Atomausstieg – jetzt nicht!

Am vergangenen Wochenende fiel in Hamburgs Westen kurz der Strom aus. Radio aus, WLAN unterbrochen. Das Ganze hat keine Sekunde gedauert.
Wie wir jetzt wissen, musste das Atomkraftwerk Krümmel notabgeschaltet werden. Aber lt. erster Spekulationen sei der Stromausfall nicht Resultat des Switch-Offs. Dafür sind angeblich einige Wasserrohre geplatzt. Aha?!

Und es dauerte keinen Abend, da war die Diskussion um den Atomausstieg wieder in vollem Gang. Die im Wahlkamp befindlichen Politiker müssten Vattenfall, dem Betreiber des AKW, eigentlich eine dicke Stange Geld zahlen, hilft der Konzern durch die Abschaltung, die Energiepolitik zum aktuellen Wahlkampfthema wiederzubeleben.

Ich kann es nicht mehr hören: Atomausstieg jetzt. Was mich im Zusammenhang mit dieser Diskussion jedes Mal stört, ich höre keine ernsthaften Vorschläge für alternative Stromerzeugung in Deutschland. Wenn Krümmel abgeschaltet wird und in Deutschlands zweitgrößter Stadt die Lampen ausgehen, wer soll den Stromhunger unserer Gesellschaft sättigen, wenn alle anderen 12 AKWs vom Netz gehen? Die Hamster in den Laufrädern werden´s wohl kaum richten.

Gerne wird als DIE Energiequelle der Zukunft die Sonne, in Form gigantischer Solarparks in der Sahara, genannt. Klingt toll. Die Sonne haben wir noch ein paar Millionen Jahre und wenn es uns längst nicht mehr gibt, weil wir uns durch die Polkappenschmelze in Folge globaler Erwärmung selbst ertränkt haben, lacht sie noch immer vom Himmel. Wer aber mal den Akku einschaltet und sein Gehirn mit ausreichend Saft versorgt, wird merken, dass der Weg zu afrikanischen Solarparks aus Holz ist.

Erinnerst du dich noch, als der Russe in diesem Winter den Gashahn zugedreht hat? Der halbe Osten ward binnen Stunden schockgefroren.
Erinnerst du dich noch, als im Nahen Osten die Ölhähne abgedreht wurden? Die Benzinpreise explodierten.

Und wir wollen unsere, in deutscher Hand befindlichen, auf deutschem Boden und unter deutscher Kontrolle stehenden Energielieferanten abschalten und uns von afrikanischen Anlagen abhängig machen? Was, glaubst du, macht der intelligente Nomade, wenn er sich seine plötzlichen Macht über unsere Energieversorgung bewusst wird?

Eine Lösung, die das Problem deutscher AKWs entschäften würde, habe ich hier schon einmal geschrieben:

Anzahl der Atomkraftwerke in Deutschland 2008: 17
Anzahl der Atomkraftwerke, die abgeschaltet werden könnten, wenn wir den Netzstecker bei Stand-by ziehen würden: 2

Aber 1.) sind wird Deutschen zu faul, den Netzstecker zu ziehen und 2.) würden die Energiebetreiber dadurch ja weniger Umsatz erzielen. Also besteht seitens Wirtschaft, Politik und Lobby kein Interesse, die Reduktion der AKWs zu forcieren.

Solange es keine zukunftssicheren Energiealternativen gibt, sage ich: Atomausstieg – jetzt noch nicht!


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3 Kommentare bis jetzt, schreibe hier auch etwas.

  1. Gravatar Icon mcd

    schrieb am 6. Juli 2009 um 20:08 Uhr:

    Ich kann Dir nicht zustimmen.

    Sicher, mit der These, dass Solarenergie aus Afrika mehr als utopisch ist, hast Du vollkommen Recht. Weniger sehe ich das Problem dass Afrikaner den Stecker ziehen als
    a) das Problem, dass der Westen um seinen dekadenten Lebenswandel aufrecht zu erhalten, den afrikanischen Kontinent weiter ausbeutet. Ich wäre bei der Umsetzung eines solchen Plans selbst zu radikalen Protestmethoden bereit.
    b) in der Selbstzerstörungskraft Afrikas. Neid und Missgunst unter afrikanischen Ländern würde wieder aufblühen, weil nicht alle profitieren können und selbst in den Ländern, die profitieren, würde vermutlich nach kurzer Zeit ein Bürgerkrieg ausbrechen :/
    c) dass Afrikaner dazu neigen solche Gerätschaften zu zerlegen um sich Hütten zu bauen :)

    Ich bin in Südafrika groß geworden und habe fast alle Länder des Kontinents bereist und weiß halbwegs wovon ich spreche.

    Aber zurück zum Thema. Die Frage der Entsorgung atomaren Mülls wiegt für mich schwerer als der Nutzen der Energie. Stollen oder Bergwerke kann man noch so sicher bauen, aber letzten Endes befinden sie sich in einer geradezu lächerlichen Tiefe der Erde. Gerade in Anbetracht der Tatsache dass wir uns mit den ach so tollen Lagerungsstätten auf Kontinentalplatten befinden, die selbst auf einem Lava/Magma-Strom schwimmen.
    Es würde auch niemand ein Haus in einer Schrottpresse bauen, nur weil niemand weiß wo sich der Schalter zur Aktivierung dieser befindet.

    Deswegen: Atomausstieg ja, von mir aus auch erst zum festgelegten Datum. Hauptsache er ist dann Realität.

    AntwortenAntworten
  2. Gravatar Icon oswald

    schrieb am 6. Juli 2009 um 00:59 Uhr:

    Atomkraft für Anfänger:

    “Wir bauen uns ein Atomkraftwerk”

    schau mal:

    http://www.youtube.com/watch?v=BtRUrxVNC6k

    AntwortenAntworten
  3. Gravatar Icon Fern Rupertus

    schrieb am 6. Juli 2009 um 10:11 Uhr:

    Mir fehlt bei den ganzen Diskussionen über den Atomausstieg häufig die Tiefe und die Kenntnis in den Argumenten. Hier gibt es eine gute Webseite, wo jeder Einzele seine Bücher empfehlen kann, damit man besser informiert ist für heiße Diskussionen. Ich finde die Seite sehr interessant, denn es wurde in Diskussionen in meinem Freundeskreis immer schnell emotional und unsachlich. Außerdem waren die Begründungen alles andere als fundiert.

    AntwortenAntworten

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