An allen teilnehmenden Shell-Stationen kann man seit geraumer Zeit, wenn im Besitz einer ADAC-Clubkarte, Geld beim Tanken sparen. Konkret 2 Cent je Liter. Also wandert bei jedem Tanken neben der Master- auch die ADAC-Karte über den Tresen. Früher habe ich bei nicht bei Shell getankt. Jetzt kostet dort der Liter 1-2 Cent weniger als bei den Mitbewerbern. Fein, fein, gut für das Ego. Soweit.
Was passiert aber nun, wenn ich den Artikel über die Shell-Ölgewinnung in Nigeria in der NEON Ausgabe 04/07 oder die Henri-Nannen-Preis-nominierte Reportage von Ken Saro-Wiwa und Sophia Evans in Mare 55 durchlese? Was, wenn ich an die etwas eigenwillige Entsorgung der Brent Spar von 1995 zurückdenke?
Ölgewinnung ist ein dreckiges Geschäft. So wie alles, wenn man unter der Erde rumbuddeln muss. Aber mir scheint, einige Konzerne nehmen es auch mit der ökologisch, humanistischen Sauberkeit nicht so genau. Wir haben uns alle an streigende Ölpreise gewöhnt, wir werden auch zukünftig mehr und mehr für die der Erde abgerungenen Brenstoffe zahlen müssen. Die Frage ist nur, wie weit wir dabei gehen wollen. Die Profitgier der fördernden Unternehmen und im Besonderen die der Vorstände und CEOs erreicht immer neue, absurde Außmaße. Man halte sich vor Augen, dass das in Nigeria ungenutzt abgefackelte Gas bei der Ölförderung eines Tages reichen würde, um 40% des Jahresenergiebedarfes Afrikas zu decken. Irre! Da behauptet ein Manager, die Bewohner freuen sich über das Feuer und die Hitze, da sie so ihren Fisch trocken. Bescheuert!
In Zeiten der Diskussion über CO2-Senkung und Abwendung von Klimakatastrophen wirkt diese Geschäftspolitik wie Hohn. Der Deutsche soll seinen geliebten und allsonntäglich gepflegten 92er Ascona mit einem geregelten Kat nachrüsten oder dick Kohle an den Staat abdrücken und gleichzeitig stößt ein milliardenschwerer Konzern Tonnen von CO2 aus, obwohl es die Technologie zur Vermeidung und Umwandlung in nutzbare Energie gibt?
Ich bin sicher nicht in der Lage zu beurteilen, ob nur Shell eine in meinen Augen derartig destruktive, unhumane und unzeitgemäße Unternehmenspolitik betreibt oder ob das ein normales Vorgehen bei der Erdölförderung ist. Ich weiß aber, dass ich zukünftig eine andere Zapfsäulenansammlung anfahren werde, denn Autofahren – und da machen wir uns alle bitte nichts vor – werden wir, solange es Öl gibt. Und wenn es Salatöl ist.
Verpasse keinen neuen Beitrag und abonniere unseren RSS-Feed oder unsere Twitter-News.















