Die Videoplattform Youtube soll im Jahre 4 seines Bestehens seinen Betreibern neben Klagenauch Geld einbringen. Auch wenn Youtube inzwischen die sechsgrößte Internetpräsenz ist und minütlich um 13 Stunden Filmmaterial anschwillt, so bewegt sich deren Inhalt doch weitestgehend im rechtsfreien Raum. Dicht gefolgt von sinnfreien Inhalten.
Dass Youtube aber einen festen Platz im Netz des 21. Jahrhundert hat, zeigen Deutschlands Vorzeige-Gangster-Rapper aus Berlin. Bushido und Sido sind nämlich nicht nur unheimlich real und dissen sich und ihre Mütter, wie es sich für echte Rapper mit Inhaltsanspruch gehört, sondern nutzen dafür Youtube als Plattform, ihre Botschaften auszutauschen. Bushido disst Sido und Sido disst Bushido.
Hier hört man keinen Ruf nach finanzieller Entschädigung. Hier geht es um Werbung. Und da Werbung bekanntlich teuer ist, ist Youtube in diesem Fall recht und billig, kostenfrei Millionen potentielle Fans zu erreichen und den eigenen Kultstatus kostenfrei aufzubauen.
Auch wenn der intelligenz- und geschmacksbelegte Musikkonsument über derartige Aktionen den Kopf schüttelt, machen die beiden aus meiner Sicht vor, was anderen wieder zu fremd erscheint: sie machen sich das Medium Internet und Youtube zu Nutze. Sie steuern es so, dass ein maximaler Gewinn für sie herausspringt.
Kommen wir nochmals auf die millionenfach illegal hochgeladenen Inhalte zurück. Die Film- und Fernsehindustrie beschwert sich, dass ihnen wieder einmal nicht nachweisbares Geld durch die Fingel geht. Das haben wir ja vor ein paar Jahren schonmal gehört. Die alte Leier. Diesmal jedoch mit dem Unterschied, dass ich mich ernsthaft frage, wie die Verantwortlichen darauf kommen, dass irgendjemand ernsthaft das Geschäft schädigt, wenn er sich Filmausschnitte auf Youtube anschaut. Selbst die High-Quality hat mit hoher Qualität nur den Namen gemeinsam. Während die MP3-Dateien ohne klanglichen Verlust raubkopiert werden und nachvollziehbaren Schaden anrichten, kenne ich niemanden, der sich per Youtube-Schnipsel einen ganzen “James Bond” zusammenschneidet. Viel eher kommt man auf die Idee, sich die DVD, soweit sie existiert, zu bestellen. Den Beweis, dass nicht das Entfernen von Inhalten der Ausweg ist, zeigen Monty Python mit ihrem werbefinanzierten Kanal, die Videoausschnitte in sehr guter Qualität online stellen:
Diese und andere Videos seien völlig kostenlos zu sehen – eine Vorstellung, mit der sich die mittlerweile fünf verbliebenen Komiker zunächst gar nicht anfreunden konnten, wie dem Promotion-Videozu entnehmen ist. Die YouTube-Nutzer können aber auf Links zum Online-Händler Amazon klicken und dort Monty-Python-DVDs erwerben. Das Ergebnis könne sich sehen lassen, heißt es auf Python Online, die DVD-Verkäufe seien um 16.280 Prozent gesteigert worden. Die DVD The Complete Monty Python’s Flying Circus 16-Ton Megaset sei in der Amazon-Rangliste um 740 Plätze nach oben gestiegen und nehme nun Platz 5 ein. (Quelle: heise)
Dennoch gibt es Paradebeispiele für gestriges Gedankentum. Während es vom Musik-Marktführer Universal Music Ende des Jahres hieß, man sei hochzufrieden über die jährlich fließenden mehrere Dutzend Millionen Dollar aus Online- Werbeeinnahmen, scheitertenVerhandlungen mit dem Konkurrenten Warner Music vorerst an unterschiedlichen Preisvorstellungen. Die Folge: Videos zum Beispiel von Madonna mussten YouTube verlassen. Als Folge dieser altertümlichen Vorstellung von Marketing, Werbung und Kundenaquise “geht YouTube inzwischen auch härter mit den eigenen Anwendern um. “Wer drei Mal gegen die Regeln verstoßen hat, fliegt raus”, erläutert Wiseman die “3-Strikes-Out”-Politik von Google. ” (Quelle: heise)
Und so kann man sagen, dass selbst unsere deutschen Mittelstand-Rapper aus Berlin erkannt haben, wie man seine jugendliche Zielgruppe erreicht: mit gefaktem Gangster-Style und Youtube.