Techno-Festivals funktionieren nicht

Grünanlage

Das war es nun. Mein erstes Festival, ein Technofestival, unter freiem Himmel und draußen. Gute 14 Jahre zeigte ich mich dem Tanzen unter freiem Himmel (Loveparade ausgenommen) gegenüber resistent. Als eingefleischter Anhänger der elektronischen Musik verschlug es mich vor 2 Jahren erstmal überhaupt auf eine mehrtägige Open-Air-Veranstaltung, dem SPLASH!. 3 Tage wachHip-Hop und keiner verstand, warum ich dort soviel Spaß hatte und dennoch die Nature Ones, Sonne Mond und Sterne und Fusions dieses Landes mied. Ich konnte mir nicht vorstellen, mehrere Stunden, ja vielleicht sogar Tage das monotone Bassschlagen zu ertragen und – was der eigentliche Grund ist – die anderen Besucher bei Tageslicht zu sehen. Mir hat damals der Anblick der Raver Morgens um 8 Uhr am vorletzten Tresor-Abend schon gereicht. From dusk till down sozusagen. Bei Hip-Hop war das anders. Jede volle Stunde neue Beatz und Rhymz, andere Typen und die Drogen der Besucher machen eher relaxt als aggresiv.

Gestern jedoch machte ich mich zum nahegelegenen Grünanlage-Festivalchen auf, um meine Theorie unter Realbedingungen zu verifizieren. Ein Zelt und eine Freilichtbühne wurden bespielt. Ich vermied es, im Hellen zu kommen, um nicht gleich die erste Dosis Abturn zu bekommen und das Experiment zu gefährden. Aber was soll ich sagen, nach nur 4 Stunden saß ich wieder in meinem Auto und fuhr nach Hause. Was war geschehen?

Das, was ich stets vorhergeahnt hatte. Techno – und darum geht es – kommt in meinem Verständnis aus der Dunkelheit eines Kellers. Die Musik ist schroff, laut und kompromisslos. Die akustische Ebene wird durch die Visuelle gestützt. So wie die Musik, sollte die Lichtlandschaft nur aus minimalen aber dennoch gehirnmanipulierenden Sequenzen bestehen. Beide Komponenten in einem geschlossenen Raum lassen die Wirkung der Musik entfalten und den Tänzer eins mit sich und der Musik werden. So meine philosophische Betrachtung der Musik.
Techno hat nichts mit Rasen, Wiesen, Bäumen und frischer Luft zu tun. Ein kleines Zelt im Dickicht am Rande einer Industrieanlage und mangelhafte Beleuchtung rauben der Musik die Seele. Die umgebenden Leute zu sehen und teilzuhaben an ihren Gesprächen geht auch nicht. Das Gefühl, jeden Moment einen Vogelschiss oder andere vom Himmel herabfallenden Dinge ab zu bekommen, machen mich nicht locker. Vom Wind wollen wir mal ganz schweigen.
Und so wachte ich heute Morgen zwar enttäuscht aber dennoch bestätigt auf, schloss meinen beiden 1210er wieder an, schloß Tür und Fenster, lauschte dem Kratzen der Nadel auf dem Vinyl bis die Bassdrum durch die Kupferleitungen meiner AKGs schossen. Die Musik kann so schön sein – wenn nur der Rahmen stimmt.


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