petitionen

Bis zum 16.06. hat jeder halbwegs bei Verstand seiende Internetnutzer die Möglichkeit, seine Stimme gegen die obskuren Ideen der Bundesregierung in Bezug auf die Sperrung von Internetseiten zu erheben. Ich habe an dieser Stelle meinen Unmut über diesen Wahnsinn bereits geäußert.

Was ist eine Petition: “Eine Petition (lat. petitio „Angriff“, „Ersuchen“) bezeichnet eine Eingabe (Bitte oder Beschwerde) an eine zuständige Behörde oder an eine Volksvertretung. Es handelt sich meist um Bitten von Bürgern an Parlamente, Gesetze zu ändern bzw. zu beschließen.” (Quelle: Wikipedia)

Text der Petition
Wir fordern, daß der Deutsche Bundestag die Änderung des Telemediengesetzes nach dem Gesetzentwurf des Bundeskabinetts vom 22.4.09 ablehnt. Wir halten das geplante Vorgehen, Internetseiten vom BKA indizieren & von den Providern sperren zu lassen, für undurchsichtig & unkontrollierbar, da die “Sperrlisten” weder einsehbar sind noch genau festgelegt ist, nach welchen Kriterien Webseiten auf die Liste gesetzt werden. Wir sehen darin eine Gefährdung des Grundrechtes auf Informationsfreiheit.
Begründung
Das vornehmliche Ziel – Kinder zu schützen und sowohl ihren Mißbrauch, als auch die Verbreitung von Kinderpornografie, zu verhindern stellen wir dabei absolut nicht in Frage – im Gegenteil, es ist in unser aller Interesse. Dass die im Vorhaben vorgesehenen Maßnahmen dafür denkbar ungeeignet sind, wurde an vielen Stellen offengelegt und von Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen mehrfach bestätigt. Eine Sperrung von Internetseiten hat so gut wie keinen nachweisbaren Einfluß auf die körperliche und seelische Unversehrtheit mißbrauchter Kinder.

(Quelle: ePetition des deutschen Bundestages)

Klicke hier, um dich auf die Zeichnerliste zu setzen und so aktiv gegen den systematischen Abbau von demokratischen Mechanismen deine Stimme zu erheben!

Du musst dich nur mit Namen und Anschrift registrieren lassen. Wirst du jetzt stutzig, ob du wirklich deine Daten hinterlassen solltest oder ob du mit Repressalien rechnen musst, dann merkst du, wie weit dich der Staat evtl. schon eingeschränkt hat in deinem Grundrecht auf freie Meinungsäußerung. Denkt drüber nach!

Nein, wir schreiben hier jetzt nicht wie unheimlich witzig der Oliver Pocher ist, wenn er behauptet, Berlin ohne Türken sein ruhig, sicher und sauber. Viel, viel komischer ist das, was unsere gewählten Volksvertreter, namentlich verantwortlich Ursula von der Leyen, in dieser Woche für einen Riesenwitz vom Stapel haben laufen lassen.
Um den illigal tätigen Kinderpornografen das Handwerk zu legen, beschlossen sie ein Gesetz zur systematischen Zensur des Netzes. Die Einzigen die laut darüber lachen können, sind wohl die Kinderficker selber. Wissen sie doch, dass für sie keine Gefahr vom geistigen Vakuum der Leyen ausgeht. Einmal mehr zeigt sich eindrucksvoll, wie sehr die aktuelle Regierung mit den neuen Technologien intellektuell überfordert ist.

Warum?
Ursula von der Leyen sagte publikumswirksam: “Nur versierte Internet-Nutzer mit krimineller Energie können künftig Sperrungen von Seiten umgehen.” (Quelle)
Und so sieht das dann aus -- in 27 Sekunden!

Und das, liebe Ursula, kann selbst mein 70jähriger Vater -- und, hey, der ist definitiv nicht kriminell! Super Ursula, du unterstellst also 90% der Internetnutzern kriminelle Energie. Deine Wiederwahl ist verdammt fraglich!

Kleiner technischer Exkurs:
Eine Internetadresse, sagen wir mal “www.hasen-farm.de” ist erstmal nichts anderes, als eine Aneinanderreihung von 4 Zahlenblöcken. Z.B. 123.43.79.05. Da sich ja kein Mensch die ganzen Nummernblöcke merken kann, wenn er im Netz surft, lösen so genannte DNS-Server diese Zahlenkolonnen auf. Dank ihrer Hilfe kann man www.hasen-farm.de eintippen und landet auf dem Server 123.43.79.05 -- ohne das man es merkt.
Nun gibt es aber nur eine handvoll Nameserver. Die Bundesregierung hat beschlossen, dass kinderpornografische Seiten durch DNS-Server bei einem Zugriffsversuch gesperrt werden. Klingt logisch: Die Verknüpfung von Name und Zahlenblock (siehe oben) wird z.B. bei www.kinderporno.de auf dem DNS zerbrochen. Somit ist die Seite nicht erreichbar. Da aber nicht alle DNS-Server in Deutschland stehen, wird´s mit der Umsetzung etwas schwierig.
Will man diesen tricky Versuch der Regierung umgehen, gibt man schlicht und einfach einen anderen DNS-Server ein. Der (evtl. im Ausland) stehende Server löst die Zahlenblöcke korrekt auf und schwups landet man auf der gesuchten Seite. Das ist noch nicht mal illegal und wie im o.g. Video zu sehen, in Sekunden zu schaffen.
Diese Beschreibung ist sehr vereinfacht, aber sie soll zeigen, wie “wirkungsvoll” diese Sperre ist.

Ich sehe schon den Frist-Level-Support-Angestellten von “Timbuktu-Online”, wie er verdutzt guckt, wenn am Telefon die Stimme erklingt: “Hello, my Name is Uschi von der Leyen und I want you to ausmachen die Webseite www.uschi-nackt.co.tb”. Der muss anschließend seinen Bildschirm putzen, weil ihm vor Lachen der Speichel draufgeflogen ist.

Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass mit dem neuen Gesetz gleichzeitig die Unschuldvermutung aufgehoben wurde und der willkürlichen Zensur in Deutschland Tür und Tor geöffnet wurde. Und darum:

BUNDESREGIERUNG 2009: FAIL!!!

Quellen:

Spreeblick streikte am heutigen Tag. Eine großartige Aktion, die ein beeindruckendes Ergebnis erzielt hat: Mobilisierung von Massen. Und was für Massen.
Sah die Stimmenliste der Mitstreiter am frühen Morgen noch so übersichtlich aus, dass man bequem seinen Standort lokaliseren und ein Fähnchen in die virtuelle Straße rammen konnte, sah die selbe Karten Abends so aus:

spreeblickmap
(C) Google

Die Fähnchen auf dem Ozean sind nicht etwa die Meinungsäußerungen sowjetischer U-Boot-Besatzungen, sondern die Wortmeldungen jener, die ihr Fähnchen einfach nicht mehr in den schwarzen Fleck, Deutschland, bekommen haben.

Und darum geht es:

Von Laien regiert

Spreeblick befindet sich heute im demonstrativen Streik.

Am heutigen Tag, dem 22. April 2009, hat das Bundeskabinett ein Gesetz zur Sperrung von Websites beschlossen, die Kinderpornografie darstellen oder anbieten. Wir unterstützen die Bundesregierung in ihrem Bestreben, dem Missbrauch von Menschen und speziell Kindern ein Ende zu bereiten, bezweifeln jedoch auf Grundlage vieler Expertenmeinungen, dass dieses Bestreben der wahre Grund für die angekündigten Sperrungen ist.

Die geplante technische Umsetzung auf Basis von Sperrlisten halten wir für laienhaft, wirkungslos und unter Umständen kontraproduktiv. Wir fordern die Bundesregierung auf, die durch die Listen offensichtlich bekannten illegalen Websites zu schließen und ihre Urheber bzw. Betreiber strafrechtlich zu verfolgen. Wir lehnen Internetsperren ab, die ob ihrer Intransparenz und technischen Zweifelhaftigkeit eine Gefahr für die Demokratie in Deutschland sind. Wir fühlen uns durch die von Fachleuten wiederholt in Frage gestellten Zahlen und Fakten, die das Familienministerium kommuniziert, als wählende Bürger belogen.

Wir halten Wahlkampf-Taktiken und politischen Populismus für äußerst unangemessen, wenn es um die Bekämpfung des Verbrechens der Gewalt an Minderjährigen gehen soll.

Quelle des Zitats: Spreeblick

Einen interessanten Querschnitt ergaben die Wortmeldungen der eingetragenen Protestler. Hier ein winziger Auszug aus vielen Hundert, der zeigt, wie die Nutzer eben jenes Netz, die staatlichen EIngriffe beurteilen:

  • kaos: “ich könnte gar nicht so viel essen wie ich kotzen möchte”
  • Peeeeeee: “Ich finde es unglaublich, dass die Sperrungen und das Speichern der Nutzerdaten wirklich in die Tat umgesetzt wurden… Das ist eine Gefahr”
  • Lars Schalnat: “Freies Internet für Freie Bürger.”
  • Rene Kwekkeboom: “Unglaublich was dich da oben machen, aber fein zu sehen, dass es so großen Widerstand gibt”
  • Dennis Lalla: “Kampf gegen Kinderpornos ist wichtig. Aber weg sehen hilft da nix und nichts anderes macht ihr. Und Zensur ist das auch noch.”
  • Alex: “Das Internet darf nicht zensiert werden!”
  • KAI: “China wir kommen”
  • Engywuck: “Wann ist diese Legislaturperiode endlich zu Ende?”
  • Stephen: “stupid censorship laws!”
  • Fred: “FÜR DIE FREIHEIT!”
  • Michael: “Diese Regierung ist verfassungsfeindlich. Die Grundrechte der Bürger werden mit der Abrißbirne bearbeitet, wieder und wieder. KiPo wegschlie”
  • Matthias: “Der Falsche Weg dem Übel zu begegnen, und macht den Weg frei für Zensur über das Maß hinaus”
  • Sebastian: “Riesensauerei. Gleich im Vorbeigehen mal die Unschuldsvermutung aushebeln. Abwählen!”
  • LexaT: “Blinder Aktionismus von einer Politik, die total den Anschluss verpasst hat”
  • Tom: “Dagegen!”
  • tom: “chinesische verhältnisse? hallo?”
  • nameless: “Für die Informationsfreiheit. Und weil die Ursache bekämpft werden muss – nicht das Symptom”
  • Pinky: “FULL ACK – in jeder Hinsicht. Armes Deutschland – ein weiterer Schritt weg von der Demokratie!”

Großartige Aktion, die zeigt, dass es um die Ausführung des demokratischen Demonstrationsrechtes nicht so schlecht steht.

15. April 2009

telefonterror

Gerüchten zufolge dürfen Telefondrückerkolonnen nicht mehr ohne das Anzeigen der eigenen Telefonnummer durch die Welt nerven. Erscheint also auf dem Telefondisplay ein “unbekannt”, ist Vorsicht geboten und die Säbel zu wetzen.
So klingelte heute zum erneuten Mal anonym der Fernsprecher und am anderen Ende überfiel mich eine Mitvierzigerin eines namentlich unbekannten MaFo-Institutes. Ob sie mich belästigen könne, fragte sie, zumindest interpretierte ich ihre Frage “Haben Sie einen Augenblick” als solchen Wunsch.

Verneinend wies ich sie auf die begangene Unhöflichkeit hin, mich ohne die angezeigte Rufnummer zu belästigen. Kaum ausgesprochen kläffte sie mich an, das sei technisch sehr kompliziert und somit nicht zu lösen. Ihr Versuch, mich mit Ihrer Verbalkritik als Vollidioten hin zu stellen, der von digitaler Technik keine Ahnung zu haben scheint, prallte an mir ab, genauso wie ihr Angebot, mir eine Telefonnummer zu geben, unter der ich mich beschweren könne. Sicher, erst werde ich dumm angemacht und dann soll ich auch noch Geld ausgeben, um mich zu beschweren.

Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Mal, wenn es wieder heißt “Unbekannter Teilnehmer” ruft an.

greenpeacebunny

Wo Pro ist, ist auch Kontra. Greenpeace versucht mit dieser Werbung auf die Gefahren von Atomkraft aufmerksam zu machen. Nicht´s Neues, nur versucht man eben nicht durch die schockierende Wirklichkeit zu mahnen, sondern durch Spielzeug. Auch wenn der Hase vier Ohren hat, so müssen wir uns im Jahre 2009 ernsthaft fragen, ob unsere Gesellschaft in der jetzigen Form überhaupt in der Lage ist, ohne Atomkraft zu leben. Alternative Energieerzeugung in Form von Wind-, Wasser- und Solarenergie sind noch lange nicht an einem solchen Wirkungsgrad angekommen, wie wir ihn für unseren exzessiven Energiehunger benötigen. Und sieht man sich die Umweltbilanz eines neuen Energieerzeugers genauer an, wird man überrascht sein, wie viel Entwicklung noch in eine echte nachhaltige Produktion fließen muss.
Nehmen wir die Werbung von Greenpeace also als Denkanstoß, unser Leben im Alltag auf Energiesparen zu optimieren, damit eines Tages neuartige Energieerzeuger ausreichend Strom für unser Leben liefern können.

Hintergrundinformationen zur Werbung von Greenpeace:

These … ads are part of the Scala JWT Bucharest latest campaign for Greenpeace. We are trying to build awareness around the dangers implied by nuclear energy, and, in particular, by the nuclear power plant in Cernavoda – you’ve guessed it, in Romania. Our effort is targeted mainly at mothers living in the area nearby the power station, but we expect the effects of the campaign to spillover in the rest of the country.

Advertising Agency: Scala JWT Bucharest, Romania
Executive Creative Director: Mihai Cojocaru
Creative Catalyst: Angela Teodorescu
Art Director: Virgiliu Andone
Photographers: Andrei Orcula, Virgiliu Andone
Copywriter: Andreea Dragomir

(via Adsoftheworld)

Googelt man sich durch die Beiträge über die GEZ, liest man selten Positives. Wie auch, will diese Zwitterorganisation aus staatlicher Institution und privatwirtschaftlichem Unternehmen doch an unsere schwer verdienten Einkünfte. Auch die Erhebung von Gebühren auf Computer und neuartige Empfangsgeräte sorgt bei kontinuierlicher Verschlechterung des gebotenen Rundfunk- und Fernsehprogramms für weiteren Unmut.
Ist man dann auch noch so schmerzbefreit und schaut sich die Werbekampagnen der GEZ an, überfällt dem Betrachter spontan mit Hass gepaarter Würgereiz. Da wird profan der potentielle Nichtzahler psychisch unter Druck gesetzt. Da wird die negativ-besetzte Farbe Schwarz verwendet und sich drohend gebärdende Jungendliche schauen finster in die Kamera. Anti-Werbung at it´s best.

Nun aber sind wir auf eine neue Form der GEZ-Werbung gestoßen, die uns – man glaube es kaum – völlig begeistert hat. Gehört haben wir den Werbe-Jingle auf Radio Fritz, dem Jungendradio des rbb.

GEZ-Spot “Plattenboss”:

Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.

Diese Werbung für die Zahlung der Rundfunkgebühren ist aus unsere Sicht erstmals eine Werbung, die nicht den drohenden Zeigefinger hebt und mit Psychodruck zur Kasse bitten will. Sie zeigt knallhart die Konsequenzen des Nicht-Zahlens auf: Kein Geld, keine Qualität!
Gerade bei musikinteressierten Radiohörern, die keinen Bock auf die üblichen Deppen-Sender a la “die größten Hits der 70er, 80er 90er, 2000er und dem Besten von heute” haben, wirkt dieser Spot. Zeigt er doch auf profane Art und Weise, wie Musik in die Radios kommt, wenn das Geld nicht durch die öffentlich-rechtliche Hand verteilt wird. Da wir Radio Fritz aufgrund seiner hervorragenden Musikauswahl und seinen Formaten für junge, unbekannte Künstler in unseren Augen einer der besten Radiosender ist, passt dieser Spot für die Zahlung der Rundfunkgebühren hervorragend ins Konzept.

Was hältst du von dieser Art der Werbung?

http://www.hasenfarm.com
Mehr sexy Hasen – insbesondere deren Bekleidung – gibt es unter hasenfarm.com

Als im Zeitschriftenregal des Supermarktes ein zerfledderter, abgegriffener Playboy die Symetrie der aufgereihten Magazine unterbrach, wussten wir, es gibt estwas besonderes in ihm zu lesensehen. Melanie Marschke alias Kommissarin Ina Zimmermann aus der ZDF-Krimiserie “SOKO Leipzig” hat sich für die März-Ausgabe des Playboy ausgezogen. Diese Information wird all jene Nicht-Playboy-Leser ungefähr soviel interessieren, als wenn in China ein Sack Reis umfällt.

Wenn pubertierende Jünglinge erstmals die entkleideten Frauen im Kult-Herrenmagazin #1 erblicken, drohen sie an der Flut ausgeschütteter Hormone zu ersticken. Dieser Effekt soll bei einigen Exemplaren der Spezies Mann selbst auch im fortgeschrittenen Alter beim Anblick der Hochglanzseiten stattfinden. Was aber, wenn man beim Anblick der Ausgezogenen, Angemalten und Gephotoshopten feststellt, dass sie in der Fernsehserie, in Jeans und T-Shirt attraktiver aussieht? Oder dass die Kassiererin bei Aldi an der Kasse mehr Sex-Appeal hat? Muss Mann in Panik ausbrechen und zum Uro- und Psychologen eilen?

Es scheint im Leben der Zeitpunkt zu kommen, wo unser Gehirn die gezielte Manipulation erkennt und sich kein “x” für ein “u” vormachen lässt. Da kann Melanie Marschke noch so lasziv am Strand von Teneriffa ihren Po in die Kameralinse halten, da kann sie noch so perlweiß lächeln. Unser Gehirn vergleicht das Foto mit den im Laufe der zurückliegenden Jahren gesehenen Frau und gibt als Rückmeldung “Error”. Einziger “Ahh”-Effekt stellt sich beim Anblick ihres Geburtsjahres ein. Es war 1969.

Wer Interesse verspührt, sich Melanie Marschke weitestgehend textilbefreit anzusehen, der besuche entweder den Playboy oder nutze die Google-Bildersuche.

ranunkel

Es gibt viele Anlässe, an denen Mann mit voller Wucht in einen Fettnapf springt, kommt er nicht mit selbstgepflückter Botanik Heim zu seiner Liebsten. Anlässe blumenlos verursachter Beziehungsdramen sind unter anderem Valentinstag, Geburtstag, Hochzeitstag und der Weltfrauentag. Gerne vergessen ist auch die Macht von blühenden Primeln, wenn Mann sein schlechtes Gewissen beruhigen oder sich das weibliche Gegenüber gefügig machen möchte.
Wenn Mann dann aber doch irgendwann auf den schmalen Pfad kommen, Blumen unter der weiblichen Bevölkerung zu verschleudern wird es für ihn gleich dreifach schwer.

Während die Finanzkrise dieser Tage Unternehmenswerte im Akkord dahinrafft, scheinen die Preise für tote Blumenstiele wie Riesenlauch zu wachsen. Und so kann man für zwei krautige Ranunkelbündel getrost eine Deutsche-Bank-Aktie auf den Tresen der Blumenfachangestellten legen. Hat Mann sich überwunden, seinen Wochensalär gegen das Unkraut zu tauschen, droht weiteres Ungemach.
Sobald sich der sich Anhänger des männlichen Geschlechts mit einem Pflanzenbündel in die Öffentlichkeit bewegt, beginnen wildfremde Menschen verschmitzt zu lächen. Bei seinem Spießrutenlauf kann Mann die auf den Gesichtern niedergeschrieben Anfeindungen förmlich ablesen: “Ha, fremdgegangen der alte Sack.” oder “Hochzeitstag vergessen, die Sau.”, um nur einige zu nennen. Aus Angst davor, sieht man daher des öfteren Männer, sich mit Sonnenbrille und aufgestellten Kragen aus Blumenhandlungen stehlen, als seien sie gerade im Begriff einen Sexshop zu verlassen.

Hat Mann den finanziellen Albtraum und die öffentliche Demütigung überwunden, erwartet ihn noch eine letzte Station auf dem Weg in seine persönliche Hölle – in Form des ihn empfangenen Hausdrachens. Dieser begrüßt ihn mit der feinfühlig formulierten, investigativen Frage: “Blumen? Du hast ein schlechtes Gewissen! Was hast du mir zu sagen?”. Die sich affektiv auf der Stirn des Opfers bildenden Schweißperlen stürzen die Beziehung dann zumeist in eine mittelschwere Krise.

Dennoch rufen wir alle Männer auf, sich der Schmach und der Erniedrigung hinzugeben, denn so ein Strauß Blumen ist jenseits der skizzierten Szenarien eine wunderbare Bereicherung des täglichen Alltages – egal ob mit oder ohne Partnerin. Und wenn dann so ein Haufen Ranunkeln auch noch nach 2 Wochen in voller Blütenpracht steht, kann Mann sich sicher sein, sein Geld besser in Blumen als in Aktien angelegt zu haben, denn keine Blüte verwelkt in diesen Tagen so schnell, wie ein Unternehmen Insolvenz anmeldet. In diesem Sinn – seid mutig!

oscar

(CC) by Alan Light

Als Florian Henckel von Donnersmarck bei der Oscarverleihung eben jene goldene Trophäe für seinen Film “Das Leben der Anderen” einstrich, da gerieten wir in Verzückung. Plötzlich war die Stasi ein tolerierter Helfershelfer. Der Film spielte im Kino beachtliche Erfolge ein und lief im Fernsehen zur Primetime. Und wir waren stolz wie Bolle.

Gerade zwei Jahre späte schnappt sich der nächste Deutsche den begehrtesten Preis für cineastische Höchstleistung. Jochen Alexander Freydank erhielt am 23.2.2009 den Oscar in der Kategorie bester Kurzfilm für sein 14minütiges Werk “Spielzeugland”. Zwei Jahre ackerte Freydank, um das Budget einzusammeln, um dann in nur fünf Drehtagen seinen Erfolg auf Speicherchips zu bannen. Sind wir stolz? Ja, sicher.

Worum geht es in dem Film?

Freydank erzählt (…) die Geschichte des kleinen Heinrich, der 1942 in Deutschland aufwächst. Als die Deportation seines jüdischen Freundes bevorsteht, erzählt ihm Heinrichs Mutter (Julia Jäger), dass die Nachbarn ins “Spielzeugland” verreisen. Heinrich beschließt, den Freund zu begleiten.

(Quelle: rp-online)

Beim Blick in die Fernsehzeitschrift darf man getrost die Frage stellen, ob bei den Programmverantwortlichen der deutschen geschlossenen Sendeanstalten noch alle Murmeln in der Birne rollen. Der 14minütige Oscar-prämierte Film läuft auf der ARD am Sonntag (01.03.) um 23.30 Uhr. Das dritte Programm wiederholt den Film am Dienstag (03.03. um 22.10 Uhr).
Für jeden anderen belanglosen Scheiß werden 14minütige Brennpunkte nach der Tagesschau eingeschoben, für Weltklasseleistungen deutscher Filmschaffender scheint dafür jedoch kein Platz zu sein.

Warum?
Auch wenn diese Frage nur durch die Verantwortlichen selbst beantwortet werden kann, darf man mutmaßen, dass man dem Zuschauer am Sonntag Abend nicht mit deutscher Geschichte belasten darf. Im Fall von Donnersmarck´s Stasi-Verfilmung schien man damit keine Probleme zu haben. Wieder einmal verschließt man in Deutschland die Augen und vergibt sich die Chance, sich qualitativ hochwertig mit der eigenen, braunen Geschichte auseinander zu setzen. Leidtragend sind neben dem Regisseur des Meisterwerks auch der interessierte Zuschauer, der seinen Horizont jenseits von Talkshow und Kochsendung hat. Und so sorgen Ignoranz und Angststarre von Entscheidern dafür, die Ausseinandersetzung mit deutscher Geschichte zu behindern. Hauptsache wir haben in Berlin ein riesiges, betonniges Mahnmal.

Und wieder einmal haben die öffentlich-rechtlichen in ihrem Bildungsauftrag versagt.

Blogs sind tot. Ok, vielleicht noch nicht ganz – aber fast. Denn seit Microblogging via Twitter und Co. fehlt dem populären Medium die Schnelligkeit, die noch vor kurzer Zeit den Reiz des Bloggens ausgemacht hat.

So titelt Admartinator auf seiner “formely-know-as-blog”-Webseite. Liegen die Blogs auf dem Sterbebett? Halten Twitter & Co. die Giftspritze in der Hand?

Haben wir noch vor wenigen Monaten gegrölt, als uns jemand mit statischen HTML-Konstrukten um die Ecke kam, wird man heute belächelt, wenn man seine Kommunikationsfähigkeiten noch nicht auf die 140 Zeichen von Twitter subtrahiert hat. Noch nicht einmal abgeebbt sind die Beschimpfungen der Journaille, Blogs sind die Klowände des Internets und schon erklären wir Blogs für tot?

Wirft man aber einen genauen Blick auf das, was bei den Microbloggingdiensten inhaltlich abgeht, wird man feststellen, dass ein Microbloggingdienst ohne Blogs nicht mal Micro wäre. Das “Micro” bezieht sich zumeist auf die Menge der übertragenen Informationen. Kurze Informationsfragmente werden mehr oder minder zusammenhanglos veröffentlicht. Mag das bei Zustandsberichten auf Twitter und identi.ca (“Fieser Nieselregen. Immer wieder gern.”), Linkstipps bei Del.icio.us und Plattentipps auf Blip.fm und Last.fm funktionieren, lahmt das Geflügel an anderer Stelle.

Die Revolution, die die Blogs angeblich in die Netzwelt gebracht haben, war das dezentrale und individuelle Bearbeiten und Recherchieren von Themen, die individuelle Meinungsäußerung, die demokratisch offene Diskussion. Die Klowandbeschmierer setzten die klassischen Redaktionen unter Druck, ihre Beiträge zu öffnen und kommentierbar zu machen. Webinhalte waren stets monodirektional. Der Kunde durfte konsumieren und seine Klappe halten. Erst Blogs haben die bidirektionale Kommunikation ermöglicht.

Wie bei allem was neu ist, bedarf es einer Zeit von Selbstfindung und Evolution. Neunzig Prozent der Blogs spielen innerhalb der Netzwelt angeblich eine zu vernachlässigende Rolle. Dennoch hat sich die Spezies Mensch auch aus einer Ursuppe mit abermillionen Einzellern entwickelt. Ebene jene Blogursuppe brachte das hervor, was den Platzhirschen das Fürchten lehrte: ausführliche Themenabhandlungen, kritische Standpunktbeleuchtung, geekige Gadgetsammlungen und vieles mehr – von Personen jenseits des Mainstream-Bizz. Was einst Redaktionen als Monopolisten erschufen, liefert heute der Blogger. Und der soll jetzt zum Microblogger werden?

Beim Blick auf die Microbloggingdienste Twitter und identi.ca begegnet man sehr häuft den niedlich verstümmelten Links a la http://tinyurl.com/ag54bzt. Wo landet man, wenn man auf diesen Link klickt? Auf einem Weblog, meistens zumindest.
Welchen Gehalt hätte nun so ein Microbloggingdienst, würde man nicht mehr auf opulenten Texten, verknüpften Playlisten oder Fotoblogs landen?

Microblogging ergänzt die digitale Welt, das Web2.1. Es gibt Statements, die keiner vielen Worte bedürfen, es gibt Nachrichten, die schnell um die Welt müssen und manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Es wird die Kunst sein, Blogs und Microblogs miteinander zu verknüpfen. Aber wir sollten nicht auf die Idee kommen, Blogs zu Grabe zu tragen, da wir damit den digitalen Fortschritt den Ast absägen, auf dem er wächst.

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