15.04.2005 – DER LETZTE TAG. So, dass war´s nun. Eine Ära geht zu Ende und was bleibt…. Aber fangen wir vorne an.
Im Vorfeld habe ich mich schon mit meinen Berlinern Ray und Georg abgesprochen, dass wir uns nach Jahren zur letzten Party im Tresor wiedertreffen. Zuverlässige Quellen meldeten schon im Vorfeld, dass DJ Hell der Surprise-Guest wird und dass Richie Hawtin erst gegen 12 Uhr Mittags auflegt. Daher hielt ich es logistisch günstiger, erst gegen 6 Uhr morgens in Berlin aufzuschlagen. Doch in der nacht zum Sonnabend erreichte mich von Georg eine SMS, die auf riesige Schlangen und lange Wartezeiten vorbereiteten. Also verlegte ich meine Ankunft kurzerhand auf die später. Dies sollte 8 Uhr werden. Ich fand eine ca. 50 m lange Schlange vor einer geschlossenen Tür wieder. Als ich mich nach Zeitpunkt der Öffnung erkundigte, öffnete sich selbige und nach nur 5 Minuten war ich drin. Nachdem ich Ray und Georg den Lagebericht durchgegeben habe, genoss ich die aufgehende Sonne im Tresor-Garten und schaute mir die Besucher an, die die Nacht schon überstanden hatten. Es sollte ein herrlich sonniger Tag werden. Gegen 10 Uhr kam Ray und kurz danach auch Georg. Freudiges Umarmen und anschließende Fachgespräche über Menschen, Maschinen, Mutationen ließen die Zeit verfligen. Ray und ich stärkten uns im Sony-Center mit lecker Australischem Wrap und chinesischen Spezialitäten. Gegen halb eins setzte Richie Hawtin seinen 2 Macs und 3 Plattenspieler in Bewegung und begann die euphorisierte Masse zu rocken. Abgesehen von den Tücken der Computertechnik gelang ihm ein Hammerset, dass keine Wünsche offen ließ. Während seines Sets musste ein Ventilator beschafft werden, weil die Rechner offenbar nicht ausreichend Kühlung bekamen. Wie auch, bei über 40 Grad Raumtemperatur und 99% rel. Luftfeuchte? Unter den Tanzwütigen tauchten u.a. Monika Kruse und Hardy Hard auf, die ebenfalls mächtig Spaß hatten. Ist mir so auch noch nie passiert. Gegen 17 Uhr übernahm Ricardo Villalobos das Ruder. Ray und ich waren aufgrund exzessiver Tanzakrobatik ausserhalb der Normalform und so entschieden wir uns, ein Eis in den Arkaden zu beschaffen und so den Tag allmählig ausklingen zu lassen. Nach der Stärkung habe ich dann noch eine letzte Runde durch die Hallen gedreht, die für mich immer die Leidenschaft und den Geist von Techno verkörpert haben. Seit 1994 habe ich dort so manche Nacht verbracht und wurde nie enttäuscht. Ein mulmiges Gefühl überkam micht, ein tiefes Durchatmen und ein “bye bye” – das waren meine letzten Sekunden im Tresor. Ray fand ich mit Anika und Sirko im Café wieder. Wir redeten och ein wenig und dann ging es zu Ray, zum Chinesen und nach Hamburg. Dort kam ich gegen 11 Uhr abends an und hatte den Eindruck, dass ein Teil von mir für immer im Tresor geblieben ist.
Danke Tresor-Crew für alles, was Ihr getan habt. Nur die, die dort waren wissen, welch großartige Leistung Ihr seit 1991 vollbracht habt. Wir sehen uns im Tresor Vol. 2!