Bootcamp als faules Alibi

Apples Bootcamp, welches Windows in abgesicherter Umgebung unter Mac OS X das Laufen ermöglicht, scheint Fluch und Segen in sich zu vereinen. Hinter der Befähigung von Macs, das fremdartige Betriebsystemmonster zu ertragen, steckt in erster Linie die Marketingstrategie von Apple, neue Zielgruppen zu erschließen. Macs sind schick, trendy, sexy…hatten aber vor Bootcamp den Nachteil, dass es Einiges an Umgewöhnung bedurfte. Dank Bootcamp können Windows-Nutzer nun mit den schicken Rechnern arbeiten, ohne sich an das, meiner Meinung nach deutlich bessere, neue Betriebssystem gewöhnen zu müssen. So weit so gut. Aber was macht die Softwarebranche?
Viele Unternehmen beginnen, Software für Mac OS X zu schreiben, aber in den letztzen Tagen erhielt ich auf Anfragen erschreckende Antworten. Da wurde seitens der Industrie meine Frage nach einer OS X-Version der von mir genutzten Programme direkt auf Bootcamp verwiesen und eine Programmierung auf die neue Platform verneint. Diese Aussagen haben mich kopfschüttelnd zurück gelassen. Da scheint jemand nicht verstanden zu haben, wie sich der Markt entwickelt. Wer erstmal erkannt hat, was das OS X zu leisten im Stande ist, der wird beginnen, nach Wegen zu suchen, das Fehlermeldungsgenie Windows hinter sich zu lassen. Zudem wird auf sich kein Nutzer auf Dauer damit zufrieden geben, zwei Betriebssysteme auf seinem Rechner parallel zu nutzen, denn irgendwann wirft schließlich jeder, der ein Navigationssystem im Auto hat seinen Stadtplan aus dem Handschuhfach.
Die Softwareschmieden sollten sich nicht mit dem Verweis auf Bootcamp aus der Verantwortung ziehen, sich dem neuen Marktsegment der OS X-Nutzer zu öffnen. Ich jedenfalls werde kein Windows mehr nutzen, sondern mich nach Alternativen umsehen, die OS X unterstützen.


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3 Kommentare bis jetzt, schreibe hier auch etwas.

  1. Gravatar Icon Jan

    schrieb am 11. Dezember 2007 um 11:39 Uhr:

    Kleiner Hinweis: wenn es nur um kleinere Programme geht, nutze doch einfach eine Virtualisierungslösung (z.B. Parallels oder VMWare). Der Umweg über Bootcamp ist nur dann erforderlich, wenn Du wirklich rechenintensive Programme benutzt, die die Ressourcen wirklich brauchen (das dürfte bei den wenigsten Anwendungen der Fall sein).

    Parallels ist inzwischen wirklich gut und vor allem sehr komfortabel, da man quasi on the fly zwischen Windows und OS X hin- und herwechseln kann, ohne den Rechner neu booten zu müssen. Windows wird einfach in einem Fenster ausgeführt und ist schneller hochgefahren, als ein physikalischer Rechner das je könnte :-) . Dateien zwischen Mac OS und Windows auszutauschen ist dann auch kein Problem mehr: das geht einfach via drag and drop, während man bei Bootcamp über eine FAT32 formatierte Platte gehen müßte, da Windows das Mac Format nicht lesen kann – zumindest nicht so ohne weiteres.

    Die Idee auf Alternativen auszuweichen ist natürlich auch nicht verkehrt, aber es gibt einige Programme, die kann man nicht substituieren (wie machst Du Deine Steuererklärung ? ;-) ).

    Windows generell zu verteufeln ist auch nicht wirklich objektiv :-) : Es würde die Hersteller enorme Entwicklungsressourcen kosten, ein für Windows existentes Programm auf Mac OS zu portieren und die Politik Apples erleichtert dieses Vorhaben nicht unbedingt.

    Beispiel 10.5: Apple hatte kurz vor Release plötzlich entschlossen, statt des bisher verwendeten Carbon Framework (was vor einem Jahr angekündigt wurde) bei 10.5 ausschließlich auf Cocoa für 64 Bit Anwendungen zu setzen, was es Herstellern wie Steinberg oder Avid quasi unmöglich macht, ihre sehr komplexen Applikationen zeitnah für 10.5 bereitzustellen. Sie wollen es zwar tun, nur kostet es sie 6 – 12 Monate Entwicklungszeit. Wir reden dabei von Weltmarktfirmen. Warum sollte eine kleine Softwarschmiede also hergehen und so viel Aufwand betreiben, wenn es auf 100 Anwender 10 Mac User gibt ? Würde ich auch nicht tun und Bootcamp oder Parallels sind gute Alternativen.

    Bootcamp wurde meines Erachtens nach hauptsächlich für die Spielefraktion entwickelt: eines der Hauptkritiken war ja immer der Fakt, dass Spiele für den Mac entweder sehr spät oder gar nicht portiert wurden. Da schafft Bootcamp Abhilfe und für alles andere gibt´s Parallels.

    Servus

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  2. Gravatar Icon Henning

    schrieb am 11. Dezember 2007 um 23:37 Uhr:

    @Jan: Fantastisch. Ein Nutzer, der Verständnis für die Großindustrie entwickelt. Soll´s ja auch noch geben!
    Wenn mir 2 Softwareunternehmen auf Anfragen antworten, ich solle Bootcamp nehmen, dann frage ich nicht intensiv nach den Beweggründen und entwickle Verständnis. Wenn das jeder Macht, braucht es überhaupt keine Portierungen zu OS X zu geben, oder?

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  3. Gravatar Icon Jan

    schrieb am 11. Dezember 2007 um 19:55 Uhr:

    Das kommt auf den Standpunkt an: man wählt in der Regel die Hardware nach der Software, die man benutzt und nicht umgedreht (würde ich als Firma zumindest machen). Wenn ich also z.B. Digital Fusion in meinem Workflow brauche, dann kann ich eigentlich nicht den Mac in Betracht ziehen, da es das Programm nicht für den Mac gibt und lt. Hersteller wohl auch nie geben wird (die haben übrigens genau so argumentiert: zu teuer und unrentabel). Brauche ich das Programm, muß ich mir halt was einfallen lassen: will ich den Mac unbedingt verwenden, muß ich eben über Bootcamp gehen (das ist ja schon ein gewaltiger Fortschritt), weil es die einzige Möglichkeit ist, das Programm effektiv zu betreiben. Ist mir Bootcamp nicht genehm, habe ich halt Pech und müßte mir dann eine Alternative suchen (die es zwar oft aber nicht immer gibt).

    Sieh´ das mal anders herum: was hat Apple mit Logic gemacht ? Sie haben eine existierende Windows Version eingestellt und wollten somit die Anwender zwingen die Apple Hardware zu kaufen, wenn man das Programm weiter nutzen wollte. Ist das nicht das gleiche ? Warum bietet Apple die eigenen Pro Programme (Final Cut, Shake, Logic usw.) nicht auch für Windows an (von all den Programmen gab es schon mal Windows Versionen) ? Tun sie nicht, weil sie bewußt den Userkreis auf die eigene Hardware beschränken wollen.
    Auch wenn Apple´s Marktanteil deutlich gewachsen ist, ist er im Verhältnis immer noch sehr klein, was viele Firmen einfach dazu bewegt, keine native OS X Version bereit zu stellen. Die großen Firmen tuen dies ja in der Regel, aber die kleineren in diversen Nischenbranchen eben nicht und dafür habe ich durchaus Verständnis (ich mag das Geschäftsgebaren von Apple sowieso nicht – die machen tolle Produkte aber leben das Prinzip der Marktwirtschaft ohne Rücksicht auf Verluste aus – das kann sich nur eine Firma wie Apple erlauben, die keine Kunden sondern Fans hat ;-) ).

    Natürlich würde ich es auch besser finden, wenn es alles für alle Plattformen gäbe, aber das ist meiner Meinung nach Wunschdenken und daran hat Apple selbst auch eine gewisse Mitschuld. Mit zunehmender Verbreitung von OS X ändert sich daran vielleich mal etwas, aber dazu sollten sie OS X für jeden PC frei geben und das tun sie auch wieder nicht.

    Man muß die Situation halt nehmen wie sie ist und genau überlegen, auf welche Software man setzt, oder halt die Alternativen in Betracht ziehen (die es ja gibt).

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