neue Studie: Benzin viel zu billig

BLÖD: Benzin viel zu billig

In der aktuellen ADAC Motorwelt (September 2008) bin ich auf die beiden abgebildeten Charts gestoßen. Während ca. 51% der deutschen Arbeitnehmer weniger als 10 km Arbeitsweg haben, wählen jedoch knapp 64% das Auto als Transportmittel. Nur 32% nutzen umweltverträglichere Alternativen. Verfolgt man die Entwicklung der Kraftstoffpreise und den stetig wachsenden Unmut der Konsumenten, fragt man sich, warum sich dieses Bild so darstellt. Dabei scheint sich der Verbraucher selbst ein Bein zu stellen.

So lang ist der Arbeitsweg der Deutschen:
ADAC_Chart_1
So kommen die Deutschen zu ihrem Arbeitsplatz:
ADAC_Chart_2

Folgendes “Worst-Case-Szenario” spielt sich demnach täglich auf deutschen Straßen ab:

Der Durchschnittsverbrauch aller in 2007 zugelassenen Fahrzeuge berägt ca. 7 l/100km (Quelle: Kraft-Bundesamt). Entwicklungstechnisch bedingt nehme ich einen durchschnittlichen Verbrauch von 8 l/100km an. Bei Kurz- und Stadtfahrten dürfte dieser Wert aber sehr optimistisch gewählt sein. Die Agentur für Arbeit vermeldet im Juli 2008 ca. 27 Mio. sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer. 40 Mio. sind als erwerbstätig gemeldet.
Ich unterstelle, dass von den 64% sozialversicherungspflichtigen Kurzstreckenfahrern die Hälfte durchaus ohne großen körperlichen Aufwand zu Fuß oder mit dem Rad zur Arbeit kommen könnten. In urbanen Ballungsräumen würde dieser Schritt sogar zeitliche Vorteile mit sich bringen, fährt man doch bequem am Stau vorbei. Somit fahren 32% der Arbeitnehmer aus Faulheit oder Bequemlichkeit unnütz mit dem Auto durch die Gegend. Diese 8,6 Mio. Arbeitnehmer, die mit ihrem 8-Liter-Fahrzeug-2×5 km pro Tag zurücklegen, verursachen einen Kraftstoffverbrauch von knapp 6,9 Mio. Liter pro Tag. Bei einer Preislage von 1,45 EUR/Liter Kraftstoff, bläst der deutsche Arbeitnehmer täglich knapp 1 Mio. EUR pro Arbeitstag in die Luft bzw. in die Taschen der Mineralölkonzerne. Eine Summe, die auch in Urlaub, Unterhaltungselektronik oder Blumen für die Ehefrau angelegt werden könnte.

Zwar vermelden Nahverkehrsunternehmen einen Anstieg der Personenzahlen, die befördert wurden, aber das Potential ist noch viel größer. Erkennt man, dass Angebot und Nachfrage preisbeeinflussende Wirkung haben, hat der Deutsche die Preisbildung an den Zapfsäulen zwar in der Hand, weiß aber nicht damit umzugehen. Oder – ich komme auf meine eingangs aufgestellte These zurück – der Kraftstoff ist noch zu billig, als dass man seinen fetten Arsch auf´s Rad schwingt. Wohlstandskrankeit “Bequemlichkeit”.


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