…so lautet dieser Tage, anderthalb Monate vor dem Abbruch der Zelte in Deutschland, die Frage vieler meiner Freunde und Bekannten. Einst dachte ich, die Antwort würde ganz klar “ja” lauten. Aber beim genauen Nachdenken bin ich mir nicht so sicher, ob und vor allem wovor ich aufgeregt bin.
Momentan liegen die Reiseführer in sicherer Entfernung und werden höchstens zum Staubwischen bewegt. Da das Hinflugticket gebucht ist und das erste Reiseziel feststeht, ist für mich die Grobplanung erledigt. Aufregung vor dem Unbekannten, den fremden Kulturen gibt es also nicht.
Viel spannender ist für mich aber die Frage, wie gehe ich mit dem Verlust dessen um, was ich zurücklasse: die Wohnung, meine Lieblingsserien, uneingeschränkte Individualmobilität, meine Kollegen und Freunde sowie mein uneingeschränkter Internetzugang. Zudem kann kann ich nicht mal eben so in die Schanze fahren und die neuesten Platten auschecken oder mich Sonntag Morgen mit Freunden zum Brunch verabreden. Da wird es nur mich und meine Reisebegleitung geben. Acht Monate auf das zu verzichten, was mir lieb und teuer ist, stellt für mich die größte Herausforderung an dieser Reise dar und lässt mich derzeit richtig nervös werden.

Kommende Woche gehen die Vorbereitungen in Form von Probepacken und Wohnungsrenovierung in die nächste Runde. Der Abschluss der Impf-Reihe sowie die Einrichtung eines neuen Kontos stehen ebenfalls noch an.

5. November 2009

sony dsc-hx1
Da das menschliche Gehirn zuweilen und mit zunehmender Betriebsdauer die Eigenart hat, seine Speicherkapazität zu verlieren, gehört in das Reiseequipment eine ordentliche Kamera, auch Fotoapparat genannt. Und so gab ich mich in den zurückliegenden Wochen hin und mutierte zum Fotoanalyst, Mechaniker, Techniker, Optiker und Marktanalyst. Möchte man ein multifunktionales Allround-Talent – quasi die optische Wollmilchsau – dann kann man alles machen, ausser ins Fotofachgeschäft zu gehen. Dort, beim Fachhändler, bekam ich die dümmlichste Beratung ever. Aber das nur am Rande.
Ich habe mich bewusst gegen eine Spiegelreflex-Lösung entschieden. Dagegen sprachen drei Gründe: Gewicht, Preis, Handlichkeit. Belastet eine Spiegelreflexkamera mit seinen 2 Wechselobjektiven und knapp 2 Kilo meine Schultern, leert der Anschaffungspreis hingegen meine Taschen. Wie oft musste ich schon hastig ein Objektiv wechseln, um festzustellen, dass das Motiv verflogen war, als ich endlich “schußbereit” war.

Schnell landete ich auf meiner Expedition durch Zeitschriften, Webseiten, Foren und Preissuchmaschinen in der Klasse der kompakten Super-Zoom-Kameras, auch Bridge-Kameras genannt. Diese verbinden die Eigenschaften einer Spiegelreflex (manuelle Einstellung, Monster-Zoom) mit den Eigenschaften der kleinen Kompaktkameras.
Und so fiel mein Augenmerk schnell auf den Spitzenreiter in dutzenden Test. Please welcome die nur 500 g schwere Sony DSC-HX1. Das kleine Monster und ich werden in den nächsten Wochen eine Menge Zeit miteinander verbringen, um dann, wenn es drauf ankommt, ein eingespieltes Team zu sein.
Unsere gemeinsamen Ergebnisse werde ich von Zeit zu Zeit auch hier veröffentlichen.

5. November 2009

Wer reist hat Zeit für Dinge, die im zurückgelassenen Alltag evtl. nicht den Stellenwert besitzen. So kann man verstärkt Denken und Träumen oder aber Lesen. Funktionieren die ersten beiden Dinge ohne technisches Begleitmaterial, sieht es mit dem Lesen schon anders aus. Und so stellt sich die Frage, welche Literatur es wert ist, durch die Tropen getragen zu werden

Eine erste Buchempfehlungsliste habe ich bereits erhalten:

John Irving “Garp und wie er die Welt sah”
Aldous Huxley “Schöne neue Welt”
Jostein Gaarder “Das Kartengeheimnis”
William Golding “Herr der Fliegen”

Inzwischen befindet sich die “Schöne neue Welt” als lange vorgenommenes Werk bereits in meinem Besitz. Gibt es sonst noch Tipps, welches Buch ein “Must-have” auf einer Reise ist, bei der ich eine Menge Zeit haben werde?

In knapp 2 Monaten ist´s vorbei, das easy Living in Deutschland. Dann heisst es, die Routinen zu durchbrechen und jeden Tag auf ein neues zu erleben und zu überleben. Was liegt an, 60 Tage vor dem Point of no return?

Technik:
Da ich nicht vor habe, mich gänzlich aus dem Jetzt zu verabschieden, rüste ich auf dieser Reise etwas auf. Neben Musikabspielgerät soll auch ein geeigneter Rechner mit dabei sein. Ich habe mir als Ziel gesetzt, nicht mehr als 15 kg Start-Gepäck dabei zu haben. Aufgrund des Fassungsvermögens meines Tatonka-Rucksacks halte ich momentan Ausschau nach einem Netbook. 10,2″ schmeicheln nicht nur Füllvolumen und Gewicht sondern auch meinem Geldbeutel. Nur an Windows XP als OS muss ich Macianer mich erst wieder gewöhnen.
Visuelle Dokumentationshilfe, sprich Fotoapparate: Hier habe ich mich schweren Herzens gegen die Mitnahme meiner digitalen Spiegelreflex entschieden. Bringt das gute Stück schon mit Standard-Objektiv stolze 900g auf die Waage, darf ich mit Teleobjektiv nochmals mit 500g Zusatzlast rechnen. Ganz zu schweigen von den Kosten. Zwei neue Objektive meiner Wunschklasse würden mit über 1.000 EUR zu Buche schlagen. Also habe ich mich entschieden, mir eine kompakte Super-Zoom zuzulegen. Im Moment schwanke ich zwischen der FujiFilm FinePix S100FS und der Sony Cyber-Shot DSC-HX1.

Wohnung:
Der Vermieter wird mich demnächst besuchen, um meine recht üppige Mängelliste auf Berechtigung zu prüfen. Zum Glück steht mir noch etwas Resturlaub zur Verfügung, den ich mit einer Grundrenovierung der Wohnung verbringen werde, da ich meiner Untermieterin jeglichen Streß mit zu greller Farbe und evtl. geplatzten Heizkörpern vermeiden möchte. Ausserdem wird der ein oder andere Monteur Mitten am Tag um Einlass bitten.

Amtliches:
Auf dieser Seite ist es erstaunlich ruhig. Da die Tickets schon da sind, bedarf es keiner weiteren Recherche. Mein erstes Reiseland ist festgelegt, das Folgeland ist auch schon sicher und so beschäftige ich mich derzeit nur mit der Abwicklung meines Jobs. Das Arbeitsamt hat mich gerufen und so werde ich demnächst in den für mich zweifelhaften Genuß eines Besuchs kommen. Da ich nicht ansatzweise die Unterstützung des Amts bei der Findung einer neuen Tätigkeit nach meiner Rückkehr in Anspruch nehmen möchte, sehe ich dem Termin zwiegespalten entgegen.

Gesundheit:
Der geht´s gut. Ein Komplett-Check steht noch auf meinem Zettel und auch meinem Zahnarzt möchte ich noch einen Besuch abstatten, bevor mit ein Eingeborener in Borneo mit der Machete den Backenzahn entfernen muss. In zwei Wochen gibt´s zudem noch die finale Dosis Viren in Form der 3. Impfstufe.

Über das Thema Finanzen schreibe ich in Kürze.

28. Oktober 2009

Entzieht man sich nicht nur dem deutschen Arbeitsmarkt, sondern auch gleich noch dem Land an sich, stellt die gesetzliche Krankenversicherung recht schnell seine Dienstleistungsbereitschaft ein. Wer also längere Zeit im Ausland umherwandern möchte, der muss sich aus eigener Tasche gegen gesundheitliche Angriffe schützen.

Was einem im “normalen” Berufsleben nur schwer möglich ist – die Privatversicherung, wird bei meiner Reiseplanung zur Pflicht: So stand ich vor der Entscheidung, welcher privaten Auslandskrankenversicherung ich für die Reise mein Geld und Vertrauen schenken soll. Dank meiner Reiseroute, die mich nicht durch Nordamerika und Kanada führt, kann ich mit einen Tagessatz i.H.v. einem Euro ein recht umfangreiches Leistungspaket in Anspruch nehmen. Neben Chafarztbehandlung, notwendiger und sinnvoller Behandlungsmethoden und Rückführung findet sich selbst eine Kaution im Leistungsumfang. Der gesamte Versicherungsbetrag muss vorgestreckt werden. Nach meiner Ankunft erhalte ich gegen Vorlage des Flugtickets jedoch die zuviel gezahlten Tage erstattet. Dennoch hoffe ich, dass ich eben jene knapp 200 Euro umsonst ausgebe!

Hinweis: Aus Gründen der Werbung habe ich den Namen der Versicheurngsgesellschaft bewusst unerwähnt gelassen.

18. Oktober 2009

Wenn man sich auf eine so lange Reise vorbereitet, wie wir das gerade machen, trifft man plötzlich ganz andere Entscheidungen bei der Wahl des richtigen Equipments, als man das bei vorherigen Reisen gemacht hätte. Plötzlich machen wir uns verstärkt Gedanken über Zuverlässigkeit, Packmaß und Gewicht. Manches Equipment möchten wir halt nicht unterwegs verschrotten oder uns mit der Neubeschaffung beschäftigen. Neben geeigneter Technik bei Beleuchtung und Kocher spielt die richtige Kleiderwahl eine große Rolle. T-Shirts, soviel ist klar, werden in Asien gekauft. Aber die Funktionselemente wie Schuhe, Hosen, Jacken – insbesondere die für die kühleren Reiseregionen – sollen aus Deutschland mit auf die Reise gehen. Wir sind somit aktuell auf der Suche nach geeignetem Equipment. Und prompt beweist Jack Wolfskin wie man im digitalen Zeitalter potentielle Kunden als Zielgruppe verliert.

Heute Morgen macht die Nachricht die Runde, dass Jack Wolfskin “Tatzen-Motiv”-Anbieter abmahnt. Es geht ausdrücklich nicht nur um Wolfstatzen-Nachahmer. Auch Katzen-Tatzen-Vertreiber wurden durch die von Jack losgehetzten WölfeAnwälte abgemahnt. Da haben wir Glück, dass unser Hasen-Tatzen-Motiv noch auf der lokalen Festplatte geblieben ist.

Weil es sich mit meinem Rechtsverständnis nicht vereinbaren lässt, teure Kleidung von Firmen zu kaufen, die willkürlich Privatpersonen und Kleinunternehmer scheinheilig abmahnen, bleiben die Waren von Jack Wolfskin im Geschäft hängen. Ich hoffe nicht, dass Mammut, Tatonka, Lowa und Trangia das Nacheifern bekommen, sonst muss ich mir alles drüben in Asien kaufen.

16. Oktober 2009

lp_tibet_laos


Heute zeichnen sich für Euch da draußen die ersten Anzeichen für eine Reiseroute ab. Amazon brachte uns unsere Standard-Lektüre für Globetrotter. Der Lonely Planet begleitete uns bereits auf jeder unserer zurückliegenden Reisen und leistete dabei hervorragende Dienste. Ich habe mal gesagt, mit dem Buch ist man schon am Ziel bevor man losgefahren ist. Die sehr gute, lockere Schreibweise und die reichhaltigen Tipps & Tricks machen das Vorankommen in der Fremde deutlich leichter.

Nun also stehen Laos und Tibet auf unserer Reiserouten-Liste. Die Reihenfolge ist momentan noch recht unklar, wobei Laos wohl das erste Land sein wird, dass wir nach unserer Landung in Bangkok aufsuchen werden. Erfahrungen von Freunden lassen uns ein ruhiges, besinnliches Land erwarten, in welchem wir entspannt mit der neuen Art von Freiheit umzugehen lernen können.

Organisatorisches und politisches Highlight dürfte Tibet werden. Ich habe überlegt, ob ich vorab überhaupt darüber schreiben sollte. Nicht dass noch ein chinesischer Botschaftsangestellter das liest und uns das Visum verweigert. In Anbetracht der schwierigen Einreisesituation ist das ja nicht ganz unbegründet. Wie wir den Sprung nach Tibet schaffen wird uns das Internet und der Lonely Planet schon zeigen. Ob wir wirklich auf dem Dach der Welt landen, wird man sehen und dieses Blog bekannt geben.

Jetzt heißt es für uns, Tee kochen, Heizung an und Reiseführer lesen.

10. Oktober 2009

pointit

Besser als jedes Fremdsprachen-Wörterbuch. Und auch viel einfacher zu bedienen: Point it: Traveller’s language kit. Bildwörterbuch

Fragt man mich, wo und wie ich das alte Jahr beende und das neue begrüße, kann ich selbst am Abend des Jahresendes meist nur achselzuckend sagen, dass sich schon was ergeben wird. Silvester ist – abgesehen von dem Rumgeknalle und den Alkoholmissbrauchern- ein Abend wie jeder andere. Meistens trifft man sich mit Freunden zum “Sit-In”, spielt was zusammen und sieht im TV aufgezeichnete Unterhaltungsshows bei denen die Crowd mitten im Sommer Silvesterstimmung verbreiten musste.

In diesem Jahr wird aber alles anders. Heute, drei Monate vor dem Jahresende, weiß ich schon sehr genau, wo ich sein werde. Seit gestern unsere Hinflug-Flugtickets eingetroffen sind steht fest: Silvester 2009/2010 feiern wir an Bord eines Jumbos auf dem Weg nach Bangkok. Ab Berlin Tegel geht´s mit Air Berlin los. Wie sich die Zeremonie an Bord darstellt, wird spannend. Ich mutmaße, dass ich das Tischfeuerwerk zuhause lassen sollte.

Also, was machst du diesen Silvester?

Heute rief mich eine Mitarbeiterin von meiner Krankenkasse an. Ich habe beim Einreichen meiner ersten Impfrechnung vergessen anzugeben, welche Länder ich bereisen werde. Die Kasse erstattet mir die Beträge jedoch nur, wenn die Infusionen – und dabei handelte es sich im ersten Impfgang quasi – notwendig sind.

Dank der Webseite des Auswärtigen Amtes und der Beratung im Impfzentrum Hamburg wusste ich, dass mein Körper mit allerlei Impfstoffen gefüllt werden muss. So illustre Erreger wie Hepatits A und B, japanische Enzephalitis, Tollwut, Keuchhusten, Typhus, Gelbfieber, Tetanus und Poliomyelitis kämpfen jetzt gegen meine Abwehr. Der erste Impfgang, der nur ein paar meiner neuen Freunde unter meine Haut beförderte, schlug mit einer halben Monatsmiete zu Buche. Nicht verwunderlich, dass die Krankenkasse den Sinn der Übung hinterfragt.

Ich konnte mir den Spruch nicht verkneifen, sie zu fragen, ob sie genug Platz auf ihrem Formular hat, bevor ich anfing, ihr alle Länder aufzuzählen, die ich zu bereisen beabsichtige. Bereits bei Land Nummer 5 unterbrach sie mich und fragte, ob ich nicht noch einen Reisepartner suche. Ich verneinte. Hab ja schon einen!

Einige Länder später wünschte sie mir eine Gute Reise – und ich wünschte mir schnell das Geld auf meinem Konto (was ich aber nicht laut aussprach).

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