Underworld in Hamburg

Die Wegbegleiter meiner musikalischen Entwicklung der letzten 13 Jahre kamen mit krankheitsbedingter, zweimonatiger Verspätung. Aber sie kamen. Underworld, repräsentiert durch Karl Hyde, Rick Smith und Darren Price, luden anlässlich ihres neuen Albums zur “Oblivion with Bells”-Tour.
Das Docks war voll und rauchfrei, die Vorband hatte technische Probleme und die Gäste – eine Mischung von New-Elektrokindern bis Wechseljährigen – waren voller Erwartung. Auf der Bühne stand Studiotechnik, wahrscheinlich im Wert von mehreren Mittelklassewagen, mit allerlei Geblinke. Keine beeindruckende Installation. Selbst beim Betreten der Bühne hielt sich die Euphorie des Publikums in Grenzen. Karl Hyde, im glitzernden Hemd, hüpfte engagiert umher und stellte damit auch das Einzige dar, was sich bewegte. Die Showeinlagen von Technikern begrenzen sich halt auf das Wechseln der Spurbeschriftungen und Knöpfchendrehen am Mischpult.
Dennoch gelang es den Dreien im Laufe der Show die Leute mit auf ihren Weg zu nehmen. Ein Weg von leichter Melancholie aktueller Veröffentlichungen bis hin zu treibenden Techno-Beats aus den frühen Tagen. Das Bühnenbild wurde mit 12 überdimensionalen, innenbeleuchteten Luftschläuchen zu einer abstrakten Installation verwandelt und bot dem Auge willkommene Abwechslung. Die Stimmung stieg. Und als der Lichttechniker auch noch den Schalter für die Stroboskope gefunden hatte, gab es kein Halten mehr.
Zudem stellte die aufgefahrene Soundanlage das Beste dar, was ich je live erlebt habe. Präziese Basse, die tief in der Magengegend wühlten und saubere Höhen verschafften ein unvergleichliches Klangerlebnis.
Letztendlich war es ein phantastischer Auftritt, weitaus interessanter, als anfangs geglaubt. Es war ein schöner Ausflug in die Gefühlswelt der Zeit, als Karl Hyde noch mit Wollmütze bekleidet mit “Born Slippy” den Film “Trainspotting” in einen Kultfilm verwandelte.

Abschließende stelle ich denoch die Frage: Gehört Musik aus dem Clubkontext auf eine Showbühne? Eine Antwort gibt es losgelöst von diesem Artikel.

Zum Abschluß gibt es meinen Lieblingstrack “Dark & Long”