Recordstoreday – Der Tag des Plattenladens

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Huch, kaum einer hat gemerkt, dass am 18. April der Tag des Plattenladens war.

Klagen die Musikverlage über schwindenden Umsatzzahlen dank Raubkopierer, Filesharer und Netlabelism, scheint niemand auch an jene zu denken, die den Verkauf der Tonträger zu ihrem Lebensinhalt gemacht haben. All jene, die unter der Bezeichnung Plattenladen die Musikecke des örtlichen Media-Marktes und Saturns verstehen, werden nur schwer nachvollziehen können, welch sozio-kulturellen Verlust eine etwaige Volldigitalisierung der Musik bedeuten würde. Der Plattenladen ist für viele Jugendliche sozialer Treffpunkt, Ort der Leidenschaft.

Alleine in Hamburg gibt es drei für mich bedeutende Plattenläden, die in ihrem kulturellen Auftreten nicht differenter sein können. Ein kurzer Stadtrundgang zeigt, warum ein Erhalt der Plattenläden unabdingbar für den qualitativen Fortbestand von Musik ist:

Smallville Recordstore:
Fangen wir mal in mitten von St. Pauli, direkt in Reichweite der Reeperbahn an. Dort befindet sich, so groß wie ein durchschnittliches Wohnzimmer der Smallville Recordstore. Stellt man sich einen Plattenladen mit tonnenweise gestapelten und aufgereihten Platten vor, dann kann es passieren, dass man den Laden nicht als solchen wahrnimmt. Cleane Athmosphäre, extrem übersichtliche  Anordnung von relativ wenigen Platten. Zwar bedeutet “wenig” in diesem Kontext schätzungsweise >5000. Fein säuberlich nach Label sortiert, hoher Neuheitenanteil, handverlesen. Trotz der geringen Größe des Ladens und der geringen lagernden Anzahl an Platten, lohnt sich ein Besuch, da die Platten augenscheinlich von den Betreibern – u.a. Lawrence – mit bestem Geschmacksgefühl für aktuelle elektronische Musik ausgewählt.
Und wer erstmals in ein Wohnzimmer kommt, der fällt auf. Anonymes Plattenkaufen ist hier Fehlanzeige.

Otaku Records:
An der Feldstraße, gegenüber vom Hochbunker am Heiligeneistfeld gelegen, bietet die Fusion aus Plattenladen mit angeschlossenem Friseur eine ungewöhnliche Kombination. Otaku entspricht schon eher dem Bild eines klassischen Plattenladens. Das Verhältnis zwischen Luft- und Vinylvolumen tendiert hier schon in Richtung 50:50. Neben eine Neuheitensektion besticht die Auswahl vor allem durch einen guten Label-Backkatalog sowie Sound jenseits des 4/4-Taktes. Wer mit einer gezielten Suche den Laden betritt, erfährt vom anwesenden Personal binnen weniger Sekunden, ob sich der Besuch lohnen wird. Beratung inklusive.

Plastik Tonträger:
Inmitten der Café- und Trendmeile entlang des Schulterblattes, liegt die dritte Instanz in Sachen Plattenläden Hamburgs. Plastik bietet dem Sammler ein Paradies. Neuheiten im großen Stil sucht man hier vergebens. Ist man aber auf der Suche nach Perlen alter Backkataloge, steht dem Vinylisten neben dem mächtigen Angebot im Obergeschoss auch noch ein Archiv im Keller zur Verfügung, welches mit eigener Online-Suche durchforstet werden kann. So manch verloren geglaubten Schatz – ob Techno, Hip-Hop, Rock und Soul – habe ich dort schon zu Tage gefördert. Wer zu Plastik geht, weiß, was er sucht. Etwas eigen, aber auch sympathisch: das Personal legt großen Wert auf ordentliche Handhabung der Platten. Ein Fingerabdruck auf der Platte wird mit Ermahnung geahndet. Aber keine Angst, rausgeflogen bin ich noch nie.

Man kann an diesen drei Beispielen erahnen, was passiert, wen es eines Tages heisst: “MP3 killed the vinyl”.
Plattenläden sind die Orte, neben den Clubs, wo Musik lebendig ist, wo der Geruch der Platten der Musik eine weitere Ebene verpasst. Die Betreiber sind Gleichgesinnte, sie verstehen den Käufer, können seine Passion nachvollziehen.

In diesem Sinne lohnt es sich, den Tag des Plattenladens laut bekannt zu machen.

(via De:bug)


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Ein Kommentar bis jetzt, schreibe hier auch etwas.

  1. Gravatar Icon baze.djunkiii

    schrieb am 19. April 2009 um 02:57 Uhr:

    da bedankt sich ein teil des otaku personals mal für die nette erwähnung ;)

    AntwortenAntworten

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