13. Oktober 2008

Die kilometerlangen Schlangen vor den Kassenbereichen der IKEA-Parks am Samstag Nachmittag zeigen, dass die die Jungs und Mädels von IKEA einiges drauf haben. Aber nicht nur im Wohnmöbeldesign wissen die Schweden, wo der Hase langläuft, ebenso bei der Inszinierung ihrer Produkte in Werbekampagnen fallen sie positiv auf.

IKEA-Werbung
Copyright: Tsevis Visual Design, Forsman & Bodenfors

Forsman & Bodenfors, eine der führenden schwedischen Wereagenturen, zeichnet sich verantwortlich für die Sommer-/Herbst-Kampagne des Schwedischen Möbelhauses in Schweden. Die Plakate sind aus tausenden von IKEA-Artikeln zusammengesetzt. Möbelkatalog mal anders.

Yo Marcel Reich-Ranicki,

ich verstehe überhaupt nicht, warum du deinen Ehrenpreis der Stifter von dir weist. Gerade jetzt, wo uns die deutsche Fernsehlandschaft mit einem Potpuri neuer, interessanter Formate beschenkt, mimst du den Spielverderber.
Wir kämen uns arm vor, wenn wir nicht, wie die Effenbergs, eine Wohnung für 6500 Euro pro Monat mieten könnten? Wir würden verhungern, wenn wir nicht auf allen Kanälen hautnah erleben dürften, wie zur besten Sendezeit A-, B- und Null-Promis Bratkartoffeln zubereiten und dabei Verbalkot verbreitet? Unser Leben wäre arm, würden wir nicht wissen, wie es ist, als Auswander zu scheitern und so direkt zur Einwanderungsshow durchgereicht zu werden. Wir müssten unseren Kindern erklären, was Sadomasochismus, Brustwarzenpiercing und Analverkehr ist, würde das Fernsehen dies nicht in Nachmittagsshows ausführlich besprechen.

Also wirklich, Herr Reich-Ranicki, das ist doch aber alles kein Grund, den Preis abzulehnen, du Qualitätsjournalist.

Nein, nicht im im wörtlichen Sinn. Die US-Präsidentschaftswahlen gehen in die nächste heiße Phase. Im Lager der Republikaner brannte die Hütte, als McCain seine Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten vorstellt. Sarah Palin löste kontroverse Diskussionen aus. Doch hier soll es jetzt nicht um politische Inhalte oder den IQ von Mrs. Palin gehen. Die derzeit geführten Diskussionen und Meinungsäußerungen offenbaren ein erstaunliches Maß an Offenheit und unpolitischem Gehabe.
Es scheint sich in der aktuellen Gesellschaft der Trend auszubreiten, seine Meinung lieber politisch korrekt kund zu tun, anstatt frei heraus zu sagen, was man denkt. Hat man Angst, den kritisierten vor den Kopf zu stoßen. Man muß doch auch mal laut “Scheiße” rufen, wenn man mit der Gesamtsituation nicht zufrieden ist, anstatt sich in kontrolliertem Gefasel zu verstricken. Davon wird der Kopf nicht frei. Die nun folgenden drei Beispiele von erschrecken unverblümter Meinungsäußerung finde ich wirklich lobenswert.

Matt Damon, meist in ruhigen Charakterrollen tätiger Schauspieler über die Nominierung von Sarah Palin:

“Sie ist ein wirklich schlechter Disney-Film. … Die “Hockey-Mom” aus Alaska steht Vladimir Putin gegenüber. … Das ist vollkommen absurd. … Ich muss wissen, ob sie wirklich glaubt, dass Dinosaurier hier vor 4.000 Jahren lebten. … Das ist wichtig, denn sie wird die Codes für die Atombomben haben. We can´t have this!”


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Ebenso beeindruckend lässt CNN-Sprecher Jack Cafferty seine Meinung zur Vizepräsidenten freien Lauf:

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Respekt an die beiden, denn es ist beachtenswert, dass sie sich so offen äußern, ohne Angst, durch evtl. Anfeindungen Andersdenkender unter Druck zu geraten. “Es braucht immer einen Mutigen, der die Warheit ausspricht.”

Und zu guter Letzt eine geschriebene Meinungsäußerung zur aktuellen Finanzkrise bei einer Demonstration vor der New Yorker Börse, die auf den Punkt bringt, was viele denken.

Jump you Fuckers
(via Rebel:Art)

Johnny DeppFür den 4. Teil von “Fluch der Karibik” soll Johnny Depp als Pirat Jack Sparrow eine Gage von ca. 47 – 56 Millionen US-Dollar bekommen. Die genaue Summe schwankt derzeit noch etwas, aber auf die 9 Millionen kommt es ja in dieser Liga auch nicht mehr an.

Manch finanzkrisengeschüttelter Vorstand wünscht sich in diesen Tagen einen derart warmen Geldregen. Zwar stehen viele Manager den Piraten in ihrer Skrupellosigkeit und Geldgier in nichts nach, aber bei der Sympathie hapert´s gewaltig. Hollywood´s Anti-Styler Depp hingegen lebt die Rolle des Freibeuters und des Charmeurs zwischen all den hochglanzpolierten Stars und Sternchen der Filmwelt par Excelence. Daher kann man ihm diese Summe, so absurd sie auch sein mag, ansatzweise gönnen.

Übrigens hat der erste Teil am Eröffnungswochende bereits die jetzige Gage von Depp eingespielt. Mit über 650 Millionen US-Dollar Gesamteinspielergebnis ist Depps neuerliche Gage ja eher lächerlich.

(Foto: “Johnny Depp” by Matti Mattila)

PETA Hadnet Tesfai
Hadnet Tesfai

“Komm wir gehen in den Zoo!” ist eine oft zu hörende Aussage. Wer aber hat Spaß daran, Tiere anzusehen, die artfremd in Gefangenschaft leben?

Immer mehr exotische Tiere werden in Gefangenschaft gehalten, in Hobbyhaltung im Wohnzimmer oder hinter Gittern in Zirkus oder Zoo. Das Interesse gilt dabei vor allem Jungtieren. Erwachsene und alte Tiere werden immer häufiger ausgesetzt, abgeschoben oder getötet. Der respektlose Umgang mit diesen Tieren ist längst Alltag geworden, der Tierhandel in seinen Ausmaßen dem Drogenhandel gleichzusetzen. „Exotische gehören in Freiheit und nicht hinter Glas, Gitter oder an Ketten!“ so die klare Botschaft der Bilder. (Quelle: PETA)

PETA hat nun die sexy Star-VJs von MTV und VIVA an die Kette gelegt und eingesperrt. Mit solch heißen Fotos, wie dem von Hadnet Tesfai, wird hoffentlich so manch hormongepeitschter Teenager in Zukunft einen Bogen um Zoo oder Zirkus machen.

In der Zeit vom 4.10. – 12.10. bietet sich den Einwohnern von Toronto ein beeindruckendes Bild. Das “Projekt Blinkenlights” macht Halt in der größten kanadischen Stadt. Unter dem Namen “Stereoscope“ wird das Rathaus in einen gigantischen Bildschirm mit 960 Pixeln (=Fenstern) verwandelt.
Dazu werden die Fenster des Gebäudes von innen halbtransparent gemacht und mittels spezieller, dimmbarer Leuchtmittel bestrahlt. Jedes Fenster repräsentiert somit einen Pixel. Hinter der simplen Idee steckt ein komplexer technischer Aufbau. Neu bei diesem Aufbau ist, dass die Leuchtmittel kabellos miteinander verbunden sind.
Dank ausgefeilter Datenanbindung, ist es dem Publikum möglich, interaktiv auf das Projekt Einfluss zu nehmen. Mittels SMS-Signalen kann man Computerspiele auf der “Gebäudefront” spielen (remember Pong), Nachrichten per SMS übermitteln und eigene Animationen entwerfen.

Wer gerade nicht in Toronto ist, kann sich mittels Webcam live von diesem grandiosen Projekt beeindrucken lassen: Live-Cam

Hinter dem Projekt Blinkenlights steckt der CCC, der im Jahre 2001 erstmal diese Form der Objektinstallation in Berlin, im Haus des Lehrers vorführte. Weiterführende Informationen, Hintergründe und Videos finden sich auf der Webseite der Blinkenlights.

6. Oktober 2008

PC oder Apple – wer wird die Zukunft regieren? Diese Frage beantwortet Pixars neuer Animationsfilm “Wall-E” zweifelsohne. Der letzte auf der Erde zurückgebliebene Aufräumroboter Wall-E trägt einen Mac-Kern in sich. Ich dachte, ich höre nicht recht, als sich seine Akkus mittels integrierter Solar-Module aufgeladen hatten. Ein quäkiger Statusklang, der aber unverwechselbar, wenn auch klar und deutlich, jeden Tag aus meinem Mac kommt, wenn er sich startet. Den Beweis meines Verdachtes liefert der Abspann. “Special Thanks to Steve Jobs”.

Wall-E und Apple

Productplacement vom Feinsten nenne ich das. Was nützt es da, wenn hochmotivierte Menschen verkünden, sie seinen ein PC? Die Zukunft wird vom Mac gestaltet.

Aber nun noch ein Paar Worte, wie mir der Film gefallen hat: Phantastisch genial!

28. September 2008

Da war er also, der Moment an dem der smarte, hirntumorige Junganwalt seine Fata Morgana in der Realität begegnet.
George Michael, Schauspieler, Sänger und Toilettentäter erschien bereits im Pilotfilm als singender Tagtraum auf der Bildfläche. Nun hatte der Zuschauer endlich Gelegenheit, den 45jährigen in seiner vollen Faltenfreiheit bewundern zu können. Man konnte in den ersten Minuten bezweifeln, dass es sich bei dem Gesicht um das von George Michael handelt. Erst ein Blick in den Videotext oder die Wikipedia brachte Gewissheit, dass es wirklich Herr Michael ist.
Ne, ne, ne. So sieht doch kein Gesicht eines Mitvierzigers aus. Oder die Maskenbildner haben mächtig danebengegriffen. Mir drängten sich spontan Gedanken an den Hardcore-gefacelifteten Mickey Rourke oder den post-operativ blutenden Michael Douglas auf.
Falls ich falsch liege, wüsste ich gerne, welche Tagescreme Herr Michael benutzt. Nicht dass ich die aus Versehen mal nehme.

Damit ich jetzt aber nicht nur Schlechtes über ihn hinterlasse, gibt es hier meinen Lieblingssong von ihm zu sehen, und zwar unzensiert und mit dicker Schminke:

Jessica Alba - declare yourself
“Nur du kannst dich zum Schweigen bringen”

Declare Yourself, eine nicht-kommerzielle Jungwählerinitiative hat dieser Tage eine Kampagne gestartet, mehr junge Amerikaner an die Wahlurnen im Herbst 2008 zu bewegen. Jessica Alba – Schauspielerin, Traum junger Männer und Vorbild junger Frauen – wurde vom renommierten Fotografen Mark Liddell abgelichtet.

Die Microsoft-Multimillionen-Kampagne zur Aufpolierung des angekratzten Images geht in die nächste Runde. Nachdem Jerry Seinfeld in den ersten zwei Spots an der Seite von Microsoft-Renter Bill Gates zu sehen war, ist er nun ausgestiegenverschwunden. Bill ist geblieben und neues prominentes Testimonial ist Pharrell Williams, seines Zeichens Hip-Hop-Artist und Erfolgsproduzent. Nachdem die ersten beiden Spots vielerorts auf Verständnislosigkeit gestoßen sind und damit ihren Auftrag völlig verfehlt haben, präsentiert Microsoft nun eine neue, “innovative” Konzeption: man macht Apple´s Erfolgswerbung a la “Get-A-Mac” nach.


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Was aus meiner Sicht beim Apple-Duo “PC” und “Mac” funktioniert hat – in einem Spot, ein Thema zu behandeln und aus Sicht vn PC und Mac zu beleuchten – will hier bei mir nur schwer funktionieren. Eine Vielzahl von Personen (>20, wenn ich mich nicht verzählt habe) behaupten, ein PC zu sein. Sie werden in einer positiven emotionalen Szene, Stimmung und Situationen gezeigt. Dem Konsumenten wird dank eingeblendeter E-Mail-Adressen sogar die Möglichkeit geboten, mit dem Protagonisten der Werbung in Kontakt zu treten.
Der Spot ist allemal besser als Microsofts ersten beiden Versuche, dennoch finde ich es unkreativ eine Gegenkampagne in ähnlicher Form wie die des Wettbewerbers zu produzieren. Dies zeugt nicht gerade von Einfallsreichtum. In der ersten Einstellung wird der “PC” der Apple-Spots imitiert und der “Mac” “trägt Jeans”. Microsoft kann offenbar nicht ohne Seitenhieb leben.

Aus Kundensicht ein gelungenes Paradebeispiel für wunderbar unterhaltende und sympathieweckende Werbespots hat Hansenet mit seiner Alice-Kampagne erschaffen. Dank der obskuren Platzierung von Brad Pitt in einen deutschen Otto-Normal-Haushalt sind die Spot gern gesehen und haben dem die Sympathie der Konsumenten gesichert. Individuell.

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