Mich kann man kaufen – Deutschland im Marken-Branding

Operettenhaus

Wir haben uns in unserer monetär fokussierten Gesellschaft offenbar schon so sehr daran gewöhnt, dass immer und überall Werbung draufgedonnert wird. Egal ob an Baustellenzäunen, Autos oder Veranstaltungsorte. Kein Werbeplatz bleibt unangetastet.
Ich habe seit einiger Zeit eine Störung damit, dass ich mir fast die Zunge lähme, wenn ich über das in meiner Nachbarschaft befindliche Sportstadion rede. Wusste früher jeder, was das Volksparkstadion ist und wo es steht, darf man heute das selbe Gebäude nun als finanzkriesengeschüttelte HSH-Nordbank-Arena betiteln. Warum aus einem Stadion eine Arena wurde, bleibt ebenso schleierhaft, werden dort doch noch immer keine Fußballer von stofftuchwedelnden Toreros mit Messern durchbohrt. Ebenso stelle ich die Wirksamkeit der monumentalen Namensplatzierung in Frage. Deutschland ist von gebrandmarkten Arenen übersäht.

Um dem Ganzen aber noch die Krone aufzusetzen, schließen sich nun neben ArenenStadien auch abseits des Sports agierende Veranstaltungsorte mit finanzkräftigen Sponsoren zusammen. Verübeln kann man es ihnen nicht, garantiert der kontinuierliche Geldfluß hochkarätige Veranstaltungen zu erschwinglichen Preisen. Die wenigsten Kulturstätten würden ohne die Finanzkraft von Partnern keine Spielsaison überleben. Aber der Bogen scheint überspannt, wenn z.B. aus dem traditionsreichen Operettenhaus in Hamburg plötzlich das “TUI Operettenhaus” wird. Findet man AllianzArena und VeltinsArena noch erträglich, dreht sich dem kulturellen Feingefühl bei des Operettenhauses neuem Namen der Magen um.

Ein weiterer Nachteil der sichtbaren Namensallianzen ist die geschichtliche Haltbarkeit. Hat einst “Uns Uwe” (Uwe Seelers) im legendären Hamburger Volksparkstadion seine großen Erfolge gefeiert, so weiß heute kaum noch jemand, was die AOL-Arena war, geschweige denn, wo sie stand. Mit dem Wechsel des Sponsors wechselt auch der Name und somit die Wiedererkennung. Und so morphte das Hamburger Volksparkstadion über die Jahre in die AOL-Arena und nun zur HSH-Nordbank-Arena. What´s next?


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  1. Gravatar Icon links for 2009-02-04 through 2009-02-06 | aloha WEBLOG

    schrieb am 3. Februar 2009 um 15:00 Uhr:

    [...] Mich kann man kaufen – Deutschland im Marken-Branding | HASENFARM [...]

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