…und die Arschkarte zieht: Lutz Heilmann

Wikipedia

Stell dir vor, du bist eine öffentliche Person, bist Mitglied des Bundestages und Volksvertreter. Da kann es schon mal passieren, dass sich jemand für dich und deine Vergangenheit interessiert und diese Informationen veröffentlicht. Schließlich möchte das Volk wissen, durch wen es vertreten wird. Sein legitimes Recht.

Lutz Heilmann (DIE LINKE) vertritt da aber eine etwas andere Auffassung. Jetzt hat er per einstweiliger Verfügung die Domain wikipedia.de sperren lassen:

Mit einstweiliger Verfügung des Landgerichts Lübeck vom 13. November 2008, erwirkt durch Lutz Heilmann, MdB (Die Linke), wird es dem Wikimedia Deutschland e.V. untersagt, “die Internetadresse wikipedia.de auf die Internetadresse de.wikipedia.org weiterzuleiten”, solange “unter der Internet-Adresse de.wikipedia.org” bestimmte Äußerungen über Lutz Heilmann vorgehalten werden. Bis auf Weiteres muss das Angebot auf wikipedia.de in seiner bisherigen Form daher eingestellt werden. Der Wikimedia Deutschland e.V. wird gegen den Beschluss Widerspruch einlegen.

Warum? Im Wikipedia-Beitrag zu seiner Person könnte der Verdacht entstehen, er sei bei der Staatssicherheit tätig gewesen. Zitat: “Im Oktober 2005 enthüllte Der Spiegel Heilmanns Stasi-Vergangenheit, die er verschwiegen hatte.”. Er selbst schreibt auf seiner offiziellen Seite in seiner Biografie: “1985 bis 1990 Wehrdienst/ Wehrersatzdienst bei der Abteilung Personenschutz des Ministeriums für Staatssicherheit” (Quelle). Die Diskussion um Amtsträger mit Stasi-Vergangenheit ist hinreichend bekannt.

Dennoch schockiert dieses Vorgehen und die richterliche Entscheidung. Der Wikimedia Deutschland e.V. ist ein gemeinnütziger Verein zur Förderung Freien Wissens, der über die Anwendung der Wikipedia aufklärt. Betreiber der Enzyklopädie, die die unerwünschten Daten des Herrn Heilmann enthält, ist die in der Anbieterkennzeichnung der Enzyklopädie genannte Wikimedia Foundation, eine in Florida, Vereinigte Staaten, inkorporierte Stiftung mit Sitz in San Francisco.

Vor dem Hintergrund, welch ungeheure Macht das Internet inzwischen auch für die Politik hat (vgl. Obama & die Macht des Netzes), kann ich Herrn Heilmann nur für diese wunderbare Eigentor beglückwünschen. Er ist der Depp, die Wikipedia der Sieger.

Weitere Meinungen zum Thema:

Update: Die Entrüstungswelle ist durch die Blogosphäre durch. Herr Heilmann äußert sich bei Zoomer.de über die Hintergünde:

Lutz Heilmann selbst erklärte im Gespräch mit zoomer.de, dass Ende der vergangenen Woche in seinem Wikipedia-Artikel mehrere “falsche Tatsachenbehauptungen” eingetragen waren …”. Nachdem diese Behauptungen (…) wiederholt als vermeintliche Tatsachen in seinem Wikipedia-Artikel auftauchten, habe er sich wegen Rufschädigung zu diesem Schritt gezwungen gesehen. “Weil ich keine andere Möglichkeit sah, habe ich diese einstweilige Verfügung beantragt”, so Heilmann. “Sobald die falschen Behauptungen bei Wikipedia verschwunden sind, ist die Sache aber erledigt.” Dann werde er auch die einstweilige Verfügung zurückziehen. “Das Allerletzte was ich will, ist die Meinungsfreiheit einzuschränken.”

Und nun darf darüber gestritten werden, ob der Schritt, das Eingangsportal Wikipedia mit Zugang zu seinen über 10 Millionen Artikeln zu blockieren, legitim ist. Mich würde im Speziellen die Meinung von rottenneighbour.com-Geschädigten interessieren…