Mer muß och jönne könne

Wie konnte es nur dazu kommen? Milliardengräber tun sich erst in Amerika, dann Europa auf, Unternehmen der freien Wirtschaft werden durch staatlich verordnete Finanzspritzen beinahe wieder verstaatlicht und der kleine Mann auf der Straße fasst sich kopfschüttelnd in seine Hosentasche in der er neben ein paar Brotkrümeln und Staniolpapier ein paar Cent findet. Die Verantwortlichen der Geldvernichtungsmaschinen dürften dieser Tage zwar unruhige Zeiten erleben, ihre Schäfchen aber schon längst im Trockenen haben. Im Geldtornado verlieren eh nur sehr wenige Manager ihr Obdach. Warum und vor allem, wie konnte es nur soweit kommen, schallt es durch die Lande? Faule Kredite, geplatzte Bürgschaften und versehentliche Millionenüberweisungen. Gier und Macht – die Schlüssel zum Erfolg.

Das Lebensmotto im 21. Jahrhundert lautet “Jedem das Seine und mir das Meiste”. Der allmorgentliche Blick in den Spiegel definiert das Zentrum des Universums, den, um den es im Leben geht. Warum arbeitet man? Die Meisten werden materielle Beweggründe angeben: Auto, Flatscreen, Wohnung/Haus… Nur sehr selten hört man humanitäre oder karitative Motivation. Diese Reaktion ist grundsätzlich auch nicht verwerflich, jedoch stellt die Art und Weise, wie die Ziele erreicht werden unsere Gesellschaft derzeit vor große Herausforderungen. Die eine Hälfte der Welt verhungert mangels Kleingeld, weil die andere Hälfte der Welt ihre Gewinne maximiert, indem sie auf explodierende Rohstoffpreise spekuliert. Jeder Cent, den der mexikanische Mais im Preis steigt, lässt das Facelifting der Vorstandsgattin in sichbare Nähe rücken. An Schizophrenie und Perversion kaum zu überbietende Marktreaktionen. Die Gier sorgt dafür, dass bei Gewinnen im Millionenbereich noch lange kein Ende in Sicht ist. Je mehr Geld, – und hier kommt der zweite Schlüssel ins Spiel – desto mehr Macht.
Richtig krank wird das Streben nach Geld und Macht, wenn es um den Umgang mit dem Eigenen Lebensspender, der Erde geht. Die Lobby der Automobilindustrie ringt mit den Umweltorganisationen um jeden Liter Kraftstoff, den die Autos der Zukunft weniger verbrauchen sollen. Je dicker das Auto, desto mächtiger der BesitzerLeaser. Der Mensch, als angeblich intelligentestes Wesen auf diesem Planet, sägt gerade fleißig am Ast, auf dem er sitzt:

Der 23. September markiert den Tag im Jahr 2008, an dem alle Ressourcen, die unser Planet in diesem Jahr zur Verfügung stellen kann, bereits vollständig aufgebraucht sind…

Ab diesem Tag lebt die Menschheit als Ganzes auf Pump, zehrt vom ökologischen Kapital, anstatt sich mit den Zinsen zu begnügen… Wir leben vom Raubbau an der Natur und konsumieren mehr als tatsächlich zur Verfügung steht. Diese Übernutzung ist die Wurzel vieler Probleme unserer Zeit: Klimawandel, Artensterben, Verlust der Wälder, Kollaps der Fischbestände und die weltweite Nahrungsknappheit… (Quelle: europaticker)

Dabei sind wir Menschen durchaus eine sozial-veranlagte Spezies. Haben wir doch, in Form unserer Vorfahren, in großen Gruppen in Höhlen zusammengelebt und nach klarer Aufgaben- und Verantwortungsverteilung gelebt. Die Gemeinschaft konnte nur überleben, da jeder an jeden dachte. Heute sind unsere Sippen in den wir leben deutlich dezimiert. Wenn nicht gerade Handentspanner, betreibt man seine moderne Höhlengemeinschaft meist zu zweit, selten zu dritt oder mehr. Kein Wunder, dass der Sinn für die Umwelt abhanden kommt, dreht sich doch die Welt nur um einen selbst. Wenn nun aber die Zielgruppe der “Bild” laut aufschreit und proklamiert, dieses Über-den-Kamm scheren trifft nur auf den snobbistischen Geldadel zu, dann erhebe ich die Hand und behaupte, der Egoismus beginnt schon beim Stinknormalbürgern und macht selbst vor der aufgeschlossenen Netzcommunity halt. Wer derzeit bei der Panini-ähnlichen Sticker-Sammelaktion bei St. Paulini mitmacht, darf ernüchert feststellen, dass – sobald er weniger als 3 Sticker benötigt – plötzlich keine Tauschpartner mehr findet, die ihm kostenfrei zum Erfolg verhelfen. Es geht nicht um das eigene Vorankommen, sondern um das Ausbremsen der anderen. Nicht der eigene Gewinn steht im Vordergrund, sondern das Ausbremsen der Anderen. Dabei vergisst man nur allzu leicht, welchen Chancen man sich selber beraubt.

In Köln gibt es das schöne Sprichwort “Mer muß och jönne könne”, was frei ins Hochdeutsch übersetzt etwa soviel bedeutet, wie “man muß auch mal gönnen können”. In diesem Sinne, denk mal drüber nach, denn we will get what we give.


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  1. Gravatar Icon Martin

    schrieb am 25. September 2008 um 19:27 Uhr:

    Nur für die, die sich immer wundern und fragen wie kommt das nur sei hier angemerkt:
    Amerika ist pleite, und wird sich in den nächsten 30 Jahren zu einem dritte Weltland entwickeln. Dies bedeutet auch, dass unser Bevölkerungsproblem in Europa reduziert wird, denn die guten pfiffigen Amerikaner werden logischer Weise spätestens in 5 Jahren in Europa studieren und hier arbeiten wollen. Ich will es nur mal gesagt haben, nicht, dass es im Nachhinein heißt, es hätte niemand gewußt.
    Warum das so werden wird kann man sich an den 5 Fingern ausrechnen, genauso, wie die jetztige Bankenkrise keine Überraschung ist.
    Die einfachen banalen Erklärungen sind:
    Amerika ist mit über 3 Billionen Dollar verschuldet. Amiland hat eine geringere Bevölkerungszahl als Europa. Je mehr Handelshindernisse in Europa abgebaut werden, desto kleiner wird der amerikanische Markt im Verhältnis. Dh. auf Dauer wird man in Europa billiger, als in den Usa produzieren können. Drittens, warum es mit Ammiland vorbei ist. Die USA haben einen zu hohen Energieverbrauch. Den abzubauen können sie nur durch Kreditaufnahme. Es ist vorbei mit AMIland und man sollte so schnell wie möglich aufwachen.
    Was mich bei dieser Börsen und Bankenkrise wundert, ist, dass man doch schon seit den 80iger Jahren darüber diskutiert, dass das amerikanische Bankensystem unweigerlich zusammenbrechen muß. In den 90 igern hat man (bzw auch ich) mich darüber gewundert, dass es immer noch nicht zusammengebrochen ist. Am 11 September die Sache mit den Flugzeugen habe ich mich gefragt, warum die das nicht schon 10 Jahre früher gemacht haben. Nur mal so nebenbei.. die Erklärung zur Bankenkrise liegt schlicht und ergreifend an der Erfindung des Zinses. Weil dadurch die Wirtschaft gezwungen ist ein Produktivitätswachstum zu haben. Es ist auch logisch. Denn wenn ich eine Maschine mit Zins kaufe, dann muss die Maschine den Zins erwirtschaften. Und wenn man zusätzlich noch auf den Zins spekuliert und im besten falle Gewinn macht, dann ist es ebenso logisch, das irgendjemand schneller als vorher arbeiten muss. Wenn das nicht der Fall ist, dann gibt es irgendwann ein leeres Portemonaie. Deutschland braucht z.B. ein Wirtschaftswachstum von ca 2,1% jährlich, um damit auf +-0 zu kommen. Alles was unter 2% liegt bedeutet, dass Deutschland sich pro Kopf mehr verschulden muss. Wir haben zur Zeit ein Wirtschaftswachstum von 1-1,5 …. Erst ab ca 2,2 % kann Deutschland seine Schulden abbauen, ohne dass wir es merken. So ab jetzt wisst ihr, wenn ihr im Radio hört “Deutschland wird voraussichtlich das spitzenmäßige Wirtschaftswachstum von 1,5 % haben” Das heißt nichts anderes als, die Prokopf-Verschuldung steigt um jährlich einige Tausende Euros pro Leser an. Und dann kommt noch der Zins drauf.

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