
Als ich vor einigen Jahren in die Hansestadt zog, lernte ich neben der neuen Definition von Regen (1x täglich, ca. 8 Stunden) auch das sonderbare Verhalten von Verkehrsteilnehmern angrenzender Landkreise kennen. Anfangs kamen die Warnungen in mündlicher Form. Ich solle mich vor den Provinzidioten in Acht nehmen. Gemeint waren Besitzer, in Pinneberg gemeldeter Kfz mit dem Kennzeichen PI.
Als toleranter und verständnisvoller Nichthamburger habe ich diese Warnung belächelnd abgetan. Ich überzeuge mich halt gerne mit eigenen Augen von Tatsachen. Gelegenheit bekam ich dazu in den letzten Jahren sehr oft.
Meine Erfahrungen gipfelten gestern Abend, als sich mir, auf der Straße fahrend, ein Linksabbieger in den Weg stellte. Nachdem er freundlicher Weise mein Fahrrad von der 4spurigen Hallerstraße gesammelt und sich von meiner Unversehrtheit überzeugt hat, gestand er, mich zwar gesehen, aber die Frau auf dem Fußgängerüberweg zu spät erkannt zu haben. Und so bremste er, auf meiner Fahrspur stehend. Welche Chancen der Aufprallvermeidung man in solcher Situation als Rad- oder Autofahrer hat, kann sich jeder (außer die Pinneberger) leicht ausmahlen. Mein Rad jedenfalls ließ ich mit einer Vollbremsung seitlich an sein Heck knallen. Man muss halt sehen, wo man bleibt.
Es tut mir leid, liebe Pinneberger, ihr mögt ja auf einem sehr schönen Fleckchen Erde leben. Dörfliche bis kleinstädtische Atmosphäre und trotzdem in der Nähe eines urbanen Ballungsgebietes. Aber bitte nutzt, wenn ihr eure Stadtgrenze überschreiten müsst, die öffentlichen Verkehrsmittel. Die sind nicht nur schneller, sondern schützen uns Hamburger auch vor Euren fahrtechnischen Unzulänglichkeiten. Ihr leistet damit übrigens auch einen Beitrag zur Entlastung eurer eigenen Haushaltskasse, da die Versicherungsbeiträge schlagartig sinken werden. Glaubt mir.
Abschließend muss ich für den Unfallverursacher aber noch eine Lanze brechen: heute morgen rief er mich an und fragte, wie mein Wohlbefinden sein. Sein Auto hat auch unter ordentlicher Beleuchtung keinen Schaden vorweisen können und so gingen wir, uns gute Fahrt wünschend, auseinander.
(Bild: “Bike Crash Sign” by Fred Hsu)
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