Porno in der Badewanne

porno

Mietwohnungen – vier Wände, die Geschichten erzählen könnten, hätten sie es etwas besser der Sprache drauf. Generationen von Menschen haben sie beherbergt, mussten zerberstendes Geschirr ertragen, wohnten Verbalkriegen bei und wurden Zeugen prekärer Stellungsexperimente. Zieht man als neuer Bewohner ein, interessiert man sich eigentlich nicht sonderlich für die Vorbewohner, es sei denn, die Fliegen und der moderige Geruch lassen auf ein spontanes, unbemerktes Ableben des Vorgängers schließen. Ansonsten interessieren neben Schnitt und Ausblick noch die Miete und Hausordnung.
Nach eingehender Renovierung sieht die neue Bude wie geleckt aus, jegliches Ungeziefer durfte dank Chemieeinsatz das Zeitliche segnen und so bewohnt mein die Hütte Jahr um Tag. Nun kommt es aber vor, dass sich neugierige Zeitgenossen in versteckte Ecken des Domizils verirren und so ungeahnte Verstecke enttarnen.
Nachdem wir inzwischen eine halbe Dekade den 70er-Jahre Betonhochbunker unser zu hause nennen, verschwand der Hase unter der Badewanne. Anders als heute üblich, besitzt die Wanne nur eine vorgeschraubte Blende am Boden. Dadurch sollte der optische Chic betont und der Staub zurückgehalten werden. Lust, dieses Stück Blech zu entfernen hatten wir scheinbar noch nie. Obwohl sich Madam Hase unter die Wanne quetschen konnte, weigerte sie sich, auch unter Androhung von Fernsehverbot, wieder hervorzukommen. Später sollten wir erfahren, warum.

Unter Zuhilfename technischer Geräte wurde zu später Stunde die seit Jahrzehnten unangetastete Badewannenverblendung entfernt. Darunter kam neben einem völlig verstaubten Karnickel eine ca. 5 cm dicke Staubschicht und historische Magazine zum Vorschein.

Stück für Stück legten wir Pornohefte, den Beate-Uhse-Versandkatalog und Spindplakate interagierender Pärchen aus dem Jahr 1980 frei. Als Dekoration beigelegt waren zudem zwei BHs, eine Feinstrumpfhose und ein Microfaser-Damen-Slip. Trotz ihres Alters waren die Magazine sehr gut erhalten. Keine verklebten Seiten (Badewannenwasser!), keine Mottenbisse. Nur die üblichen Abgrifferscheinungen waren erkennbar.
Dreizig Jahre schlummerten diese Boten einer frühen Sexualkultur unter unserer Badewanne.

Da fragt man sich doch, was schlimmer ist: die Wohnung eines Toten oder alte Pornos unter der Badewanne. Skurril ist beides!


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  1. Gravatar Icon Tobias

    schrieb am 15. April 2009 um 13:26 Uhr:

    *lach* Was ein Fund ;)

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