Die Quelle des Anstoßes steht in der taz.de.
Jan Metzger, stellvertretender Leiter des ZDF-heute journals, sagt: “Das Web 2.0 und der Bürgerjournalismus werden überschätzt. Das Meiste davon ist irrelevantes Geplapper”.
Dietmar Timm, seines Zeichens Multimedia-Chef von Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk, formuliert seine Position nicht so einseitig, unterscheidet aber sehr wohl Blog von Radio. So haben “…die Podcaster das Radio und vor allem das Wortprogramm wiederbelebt meint aber, man müsse bei der Realität bleiben: Podcasts und Rundfunkanstalten seien zwei verschiedene Dinge – weil die Deutschlandradios eben öffentlich-rechtliche Aufträge ausfüllten und Podcasts sich auf Nischen beschränkten. Und weil die Reicheweite von Radio viel größer sei.”
Wieder Beispiele für die maßlose Unterschätzung eines neuen Mediums? Ich erinnere an die Musikindustrie und ihre panischen Versuche, die verlorenen Kunden zurückzugewinnen, nachdem der Zug schon längst weg war. Während die Wirtschaft inzwischen den “Long Tail” als Zukunft des Verkaufens erkannt hat, schaffen es die Herren vom öffentlich-rechtlichen nicht, dieses Phänomen auf ihren Geschäftszweig zu übertragen. Ein klassischer Trugschluß, der bestraft werden kann.
2006 gab es laut Wikipedia 353 verschiedene Tageszeitungen. Viele schreiben Ähnliches aber bedienen verschiedene Gruppen. Wer regt sich über diese Papierverschwendung auf? Niemand! Brauchen wir überhaupt so viele? Ja, denn 80 Millonen Menschen werden kaum die selben Interessen haben, die 353 Tageszeitungen abdecken.
Die technische Entwicklung im Web2.0 bietet jedem die Chance, sich auszuprobieren, sich zu entfalten. So entwickelt sich eine ernsten Konkurrenz für die klassischen Medien. Informationen sind frei und überall erhältlich. Blogger bündeln diese Informationen und bieten sie im Rahmen eines Konzeptes an. Warum soll ich mir eine Zeitschrift kaufen, wenn mich ein Blogger mit Informationen versorgtm, die mich interessieren. Erst durch die Masse an Blogs und Podcast mit verschiedenen Konzepten, entwickelt sich eine eigenständige Kultur der modernen Presse.
Warum gerade der Leiter des ZDF-heute journals diesen Ausspruch wagt, wo das ZDF im Rahmen der letztzen IFA seine Mediathek vorgestellt hat, ist schwer nachzuvollziehen. Denn schließlich kann dort jeder das sehen, was ihn wirklich interessiert. “TV-on-demand” quasi. Warum das in Zukunft nicht auch bei Nachrichten und Hörfunk gesehen wird, ist fraglich.
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