17. September 2008

Wohnungssuche am LichtmastenDer Wohnungsmarkt in Hamburg ist hart umkämpft. Nicht nur von den Maklern, sondern auch von den Interessenten. So erblickt man an den Sockeln von Beleuchtungs- und Verkehrsregeleinrichtungen neben den üblichen Verdächtigen – verlaufene tintenstrahlgedruckte Wohnungsgesuche – neuerdings professionelle Eigenwerbungskampagnen. In Harvestehude stellte sich mir abgebildeter Pfosten in den Weg. Darauf sympathisierte mir ein Paar entgegen, dass im Stil der Quickfoto-Automaten im Bahnhof mehrfach auf dem Plakat rumposten. Die Botschaft “Paar sucht Kauf” nahm ich bei soviel Sympathiebekundung fast nicht mehr wahr. Ebenso die liebevoll gewählte Mail nestsuche@xxxx.de sowie die Auflistung, welche Kompromissbereitschaft man besitzt (Haus, Etage, Schuppen, Renovierung…).

Ich frage mich allen Ernstes wer bei der derzeitigen Wohnungssituation in Hamburg glaubt, ein Verkäufer läuft durch die Straßen und sucht Käufer. Wenn 80 Bewerber für eine 1,5-Zimmer-Wohnung stundenlang in einem alten Treppenhaus stehen, sind derartige Zetteleien in meinen Augen bloße Papier- und Zeitverschwendung. Oder?

Oh – mein – Gott. Was ich da gerade beim mlogger gefunden habe, stellt mir die Nackenhaare senkrecht. In Amerika scheinen die polizeilichen Akten der Öffentlichkeit zugänglich zu sein. Unter criminalsearches.com kann man durch Eingabe von Vor- und Nachname mal eben so die Kriminalkarriere der Person checken.

Da greife ich blind in die Namenskiste und zack, die Wahl trifft Marvin Johnzon*, geboren am 23.09.1978. Ich kenne diesen Kerl nicht, weiß aber jetzt: dass er ca. 170 cm groß und 67 kg schwer ist, braune Haare und Augen hat, zur weißen Rasse gehört. Ich weiß jetzt auch, dass er im schönen xxxx xxxxx, Florida. Und zwar in der xxxx xxxxxx-Street Nummer x. Er hatte in seiner Jugend häufiger Verkehrsdelikte begangen und wurde mit Drogen erwischt. Alles fein säuberlich aufgelistet, chronologisch nach Tat und Datum sortiert. Der Super-Service der Seite ist ausserdem: “Get a full comprehensive background check on Marvin Johnzon*”. Für 39 USD bekommt man:

* Aliases & Maiden Names
* Birth Date
* Address History
* Phone Numbers
* Marriages & Divorces
* Relatives & neighbors
* Property ownership
* and much more…

Wie krank ist das bitteschön??? Ich habe beim Recherchieren Beklemmungen bekommen, in die intimen Bereich der willkürlich ausgewählten Personen einzudringen und diese auszuspionieren. Wir “googlen” heute zwar schon mal unsere Freunde und Kollegen, aber stelle sich mal einer vor, wir fangen an, unsere Bekanntschaft mit derartigen Daten abzuchecken. Wie kann ein ehemaliger Gesetzesbrecher und Jügendsünder je wieder auf den geraden Weg geraten, wenn jeder weiß, was er irgendwann mal angestellt hat. Behinderung der Resozialisierung!

Übrigens kann man auf der Webseite auch noch andere leckere Services in Anspruch nehmen, die die Würde und Privatsphäre eines Jeden sensibel verletzen: Criminal History Check, Neighborhood Watch, Sex Offender Finder, Criminal Alerts, Criminal Statistics, Criminal Searches.

Wenn hier in Deutschland jemand auf eine derartig kranke Ideen kommen sollte, unsere polizeilichen Führungszeugnisse online zu stellen und frei einsehbar zu machen, brennen Paläste. By the way, lieber unbescholtener Leser, schon mal was von der digitalen Gesundheitskarte gehört?

* den Namen habe ich geändert. Auch wenn jeder einfach irgendwelche Namen eingeben kann und in das Leben der Person eindringt, möchte ich hier nicht eine einzelne Person vorführen.

BLÖD: Benzin viel zu billig

In der aktuellen ADAC Motorwelt (September 2008) bin ich auf die beiden abgebildeten Charts gestoßen. Während ca. 51% der deutschen Arbeitnehmer weniger als 10 km Arbeitsweg haben, wählen jedoch knapp 64% das Auto als Transportmittel. Nur 32% nutzen umweltverträglichere Alternativen. Verfolgt man die Entwicklung der Kraftstoffpreise und den stetig wachsenden Unmut der Konsumenten, fragt man sich, warum sich dieses Bild so darstellt. Dabei scheint sich der Verbraucher selbst ein Bein zu stellen.

So lang ist der Arbeitsweg der Deutschen:
ADAC_Chart_1
So kommen die Deutschen zu ihrem Arbeitsplatz:
ADAC_Chart_2

Folgendes “Worst-Case-Szenario” spielt sich demnach täglich auf deutschen Straßen ab:

Der Durchschnittsverbrauch aller in 2007 zugelassenen Fahrzeuge berägt ca. 7 l/100km (Quelle: Kraft-Bundesamt). Entwicklungstechnisch bedingt nehme ich einen durchschnittlichen Verbrauch von 8 l/100km an. Bei Kurz- und Stadtfahrten dürfte dieser Wert aber sehr optimistisch gewählt sein. Die Agentur für Arbeit vermeldet im Juli 2008 ca. 27 Mio. sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer. 40 Mio. sind als erwerbstätig gemeldet.
Ich unterstelle, dass von den 64% sozialversicherungspflichtigen Kurzstreckenfahrern die Hälfte durchaus ohne großen körperlichen Aufwand zu Fuß oder mit dem Rad zur Arbeit kommen könnten. In urbanen Ballungsräumen würde dieser Schritt sogar zeitliche Vorteile mit sich bringen, fährt man doch bequem am Stau vorbei. Somit fahren 32% der Arbeitnehmer aus Faulheit oder Bequemlichkeit unnütz mit dem Auto durch die Gegend. Diese 8,6 Mio. Arbeitnehmer, die mit ihrem 8-Liter-Fahrzeug-2×5 km pro Tag zurücklegen, verursachen einen Kraftstoffverbrauch von knapp 6,9 Mio. Liter pro Tag. Bei einer Preislage von 1,45 EUR/Liter Kraftstoff, bläst der deutsche Arbeitnehmer täglich knapp 1 Mio. EUR pro Arbeitstag in die Luft bzw. in die Taschen der Mineralölkonzerne. Eine Summe, die auch in Urlaub, Unterhaltungselektronik oder Blumen für die Ehefrau angelegt werden könnte.

Zwar vermelden Nahverkehrsunternehmen einen Anstieg der Personenzahlen, die befördert wurden, aber das Potential ist noch viel größer. Erkennt man, dass Angebot und Nachfrage preisbeeinflussende Wirkung haben, hat der Deutsche die Preisbildung an den Zapfsäulen zwar in der Hand, weiß aber nicht damit umzugehen. Oder – ich komme auf meine eingangs aufgestellte These zurück – der Kraftstoff ist noch zu billig, als dass man seinen fetten Arsch auf´s Rad schwingt. Wohlstandskrankeit “Bequemlichkeit”.

13. September 2008

Sie mögen banal und sogar etwas blöd klingen, aber die Antworten auf diese Fragen dürften schwer fallen.

  • WIESO wird einem eine Pizza schneller geliefert als ein Krankenwagen kommt?
  • WIESO gibt es einen Behindertenparkplatz vor einer Schlittschuhhalle?
  • WIESO ordern Menschen einen Double Cheeseburger, eine große Portion Pommes und einen Cola light?
  • WIESO kaufen wir Hot Dog Würstchen in einer 10-er Packung und die Brötchen in einer mit 8?
  • WIESO können Frauen keine Wimperntusche auftragen mit geschlossenem Mund?
  • WIESO ist das Wort “Abkürzung” so lang?
  • WIESO muss man um WINDOWS zu schließen das Startprogramm benutzen?
  • WIESO enthält Zitronensaft künstliche Geschmacksstoffe und ist das Produkt für die Spühlmaschine mit echtem Zitronensaft hergestellt worden?
  • WIESO gibt es kein Katzenfutter mit Mäusegeschmack?
  • WIESO Hundefutter “mit verbessertem Geschmack”: Wer hat das getestet?
  • Sie kennen sicher jene unverwüstlichen “Black Boxes” in Flugzeugen. – WIESO werden die Flugzeuge nicht aus diesem Material hergestellt?
  • Wenn Fliegen so sicher ist – WIESO heißt dann die Ankunftshalle “Terminal”?
  • WIESO drückt man fester auf die Tasten der Fernbedienung, wenn die Batterien fast leer sind?
  • WIESO waschen wir unsere Handtücher; wird denn nicht angenommen, dass wir sauber sind, wenn wir uns damit abtrocknen?
  • Wie hat man die Schilder “Rasen betreten verboten” dort mitten im Rasen hin bekommen?
  • Freuen Analphabeten sich über Buchstabensuppe?
  • Als der Mensch entdeckte, dass Kühe Milch geben – wonach suchte er da eigentlich?
  • Kriegen die Lipton-Arbeiter auch eine Kaffeepause?
  • WIESO laufen Schafe nicht ein bei Regen?

Greifswald gestern und heute/gestern Greifswald gestern und heute/heute
Mehr solcher Vergleiche finden Sie hier: Greifswald 1993 und heute

Die Mehrheit der Deutschen kennt Sozialismus entweder von Erzählungen ehemaliger Staatsangehöriger der DDR, von Fotos (siehe oben) oder aus den dubiosen Aktivitäten der DIE LINKE. Die Quellen machen es Vielen jedoch nicht leicht, wirklich zu verstehen, was Sozialismus im Konkreten und Alltäglichen bedeutet und welche Gefahren von dieser Staatsform ausgehen.

Man bekommt derzeit anhand der Retrowelle und den Kultobjekten “Trabi, Schwalbe und Co.” mancherorts den Eindruck, die DDR mit seiner sozialistischen Grundstruktur war toll.

Eine der Theorien des Sozialismus ist, die den Kapitalisten die Produktionsmittel zu entziehen. Die Verteilung von Gütern soll nach Auffassung des klassischen Sozialismus nicht über den Markt, sondern durch staatliche Lenkung erfolgen. (Quelle: Wikipedia)
Viele der Ahnungslosen erleben die konkreten Auswirkungen dieses sozialistischen Grundgedankens täglich am eigenen Leib. Im Büro.

Meine Kaffeemaschinen-Theorie:
Ein durchschnittlicher Mitarbeiter hat an seinem Arbeitsplatz ein eher überschaubares Repertoire an persönlichen Besitzgütern. Vielmehr arbeitet er in einer Umgebung mit Gemeingütern, die im Besitz des Unternehmens sind. Sozialistisches Volkseigentum erklärt sich leicht am Umgang der Kaffeemaschine. Sie ist das “Volkseigentum”, jeder nutzt sie, niemand pflegt sie. Und so kann man recht schnell ein munteres Stelldichein diverser Bakterien und Schimmelpilzkulturen beobachten. Die Nutzung der Maschine wirkt ekelig und es dauert, bis sich jemand besinnt und die Reinigung übernimmt. Einzig die Kaffeesucht sorgt für den Erhalt der Funktionalität.

Die faszinierende Fotoserie Greifswald 1993 und heute zeigt eindrucksvoll, wie das Kaffeemaschinen-Prinzip im real-existierenden Sozialismus der ehem. DDR gewütet hat.

17. August 2008

…offen sagen, dass man glaubt, ein 100-Meter-Läufer bei Olympia sei bis unter die Zähne gedopt, wenn er sich bei seinem Weltrekordlauf bereits nach 3/4 der Strecke umdreht, um nach seinen Verfolgern zu schauen.

15. Juli 2008

Dass ich die Aktionen der Gruppe “Improv Everywhere” großartig finde, ist ja kein Geheimnis. Jetzt wurde ein kompletter Wagon einer U-Bahn mit Zwillingen gefüllt. Diese haben sich gegenübergesessen und sich identisch – spiegelverkehrt bewegt.

Improv Everywhere - Twins

Sehr beeindruckend, welchen Effekt man mit einer eigentlich banalen Ansammlung von Zwillingen erreichen kann. Das Video zur Aktion findet sich hier. Wenn mal jemand im Raum Hamburg eine Aktion in diesem Stil plant, möge er sich bitte bei mir melden.

Männerschlußverkauf

Verkauft der Herrenausstatter Anson´s jetzt auch schon Männer? Also irgendwie kam ich mir wie ein Stück Ware vor, als ich heute im Elbe-Einkaufszentrum erschrocken auf dieses Plakat blickte. Ich hoffe bei Palmers gibt es im nächsten Jahr den  “Frauenschlussverkauf”.

2. Juli 2008

Bier – Farbe – Geschmack + Zitronenlimonadengeschmacksstoffe = Limo mit Alkohol = Becks Ice

Darf sich sowas noch Bier nennen?

Deutschlandflagge falsch

Jetzt, kurz nachdem der Deutsche endlich mal wieder genug Mut und Patriotismus entwickelt hat, zu seinen Nationalsysmbolen zu stehen und die deutsche Nationaloflagge überall hisst, haut die tagesthemen-Redaktion in den neu entstandenen Nationalstolz und zeigt eine rot-schwarz-goldene Fahne. Und nun ist der junge Fahnenträger entrüstet und ruft Skandal in die Welt. Wieder einmal wird uns verdeutlicht, dass Nachrichten von Menschen gemacht werden. Und wenn eben diese Menschen Fehler machen, dann wird die deutsche Flagge eben mal durch den Mixer geschickt. Na und? Es gibt schlimmeres. Die NPD zum Beispiel.
Ohne lange drumrum zu Reden und sich in Ausflüchte, Begründungen und Recherchen zu verstricken, sollte die tagesthemen-Redaktion heute Abend nach dem Sieg Deutschlands über die Türkei eine riesige schwarz-rot-goldene Fahne einblenden und sich kurz entschuldigen. Dann wär der Fisch gelutscht und die Nation kann sich in gewohnter Freude auf das Endspiel vorbereiten.

Deutschlandflagge korrekt

(via: Absoluterperplex)

verlinkt

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