Offener Brief: Neid auf die Freiberufler?

Büro ist Krieg
Dieser Tage liefern sich freie und angestellte Journalisten ein Kräftemessen der besonderen Art. In der ersten Runde sorgte der offener Brief eines anonymen Journalisten, der seine Situation mit der von Festangestellen vergleicht und bemängelt, für einen direkten Gegen-Punch von Don Dahlmann. In der zweiten Runde schlich sich ein dritter Mitstreiter ein, ein fauler Redakteur, der zeigt, wie man ohne Bücken zu Geld kommt.

Nun möchte man meinen, die Welt bestünde aus Journalisten, Redakteuren und anderen Freiberuflern. Dennoch gibt es da aber auch noch all jene, die täglich in der Knechtschaft von Großkonzernen und Kleinunternehmen in Angestellten- und Beamtenverhältnissen ackern. Und ja, das Wort “ackern” wurde bewusst gewählt. Ich kann nicht für die breite Masse sprechen, darum antworte ich in meinem Namen:

Die Arbeitszeit?
Der deutsche Arbeitnehmer wird seitens des Arbeitszeitgesetzes überwiegend gemaßregelt. Während der Japaner seine Urlaubstage an einer Hand abzählen kann, schafft dies der durchschnittliche deutsche Arbeitnehmer nicht mal mit allen an seinem Körper hervorstehenden Fortsätzen. Zwar gibt es in Verträgen die Formulierung “Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten”, dennoch hat man die eigenverantwortliche Entscheidungsfreiheit über sein Tages- und Wochenpensum. Zwar gibt es Spitzen im Arbeitsaufkommen, das permanente Überstundenschieben wird seitens der Vorgesetzten ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr toleriert.
Zwar gibt es nicht die Möglichkeit, sich mal eben 11 Uhr ins Café zu setzen, dennoch ist man sehr frei in der Pausengestaltung. Dank fehlender Stechuhr kann man sich auch mal beim Mittag verplaudern. Das Arbeitspensum sorgt jedoch für eine ausgeglichene Tagesbilanz.

Die Kollegen!
Hat der Personalverantwortliche die Zeichen der Zeit verstanden, sind Mobbing und Zickereien Fremdworte. Dank optimaler Altersstruktur und gelebtem Gemeinschaftsgedanken schwingt die Zwangsehe der Angestellten weitestgehend harmonisch. Querschläger gibt es immer, die jedoch von einem personalerfahrenen Vorgesetzten schnell eingefangen werden.

Wer schreibt mir vor, was ich zu tun habe?
Niemand! Zwar wäre es vermessen zu sagen, man darf machen was man will, dennoch ist die Wegbeschreibung auf dem Weg zum Ziel äußerst vage. Sie bietet Spielraum, seinen eigenen Lösungswege zu beschreiten. Am Ende sollte man aber dort ankommen, wo einen der GF erwartet. Schwer wird es erst, wenn Unternehmen auf eine lange Historie zurückblicken. Zu oft fällt dann der Satz “Das haben wir schon immer so gemacht.” – ein Ausspruch, der Anspruch auf Abmahnung haben sollte.

Der Arbeitsort!
Da kann der altmodische Angestellte gegenüber einem Freiberufler einpacken. Leider glauben immernoch zu viele Betriebe, sie müssen ihre Angestellten stets unter Kontrolle haben. Jedoch eignen sich viele Jobs oder Arbeitsprozesse dafür, in Heimarbeit dezentral abgewickelt zu werden. Erste vorsichtige Test sollen Licht ins Dunkel bringen. Mit zunehmender Vernetzung und dem Einsatz moderner Kommunikationstechniken, wird sich auch dieses Manko für einige Berufszweige in den kommenden Jahren reduzieren.

Wohlfühlen?
Ja, man kann sich auch als Festangestellter wohlfühlen. Man hat zwar Regeln zu befolgen, dafür hat man aber auch ein gesundes Maß an Sicherheit im Rücken. Das mentale Ein- und Abschalten beim Betreten und Verlassen der Firma kann sogar als Leistungsfaktor verstanden werden. Personen, die sich permanent mit der Firma beschäftigen, sind ab einem bestimmten Punkt nicht mehr leistungsfähig.
Wenn das Unternehmen dem Mitarbeiter einen Freiraum zur Selbst- und Mitbestimmung lässt und der Mitarbeiter diese Freiheit nutzt, wird das Unternehmen binnen kürzester Zeit viele “kleine” Teilselbstständige beschäftigen. Spricht es ihnen die Freiheit ab, sinkt die Motivation und Leistungsfähigkeit.

Egal ob Freiberufler oder Festangestellter, jedes Arbeitsverhältnis hat Vor- und Nachteile. Letztendlich geht es um den Erwerb von Geld und den Spaß an der Arbeit. Wer als Freiberufler über mangelndes Einkommen klagt, der sollte sich z.B. mit einer gelernten Arzthelferin unterhalten, die bei voller Arbeitsleistung 900 EUR netto erhält.

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2 Kommentare bis jetzt, schreibe hier auch etwas.

  1. Gravatar Icon Lutz Spilker

    schrieb am 7. Februar 2009 um 10:26 Uhr:

    Hallo zusammen,

    sorry, aber ich habe exakt bis zu dieser Stelle gelesen:
    ///
    …/…eines anonymen Journalisten…/…
    ///

    Man sollte zu dem stehen, was man so verbreitet… Anonymität ist dabei nicht hilfreich. Chirurgen tragen Masken, wohl aber aus völlig anderen Erwägungen…

    lG
    Lutz

    AntwortenAntworten
  2. Gravatar Icon Markus Albers: “Morgen komm ich später rein”

    schrieb am 7. Februar 2009 um 16:57 Uhr:

    [...] Angestellten, all jenen, die angeblich in der Knechtschaft von GmbHs, AG und KGs schuften, blieb weitestgehend [...]

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