In Hamburg wird es, geht es nach dem Willen der Stadtentwicklungsbehörde, zukünftig so genannten “Shared Space” geben. Das Verkehrssystem des “geteilten Raumes”, kommt aus Holland und bezeichnet eine völlig neue Nutzungsform von Verkehrswegen.
Was ist “Shared Space”?
Dem englischen Ungetüm hat man in Deutschland eine Übersetzung in Form von “Gemeinschaftsstraße” verpasst. Klingt irgendwie bürokratisch, beschreibt aber das neue Straßenkonzept recht gut: eine Straße für alle. Denken wir, je nach benutztem Fortbewegungsmittel, “Meine Straße!”, “Mein Radweg!”, “Mein Fußweg!” wird es in den Gemeinschaftsstraßen diese egoistischen Besitztumsansprüche nicht mehr geben, denn es gibt nur noch eine breite Straße, die sich Fußgänger, Autofahrer, Radfahrer, Skater & Co. absolut gleichberechtigt teilen. Verkehrsleittechnisch gilt die StVo, Verkehrszeichen gibt es keine.
Wo soll “Shared Space” entstehen?
In Hamburg wurde die Entscheidung, wo Gemeinschaftsstraßen eingerichtet werden, an die jeweiligen Bezirke übertragen. Als erste Wunschkandidaten wurden die attraktiven Straßenzüge Lange Reihe (St. Georg) und Osterstraße (Eimsbüttel) definiert.
Welche Anforderungen müssen erfüllt sein?
Wer nun aber denkt, plötzlich rennen in der halben Stadt alle Verkehrsteilnehmer quer durcheinander, dem seien folgende Anforderungen an die Einrichtung einer Gemeinschaftsstraße aufgezählt:
- die Straßenzüge dürfen nicht länger als 400 Meter sein
- es dürfen keine Parkplätze eingerichtet werden (freie Sicht)
- nicht mehr als 20.000 Autos/Tag
- die Zustimmung der Anwohner ist nötig
- es müssen überwiegend Ladengeschäfte entlang der Straße sein
Risiken und Nebenwirkungen:
Stellt man sich eine Straße vor, die den oben genannten Anforderungen entspricht und stellt man sich ferner vor, dass plötzlich keine Fahrbahnmarkierungen, Verkehrschilder oder Ampeln da sind, kann einem ganz mulmig werden. Viele werden “Schwachsinn” rufen, aber ich denke, erst durch die Einteilung in Fahrbahn, Fuß- und Radweg wurden unnötige Besitzansprüche definiert, die – vor allem durch Autofahrer – z.T. brutal verteidigt werden.
Es wird eine Phase der Umgewöhnung geben, aber den belebt-beliebten Straßenzügen wird eine derartige Auflockerung enorm helfen, die Attraktivität zu steigern. Ebenso werden die Anwohner von diesem neuen Konzept profitieren.
Schwer wird es für die Verkehrsteilnehmer, müssen sie sich doch plötzlich in ihrer Gewohnheit komplett verstellen (und nach dem Verlassen der Gemeinschaftsstraße wieder umstellen). Ebenfalls als kritisch ist der Verlust von Parkfläche zu bewerten. Werden so manche Ladenbesitzer fürchten, dass die Kunden nicht in der Lage sind, die Einkäufe 10 Meter um die Ecke zu tragen, wird sich dieser Vorbehalt von alleine auflösen.
Was denkst du über diese Art der neuen Verkehrsraumaufteilung?
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schrieb am 22. April 2009 um 21:25 Uhr:
Da ich Nahe der Osterstr. wohne bin ich gespannt auf das Projekt.
Momentan ist es sehr wuselig sowohl für Fußgänger als auch für Autofahrer.
Eigentlich hat man schon den Eindruck einer Gemeinschaftsstr. nur das es keiner weiß und jeder sein Recht fordert.