6. März 2010

Die frohe Botschaft erreichte mich via Telefonat aus Deutschland. Ich habe gewonnen. Mein erster gerichtlich angestrebter Prozess wurde mit einer klaren Verurteilung des Angeklagten zu meinen Gunsten beendet. Dabei ging es um weitreichende politische-soziales Einschnitte. Und ich war nicht alleine. Mit mir haben knapp 35.000 Mitkläger in der Verhandlung “gesessen”.

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe beschloss am Dienstag, dem 2. März 2010, in einem Urteil, dass das Gesetz zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung gegen das deutsche Grundgesetz verstößt und somit verfassungswidrig ist. (Quelle: Netzwelt)

Zur Verdeutlichung: Dank des Engagements von einer deutlichen Minderheit deutscher Bürger hat der oberste Gerichtshof festgestellt, dass ein verabschiedetes Gesetz unserer Bundesregierung nicht mit unserem Grundgesetz vereinbar ist.

Viel erschreckender als das Versagen unserer Abgeordneten, finde ich die Reaktionen, die ich in Gesprächen mit Mitmenschen zur Zeit der Beteiligung an der Sammelklage erleben musste. Eine kleine Gruppe wusste um die Bedeutung der geplanten Eingriffe, die Mehrheit interessierte sich jedoch einen feuchten Dreck kaum für die Eingriffe in ihre Privatsphäre. Manche diskutierten mit mir sogar darüber, dass sich mein Engagement eh nicht lohnt, da man als Einzelner doch nichts bewegen kann.

Beobachtet man die Reaktionen aus Brüssel, wird die Tragweite der Entscheidung in Karlsruhe klar:  die EU-Justizkommissarin kündigte an, die maßgebliche EU-Richtlinie, die für die deutsche Gesetzgebung ausschlaggebend war, zeitnah zu überprüfen. Es bestehe die Gefahr, dass die Richtlinie “jedermanns Grundrecht auf Privatsphäre einschränkt” und daher mit der verbindlichen EU-Grundrechtecharta nicht vereinbar ist.

Ich gebe zu, dass es mich ein wenig stolz macht, Teil derer gewesen zu sein, die diese Entwicklung zu verantworten haben.

Um die Diskussion um die GEZ-Abgabe auf´s Internet noch etwas ad absurdum zu führen, erhielt ich heute, als ich mir den Jahresrückblick in der ZDF-Mediathek ansah, szenenweise folgende Werbeeinblendung:

zdf_internetsperre

Und solange ich sowas noch sehe, braucht mir kein staatliches Zentralorgan mit Zusatzgebühren um die Ecke zu kommen.

Die Türkei möchte EU-Mitglied werden. Seit Jahren buhlen Politiker um die Gunst der Befürworter. Händeschütteln, große Gesten und Zugeständnisse von beiden Seiten sind an der Tagesordnung, wenn es um den baldigen Beitritt geht.

Jetzt, so scheint es, hat die Türkei plötzlich ihr Ziel aus den Augen verloren und orientiert sich an Staaten wie Iran, Irak und Afghanistan. Die Türkei will nicht mehr in die EU? Anders kann man die neuen Beschlüsse der staatlichen Internet-Technologiebehörde BTK nicht deuten.

„Anaposta“, so der Name des Projektes,  sieht vor, dass Neugeborene in der Türkei eine staatliche Email-Adresse mit zehn Gigabyte Speicherplatz erhalten, die auch in den Ausweis eingedruckt wird. Die restliche türkische Bevölkerung wird nach und nach mit der staatlichen Email-Adresse ausgestattet.  Die Idee, diese E-Mail als Kommunikationsmittel für Behörden und andere staatliche Orange zu nutzen, mag auf den ersten Blick ein Schritt in die Zukunft zu sein. Doch die Idee hinter dieser E-Mail ist ein Schritt ins Mittelalter, denn die Türkei stört sich zunehmend daran, dass der Mailverkehr über Server im Ausland läuft. Laut BTK Chef Tayfun Acarer ist dieser Umstand nicht hinnehmbar. Yahoo, Google oder andere Mail-Dienste werden laut Acarer zukünftig nicht mehr genutzt.

Damit ist zu befürchten, dass die Türkei die “Zwangs-Adresse” gezielt zur systematischen Einschränkung der Informations- und Meinungsfreiheit und dem Recht auf Selbstbestimmung einsetzen wird. Ob und wie unsere Regierung diese drastische Zensur interpretieren wird, bleibt abzuwarten.

3. Dezember 2009

…dieses neue 10″ NetBook Pro von Apple stand heute auf meinem Schreibtisch.

netbookpro

Leider war es nur ein Traum.

3. Dezember 2009

Heute versammelten sich knapp 250 aktive Twitter-Nutzer in der Rösterei im Levantehaus in Hamburgs Zentrum, um zum zweiten Mal im Rahmen der TwittNite rund um das Medium Twitter & Web 2.0 zu diskutieren & philosophieren.

Acht Referenten berichteten in 5minütigen Stand-Ups über ihre Erfahrungen rund um Twitter. Im Anschluß eröffneten sich bei Speis und Trank zahlreiche Möglichkeiten alte und neue Bekannte zu treffen oder kennen zu lernen.

Als Phänomen des Online-Treffens in der Offline-Welt zeigte sich mir als Nutzer eines nicht-twitterfähigen Handys die fehlende Möglichkeit, die aus der Onlinewelt bekannten Gesichter in der Wirklichkeit zu begegnen. Dank old-schooliger “@twitter-username”-Zettel gelang es mir dann aber doch das ein oder andere Gesicht wieder zuerkennen und den dazugehörigen Menschen zu begrüßen.

Als Manko eines offenen Meetings scheint sich ein hoher Drang zum Networken mit mangelndem Interesse an den Referenten zu paaren, der in seiner Konsequenz zu z.T. undurchdringbarem Stimmengewirr und Übertönen des Vortragenden führte. Hier kann man sich zukünftig für a) eine dickere Stereoanlage oder b) rücksichtvolleres Verhalten und Respekt entscheiden.

Dennoch ist die TwittNite eine spannende Veranstaltungsreihe, die einen Besuch lohnend macht – egal ob Profi-PRler oder Hobby-Tweeter.

Hier ein paar Eindrücke aus der Rösterei:

TwittNite

TwittNite

TwittNite

TwittNite

TwittNite

TwittNite

15. November 2009

Das war es also, mein erstes Barcamp. Mein Arbeitgeber OTTO stellte erneut seine Räumlichkeiten zur Verfügung, um 400 registrierten Webworkern eine Plattform zu bieten, um locker, ungezwungen und kreativ Know-How zu tauschen. Gesundheitlich konnte ich leider nur dem 2. Tag der Veranstaltung persönlich beiwohnen. Obwohl mir die Räumlichkeiten von meinem Arbeitsalltag bekannt sind, fühlte es sich jedoch sehr abstrakt an, mich plötzlich in der Freizeit dort in einem ungezwungenen Rahmen wiederzufinden. Schnell kam man beim Frühstück mit anderen Besuchern in Kontakt und tauschte sich über Motivation, Kenntnis und Erkenntis aus. Dank sehr guter WLAN-Abdeckung und 90%iger Laptop/iPhone-Ausrüstung der Besucher kommunizierte man nicht nur offline sondern auch online. Und so meldeten sich via Twitter unbekannte Bekannte, die ich endlich auch in der realen Welt treffen konnte. Eine völlig neue Erfahrung!

Im Mittelpunkt des Barcamps standen wie üblich die sog. Sessions, 30minütige Panels in denen man zuhören, diskutieren und agumentieren kann. Leider kann man sich bei der Fülle an interessanter Sessions nicht teilen. Ich traf die Qual der Wahl und war bei folgenden Panels dabei: Wireframes – was sind WF etc. / Was ist Google Wave? / Affiliate Marketing – alles Betrug oder was? / E-Commerce im Wandel – Trends & co.Lawblog – Technik, Wordpress etc.. Interessiert hätten mich noch die zeitgleich angebotenen Sessions Onlineshop gründen – was beachten? / Oxid vs. Magento / Facebook Connect. Um die Produktivität der Session zu erhöhen, würde ich mir die Protokollierung – wie von Business-Meetings bekannt – wünschen.

Fazit: Ein Barcamp ist für all jene mit persönlicher und/oder geschäftlicher Motivation im New-Media/Online-Segment eine Pflichtveranstaltung. Das “nerdige” Grundrauschen verschwindet aufgrund der bunten Mischung unterschiedlicher Motivationen recht schnell und so bleiben spannende Kontakte und neue Erfahrungen hängen. Wie pflegte ein Chef von mir zu sagen: Kommst du mit einer Idee von einem Kongress wieder, war dein Besuch erfolgreich. Dann war das Barcamp für mich ein voller Erfolg.

Hier einige Eindrücke vom Ort des Geschehens:

DSC00589
Kulinarische Höchstleistungen erbrachte das Kochwerk von OTTO.

DSC00606
The Great Twitterwall, zeitweise mächtig offline.

DSC00603
Session-Board offline. Das Session-Board online gab´s hier

DSC00599
Vorstellungsrunde der Session-Initiatoren

DSC00590
Netzwerken

DSC00621
Florian Holzhauser plaudert über seine Erfahrungen als Admin des LawBlogs.

21. Oktober 2009

“Virtuality meets Reality” konnte man heute Abend im Layback meinen. Die erste Twittnite lud allerlei Volk in das Layback nach Hamburg ein. Im Focus – wie der Name verrät – stand Twitter. Im weitesten Sinn Synonym für das, was es als neue Strömungen im Netz gibt. Neben Kurzvorträgen, die sich allesamt um die individuelle, business-orientierte Nutzung der Applikation drehten, stand das Face-2-Face-Netzwerken im Vordergrund.

Sehr spannend zu erleben war die offensichtliche Vernetzung von realer und digitaler Welt. Da wurde parallel zum Gespräch das Gegenüber per mobiler Device “gecheckt” und ggf. gleich gefollowed. Selten trifft man auf Menschen, die Online und Offline so konzentriert und begeistert verzahnen. In diesem sehr angenehmen Rahmen ist derartiges Verhalten sogar recht amüsant, im normalen Tagesablauf würde mir das befremdlich vorkommen.

Zweifelsfrei das Highlight des Abends: Roland Kühl-von Puttkamer berichtet, wie er die letzten Tage des durch seinen werbeblogger.de-ausgelösten Jack-Wolfskin-Abmahn-Diss erlebt hat.

Fazit: Eine sehr spannende Veranstaltung, der es sehr gut gelingt, den Bogen aus Nerd-Kultur, Business, Privatem und Persönlichem zu spannen. Ich freue mich auf die nächste Twittnite am 02.12.2009.

16. Oktober 2009

Die Wiederbelebungsmaßnahme der deutschen Blog-Landschaft geht in die 2. Runde. Kai vom Style-Spion hatte bereits Anfang des Jahres die Idee, dass man seinen Bloglesern 5 interessante Blogs näher bringt, um so etwas Bewegung im eigenen Feedreader auszulösen. Die Aktion fand riesige Resonanz und so war es nur eine Frage der Zeit, bis sich Teil II ankündigte. Heute ist´s wieder soweit und ich öffne für dich meinen Feedreader und verrate dir, wo ich super-gerne unterwegs bin.

herz_1song

1 Song/day

An sich kein klassisches Blog in dem sich der Schreiber zu unterschiedlichen Themen äußert. Vielmehr ist 1song/day eine Fundgrube für phantastische Songs, die ich z.T. viele Jahre nicht mehr gehört habe oder noch gar nicht kannte. Die elektronische Ausrichtung der Musikauswahl kommt mir dabei sehr gelegen. 1song/day liefert meine täglichen 4 Minuten garantieren Zufriedenseins.

herz_osocio

osocio Weblog

“Social advertising and non-profit campaigns from around the globe” – ist der Untertitel des Blog. Da mühe ich mich nicht ab, um eine andere Formulierung zu finden. Ich verfolge dieses Blog bereits sei ca. 2 Jahren. Es gräbt beeindruckende Werbung und Aktionen aus, die auf die sozialen und umweltrelevanten Missstände aufmerksam machen. Ich bin stets beeindruckt mit welche aufwändigen Spots Umwelt- oder Menschenrechtsorganisationen für ihre Belange eintreten. Osocio ist mein tägliches Stück Wachrütteln und Augenöffnen.

herz_prankster

Urban Prankster

Die Stadt lebt. Urban Prankster spottet “pranks, hacks, participatory art, flash mobs, and other creative endeavors that take place in public places in cities across the world.”. Wenn Menschen beginnen den urbanen Lebensraum auf ihre eigene, kreative Art zu nutzen, kommen meist beeindruckende Aktionen dabei heraus. Wer Flashmobs mag, dem bietet Urban Prankster den geeigneten Aggregator. Urban Prankster ist mein tägliches Stück Rebellion gegen Normen.

herz_reel

Showreelarchive

Was gibt es geileres (verzeiht den Ausdruck, aber is´doch wahr!) als sich die Showreels von Künstlern aller Couleur anzusehen. Geballte Kreativität in opto-akkustischer Synerie. Wie ein kleines Kind sitzt man da vor seinem Bildschirm und bekommt den Mund nicht mehr vor Staunen zu. Das Showreelarchive sammelt eben jene Präsentationsfilme und stellt damit einen Ort erstklassiger modern Art dar. Showreelarchive ist meine tägliche Ration Kreativität.

herz_xfuckerx

XFuckerX

Flo Hauck sammelt in seinem Blog diverse Themen moderner Netz- und Lebenskultur und trifft dabei meinen Geschmack sehr gut. Er legt sich – ähnlich wie ich – nicht auf ein spezielles Thema fest, sondern schreibt, was ihm gefällt. Das Layout der Seite gefällt mir sehr gut und auch der sehr prekär gewählte Name zeugt von Mut zum Anders sein. XFuckerX ist mein täglich Ausflug nach Süddeutschland.

Die taz vermeldet heute:

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat seit Inkraftreten der BKA-Novelle am 1. Januar keine einzige Online-Durchsuchung durchgeführt. (…) Das BKA habe auch keinen entsprechenden Antrag bei Gericht gestellt. “In Zeiten der terroristischen Bedrohung halten wir die Online-Durchsuchung dennoch für ein unverzichtbares polizeiliches Instrument”, sagte der BKA-Sprecher.

(via fefe)

Seit 9 Monaten sind die Provider zur umfangreichen Datenspeicherung gesetzlich verpflichtet. Diese Speicherung kostet die Provider (und damit irgendwann auch uns Konsumenten) einiges:

Der VATM errechnet 50-75 Millionen Euro Kosten allein für erforderliche Hardware, der BITKOM schätzt dieselbe Zahl für reine Telekommunikationsanbieter “also ohne reine Mailanbieter etc.” Der eco findet das alles viel zu niedrig und errechnet mindestens 332 Millionen Euro für die Internetwirtschaft.

(netzpolitik)

Da steht in den deutschen Rechenzenten also eine milliardenteure Infrastruktur und kein BKA nutzt sie.

Was also muss noch passieren, damit das als so unbedingt notwendig erachtete Gesetz auch in der Realität angewendet wird? Oder kann es sein, dass sich so langsam zeigt, dass der “Terror” nur ein Vorwand war, die Volks-Bespitzelungsmöglichkeiten durch den Staat per Gesetz zu ermöglichen?

Dabei müsste doch gerade jetzt das BKA auf Hochtouren arbeiten und Eilanträge zur Anwendung der Datenabfragen einreichen, denn die Chronik der terroristischen Bedrohung Deutschlands spricht dafür:

zuletzt inspiriert

verlinkt

bloggerei.de - deutsches Blogverzeichnis Bloggeramt.de frisch gebloggt Das Blog Verzeichnis Blog Top Liste - by TopBlogs.de BlogPingR.de - Blog Ping-Dienst, Blogmonitor blogoscoop blogtotal