Blogs sind tot. Ok, vielleicht noch nicht ganz – aber fast. Denn seit Microblogging via Twitter und Co. fehlt dem populären Medium die Schnelligkeit, die noch vor kurzer Zeit den Reiz des Bloggens ausgemacht hat.
So titelt Admartinator auf seiner “formely-know-as-blog”-Webseite. Liegen die Blogs auf dem Sterbebett? Halten Twitter & Co. die Giftspritze in der Hand?
Haben wir noch vor wenigen Monaten gegrölt, als uns jemand mit statischen HTML-Konstrukten um die Ecke kam, wird man heute belächelt, wenn man seine Kommunikationsfähigkeiten noch nicht auf die 140 Zeichen von Twitter subtrahiert hat. Noch nicht einmal abgeebbt sind die Beschimpfungen der Journaille, Blogs sind die Klowände des Internets und schon erklären wir Blogs für tot?
Wirft man aber einen genauen Blick auf das, was bei den Microbloggingdiensten inhaltlich abgeht, wird man feststellen, dass ein Microbloggingdienst ohne Blogs nicht mal Micro wäre. Das “Micro” bezieht sich zumeist auf die Menge der übertragenen Informationen. Kurze Informationsfragmente werden mehr oder minder zusammenhanglos veröffentlicht. Mag das bei Zustandsberichten auf Twitter und identi.ca (“Fieser Nieselregen. Immer wieder gern.”), Linkstipps bei Del.icio.us und Plattentipps auf Blip.fm und Last.fm funktionieren, lahmt das Geflügel an anderer Stelle.
Die Revolution, die die Blogs angeblich in die Netzwelt gebracht haben, war das dezentrale und individuelle Bearbeiten und Recherchieren von Themen, die individuelle Meinungsäußerung, die demokratisch offene Diskussion. Die Klowandbeschmierer setzten die klassischen Redaktionen unter Druck, ihre Beiträge zu öffnen und kommentierbar zu machen. Webinhalte waren stets monodirektional. Der Kunde durfte konsumieren und seine Klappe halten. Erst Blogs haben die bidirektionale Kommunikation ermöglicht.
Wie bei allem was neu ist, bedarf es einer Zeit von Selbstfindung und Evolution. Neunzig Prozent der Blogs spielen innerhalb der Netzwelt angeblich eine zu vernachlässigende Rolle. Dennoch hat sich die Spezies Mensch auch aus einer Ursuppe mit abermillionen Einzellern entwickelt. Ebene jene Blogursuppe brachte das hervor, was den Platzhirschen das Fürchten lehrte: ausführliche Themenabhandlungen, kritische Standpunktbeleuchtung, geekige Gadgetsammlungen und vieles mehr – von Personen jenseits des Mainstream-Bizz. Was einst Redaktionen als Monopolisten erschufen, liefert heute der Blogger. Und der soll jetzt zum Microblogger werden?
Beim Blick auf die Microbloggingdienste Twitter und identi.ca begegnet man sehr häuft den niedlich verstümmelten Links a la http://tinyurl.com/ag54bzt. Wo landet man, wenn man auf diesen Link klickt? Auf einem Weblog, meistens zumindest.
Welchen Gehalt hätte nun so ein Microbloggingdienst, würde man nicht mehr auf opulenten Texten, verknüpften Playlisten oder Fotoblogs landen?
Microblogging ergänzt die digitale Welt, das Web2.1. Es gibt Statements, die keiner vielen Worte bedürfen, es gibt Nachrichten, die schnell um die Welt müssen und manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Es wird die Kunst sein, Blogs und Microblogs miteinander zu verknüpfen. Aber wir sollten nicht auf die Idee kommen, Blogs zu Grabe zu tragen, da wir damit den digitalen Fortschritt den Ast absägen, auf dem er wächst.
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schrieb am 27. Februar 2009 um 15:49 Uhr:
Es wird immer weitergehen … Musik als Träger von Ideen
*kraftwerk*
schrieb am 27. Februar 2009 um 19:39 Uhr:
Speziell dem letzten Satz deines sehr guten Artikels muss ich in vollem Umfang zustimmen. Ich halte Twitter immer noch für eine Randerscheinung, die ohne entsprechenden Content nicht auskommt. Ich denke, sobald die Kommerzialisierung auch bei Twitter Einzug erhält und es von Microblogging zu Microwerbung verkommt, erledigt sich das von ganz alleine. Vom Geektool zum Mainstreaminstrument in 2 Jahren.