planen eine Kampagne mit dem vielversprechenden Titel “Du bist Deutschland” in Adaption an die Headline der Bild-Zeitung “Wir sind Papst”. Ziel der Veranstaltung ist es, einen Ruck durch Deutschland gehen zu lassen, der zum Start in eine “zu einer neuen Aufbruchstimmung in Deutschland beitragen” soll. Partner sind neben unserer Bundesregierung auch Unternehmen wie Lufthansa, Deutsche Telekom, Bertelsmann, Medienpartner, N-TV und “PM”.
Ich für meinen Teil denke mir Folgendes dabei:
Wir faulen Deutschen brauchen offenbar Hilfe beim Leben:
Anstatt Jungunternehmern die Geschäftsgründung zu erleichtern,
anstatt den Bürger mit monatlich neuen Finanzkürzungen zu beglücken,
anstatt Sicherheit zu schaffen,
anstatt klare Konzepte aufzuzeigen,
anstatt auch mal selber was zu wagen und nicht nur an die nächste Wiederwahl denken
brauchen wir offenbar eine vorgegebene Kampagne, die uns demnächst rufen lässt: “Schacka! Ich schaff´ es (oder doch nicht?)” .


via spreeblick und www.Horizont.de.

Ein witziges Tool für Apple-User ist der RetroPlayer von StudioKura. Einfach eine digital-cleane MP3 auf den Player gezogen und schon höhrt sich der Track an, als wenn er auf gutem, alten Vinyl gepresst wurde. Es knistert und knackst. Für alle die mal wissen möchten wie es so klingt, wenn man Platten sein Eigen nennt. www.studio-kura.com

Na wenn das mal keine Überraschung ist: Der Tagesspiegel meldet in seiner Ausgabe vom 29.04.2005, Nr. 18 819, auf Seite 23 im Bereich „Berlin Kultur“, dass für die Senatsverwaltung für Kultur der Tresor „aus kulturpolitischer Sicht ein wichtiger, unverzichtbarer Bestandteil nicht nur der Berliner Musikszene“, ist und dass es „im Interesse der Stadt“ liege, dass er eine neue Heimstatt findet. Ich wiederum finde das auch sehr positiv, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass diese Erkenntnis schon früher gekommen wäre – man hatte ja schließlich mehr als 14 Jahre Zeit. Den kompletten Artikel gibt es auch hier: Tagesspiegel online

19. April 2005

15.04.2005 – DER LETZTE TAG. So, dass war´s nun. Eine Ära geht zu Ende und was bleibt…. Aber fangen wir vorne an.
Im Vorfeld habe ich mich schon mit meinen Berlinern Ray und Georg abgesprochen, dass wir uns nach Jahren zur letzten Party im Tresor wiedertreffen. Zuverlässige Quellen meldeten schon im Vorfeld, dass DJ Hell der Surprise-Guest wird und dass Richie Hawtin erst gegen 12 Uhr Mittags auflegt. Daher hielt ich es logistisch günstiger, erst gegen 6 Uhr morgens in Berlin aufzuschlagen. Doch in der nacht zum Sonnabend erreichte mich von Georg eine SMS, die auf riesige Schlangen und lange Wartezeiten vorbereiteten. Also verlegte ich meine Ankunft kurzerhand auf die später. Dies sollte 8 Uhr werden. Ich fand eine ca. 50 m lange Schlange vor einer geschlossenen Tür wieder. Als ich mich nach Zeitpunkt der Öffnung erkundigte, öffnete sich selbige und nach nur 5 Minuten war ich drin. Nachdem ich Ray und Georg den Lagebericht durchgegeben habe, genoss ich die aufgehende Sonne im Tresor-Garten und schaute mir die Besucher an, die die Nacht schon überstanden hatten. Es sollte ein herrlich sonniger Tag werden. Gegen 10 Uhr kam Ray und kurz danach auch Georg. Freudiges Umarmen und anschließende Fachgespräche über Menschen, Maschinen, Mutationen ließen die Zeit verfligen. Ray und ich stärkten uns im Sony-Center mit lecker Australischem Wrap und chinesischen Spezialitäten. Gegen halb eins setzte Richie Hawtin seinen 2 Macs und 3 Plattenspieler in Bewegung und begann die euphorisierte Masse zu rocken. Abgesehen von den Tücken der Computertechnik gelang ihm ein Hammerset, dass keine Wünsche offen ließ. Während seines Sets musste ein Ventilator beschafft werden, weil die Rechner offenbar nicht ausreichend Kühlung bekamen. Wie auch, bei über 40 Grad Raumtemperatur und 99% rel. Luftfeuchte? Unter den Tanzwütigen tauchten u.a. Monika Kruse und Hardy Hard auf, die ebenfalls mächtig Spaß hatten. Ist mir so auch noch nie passiert. Gegen 17 Uhr übernahm Ricardo Villalobos das Ruder. Ray und ich waren aufgrund exzessiver Tanzakrobatik ausserhalb der Normalform und so entschieden wir uns, ein Eis in den Arkaden zu beschaffen und so den Tag allmählig ausklingen zu lassen. Nach der Stärkung habe ich dann noch eine letzte Runde durch die Hallen gedreht, die für mich immer die Leidenschaft und den Geist von Techno verkörpert haben. Seit 1994 habe ich dort so manche Nacht verbracht und wurde nie enttäuscht. Ein mulmiges Gefühl überkam micht, ein tiefes Durchatmen und ein “bye bye” – das waren meine letzten Sekunden im Tresor. Ray fand ich mit Anika und Sirko im Café wieder. Wir redeten och ein wenig und dann ging es zu Ray, zum Chinesen und nach Hamburg. Dort kam ich gegen 11 Uhr abends an und hatte den Eindruck, dass ein Teil von mir für immer im Tresor geblieben ist.
Danke Tresor-Crew für alles, was Ihr getan habt. Nur die, die dort waren wissen, welch großartige Leistung Ihr seit 1991 vollbracht habt. Wir sehen uns im Tresor Vol. 2!

19. April 2005

15.04.2005 – Noch 2 Tage bis zum Ende. Nun war es also da – das letzte Tresor-Wochenende. Im Vorfeld hörte ich schon in Hamburg, die Schlangen vor der Tür seien unerträglich, und enttäuschte Fans wurden abgewiesen. Also hieß es rechtzeitig auf die Autobahn und ab nach Berlin. gegen halb zwölf fand ich mich vor dem Club ein und konnte sofort eintreten. Da der Laden zu dem Zeitpunkt noch ordentlich Raum bot, nutzte ich die Zeit mit Fotografieren und Filmen. In die “Tresor”-Rubrik finden sich die Bilder. Als Joey Beltram begann, den Tresor zu beschallen, füllte sich selbiger recht schnell und der Schweiß lagerte sich gewohnheitsbedingt an der Decke ab. Beltram spielte seinen gewohnten Stil und rockte den Keller. Der anschließende Live-Act von Scan 7 war für mich eher optisch interessant. Scan 7 Stand schwarz gekleidet und mit Ski-Maske verhüllt hinter seinen Geräten und spielte – für mich leider etwas zu hart. Gebeutelt von der Woche, überfiel mich plötzliche Müdigkeit. Kelli Hand konte mich mit ihrem z.T. sehr melodiösem Set nicht so recht überzeugen. Aber gegen 5 Uhr sollte Maral Salmassi die Regler übernehmen. Also wartete ich geduldig, schaute mir den Club nochmal in Ruhe an und genoss dieses permanente, aufgebrachte Treiben der Besucher. Nachdem Maral Ihr Set mit Acid-lastigen Tracks eröffnete, und mich zurück auf die Tanzfläche geholt hat, verließen mich aber gegen 6 Uhr entgültig die Kräft und so setzte ich mich völlig übermüdet ins Auto und jagte dem Schlafplatz entgegen – Kraft zu sammeln für den letzten Tag.

14. April 2005

Ich empfehle mal den Blick auf http://www.rest-label.net/. Tobi Tobsucht präsentiert dort Tracks von Minimal bis Abstrakt. Sehr gutes Artwork wird mit erstklassigen Tracks kombiniert. Da kommt man manchmal auf die Idee sich FinalScratch zuzulegen, nur um die Trax mixen zu können.
Wenn auch du ein geniales Netlabel kennst, dann poste es bitte in den Comments.

10. April 2005

09.04.2005 – Noch 7 Tage bis zum Ende! Der Countdown läuft und so verschlug es mich erneut in die heiligen Hallen der elektronischen Tanzmusik. Gegen halb ein parkte ich mein Auto in sicherer Distanz zum Club und holte mir erstmal einen Stempel. Der Laden war noch recht übersichtlich gefüllt. Also nochmal raus, Kamera geholt und wieder rein. Leider verhinderte die doch schon erstaunlich hohe Luftfeuchtigkeit ordentliche Fotos. Gegen halb zwei war ich dann so langsam bereit, mich den Sets der Nacht hinzugeben. Jonzon legte unerwarte klassisch und Jubelschreie-auslösend auf. Ich habe Jonzon noch nie zuvor spielen gesehen, werde nach dieser Nacht aber auf jeden Fall noch ein Auge auf den Jungen halten. Der ist echt gut! Nach Jonzon übernahm Wolle XDP der im Set mit bösen Sicherungsausfällen der Anlage zu kämpfen hatte. Die Masse reagierte gemischt aber erfreut, wenn´s wieder krachte. Nach Wolle übernahm dann DJ Shufflemaster aus Tokio. Trotz meiner Ohrenstöpsel hatte ich den Eindruck, mit platzt das Trommelfell und meine Atmung setzt aus. Solch derbe Bässe, die die Magengrube massieren habe ich selten erlebt. Sein Mix, der mittel Traktor perfektioniert wurde, hielt mich bis zu seinem Ende, gegen 6 Uhr auf der Tanzfläche. Leicht benommen bahnte ich mir den Weg in den Globus, wo ich Zeuge eines PingPongs zwischen Blake Baxter und Mike Grant wurde. Leider überschnitten sich die Sets von Shufflemaster und BB & MG. Ich hätte gerne noch mehr von den beiden gehört, aber gegen 6:15 Uhr übergaben sie an das folgende Live-Set. Ich folgte dem Licht, dass durch die Eingangstür in den Club lugte – aber wegen dem Neben/Schweißgemisch nicht weit kam. Ich genoss den schönen Sonnenaufgang am Sonntag Morgen und schoss noch einige Fotos, bevor ich mich wieder in Richtung Schlafstätte begab.

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